Randbemerkungen: Blindflug durchs Kandidaten-gesabber


Egal, ob an Politik interessiert oder nicht, egal ob es einen überhaupt interessiert oder nicht: Was wir tagtäglich erleben ist eine Übergangszeit, die seit 36 Jahren andauert – nur ist niemandem klar, wohin diese Transition führt. Weder denen, die Änderungen herbeiwünschen, noch denen, die dagegen ankämpfen. Letztere wollen bloß ihre Nester warmhalten, in die sie reinplumpsten und sich behaglich einrichteten. Etwa die Justizkaste, die gefährlichste Zusammenrottung Rumäniens. Denn die unterliegt nur der Kontrolle durch sich selber, ist Gesetzesbrecher und Richter zugleich. Hat alle Hebel in der Hand, um dieses rechts- und demokratiewidrige sowie der Restbevölkerung gegenüber feindlich gesinnte Stadium zu wahren. Der Kaste ist wohlbewusst: genau diese Restbevölkerung alimentiert ihre Privilegien, wie Speck die Maden.

Wer die intellektuellen Jammergestalten verfolgte, die Live-Interviews vor den parlamentarischen Ausschüssen „bestehen“ wollten, musste schon bei den Fragen, die ihnen der Justizminister vorlegte – als Typ identisch mit diesen „Prüflingen“, zudem unter akutem Plagiatsverdacht bezüglich seiner Doktorarbeit stehend – die Stirn runzeln: so einfach, so allgemein, so vage waren sie, dass jedwede Antwort darauf den Parlaments-Laien, die die Ausschüsse füllten, genial anmuten musste – weil fast jedwede Antwort passte... Einerseits. Andrerseits hatten sich lauter Klapperzüngler angeboten, die kommenden drei Jahre den wichtigsten Justizinstitutionen vorzustehen, so abgeklatscht, so fade, so ungeschliffen rohhölzern war der Wortschatz und die Syntax dieser Phrasendrescher, dass man sich wunderte, wieso Göttin Themis nicht mit den bronzenen Waagschalen der Gerechtigkeitswaage zu lärmen begann! Bloß, damit man von der Phrasendrescherei der „Kandidaten“ verschont werde.

Dieses beschämende Spektakel wurde von der Crème-de-la-Crème der rumänischen Justiz dargeboten – dass sie das ist, wollte man uns stur glauben machen (in ihren eigenen Augen ist sie es ohnehin). Wenn das also das Beste ist, was die Kaste zu bieten hat, wen wundert´s dann, wenn sich die Frustrationen betreffs Branche und ihrer Vertreter unaufhörlich steigern? Denn das System hat nicht nur Probleme mit der Handhabung der (ohnehin nicht genial formulierten) Gesetze (was aber auch Absicht und Ziel der Politik sein kann!), sondern – und wahrscheinlich noch eher – mit der Sub-Mittelmäßigkeit der Ausbildung, nicht zuletzt aber auch mit eklatanten Bildungslücken und dem fehlenden Interesse, diese zu schließen (an dieser Stelle haben wir bereits auf Urteile hingewiesen, die allein auf peinlichem Bildungsmangel der Richter fußten...).

Dass wir es mit einem Phänomen der Antiselektion zu tun haben, bei diesen Bewerbungsgesprächen für die Führungsposten in den Justizorganen, das war rasch jedem kritischen Zuschauer des TV-Peinlichkeitsspektakels klar. Auffallend die „Großzügigkeit“, mit der die Kandidaten ihre Kollegen für alles schuldig sprachen, was in der Justiz, schonend ausgedrückt, widernatürlich läuft.

Man blieb mit dem Eindruck, dass es den Damen und Herren Bewerbern ausschließlich ums Geld ging, das an den Posten klebt. Bei keinem/-r Einzigen unter ihnen war auch nur ein Anflug von Pflicht- und Schuldigkeitsgefühl gegenüber den Bürgern auszumachen, die ihnen ihre so festgezurrten Privilegien sichern, indem sie Steuern und Gebühren zahlen (oder vom Lohn abgezogen bekommen) – Abgaben, von denen sie, die Nutznießer der Großzügigkeit der Bürger, ohnehin weitgehend enthoben sind.
Der plagiatsverdächtige Justizminister Marinescu und der in vieler Hinsicht umstrittene Präsident N. D. Dan haben bei der anstehenden Bestimmung der Postenbesetzer sicher keine dankbare Aufgabe – vor allem, weil es kaum etwas auszuwählen gibt aus dem wabbrigen Kandidatennebel. Zu raten ist ihnen kaum. 
Blindflug.