Der Wetterhahn im Weißen Haus, der sich ein „King“ wähnt, Weltenherrscher zu sein meint und Wegbereiter eines Goldenen Zeitalters der USA, torkelt in seiner Selbstherrlichkeit von Fehler zu Fehler und schiebt in seiner grenzenlosen Eitelkeit und Naivität Europa immer näher dem gefräßigen Rachen des russischen Bären zu. Jüngstes Beispiel: sein gebrochenes Versprechen bezüglich der Langstreckenrakete „Tomahawk“. Dass er auch bei diesem Wortbruch als von Putin veräppelter vertrottelter Greis dasteht, ist ihm, wie in vorherigen Fällen (u.a. Alaska), natürlich nicht bewusst.
Mit dem Begriff „Langstreckenraketen“ meinen die Kommentatoren meist nicht nur jene zielgenauen penetranten Vernichtungswaffen, mit denen Ziele tief im Innern des gegnerischen Territoriums zerstört werden können. Es sind auch Entscheidungen betreffs Langzeitzielen, Schlüsselhandlungen für die fernere Zukunft, manchmal auch Worte mit Folgen. Langstreckenrakenten sind, so gedeutet, geschichtsträchtig. Oder „Schachzüge“, eine Lieblingsformulierung von Zbigniew Brzezinski.
„Schachzüge“, im Fall der Ukraine, waren 1991 die Unabhängigkeitserklärung aufgrund des Referendums vom Dezember, wo über 92 Prozent der Stimmenden sich für die Lostrennung von der UdSSR aussprachen; das Memorandum von Budapest 1994, als die USA, Großbritannien, Frankreich und China Kiew (Sicherheits-)Garantien zusagten (bis heute nur in Maßen einhalten), wenn die Ukraine auf das von der Sowjetunion geerbte Atomwaffenarsenal verzichtet; die Pro-Europa-Entscheidung der Ukraine, die Präsident Viktor Janukowitsch im Januar 2014 stürzte und zur Flucht ins Moskauer Exil zwang; März 2014 und die militärische Besetzung der Krim durch die Russen, ohne eine nennenswerte Reaktion des Abendlandes (außer der noch heute aktuellen Kette zittriger Sanktionen) – und, etwa zeitgleich, der Ausbruch von Kampfhandlungen gegen Kiew im Donbass; nicht zuletzt die Invasion der Ukraine durch Russland im Februar 2022, Putins „Spezial-Operation“. Seither dauert der „Russisch-Ukrainische Krieg“ (auch: „Ukraine-Krise“) an.
Im Schlepptau dieser „Schachzüge“ änderte sich die Welt. Ein neuer Machtblock, China voran, entstand (unter den sich auch Russland einigelt, mit dem aus EU-Europa Ungarn und die Slovakei liebäugeln und in dessen Interesse die EU ausbremsen). EU-Europa besinnt sich, gezwungen von Trump, auf seine Selbstverteidigungsbedürfnisse (Folge: ein seit Mitte des 20. Jh. nicht mehr erlebtes Aufrüstungshoch). Die notorisch Neutralen, Finnland und Schweden, traten schleunigst der NATO bei. Kanada rückt von den USA ab und Europa näher, ebenso Australien und Japan: Andrerseits schließen Indien (!) und Brasilien zu China auf und arbeiten am Zementieren des Gegenblocks. Während die USA, Donald Münchhausen untertänig, historisch blind und im Sog eines neuen, massiv manipulierten Selbstbewusstseins (MAGA), sich mit allen Mitteln und Kräften alle Welt zum Feind machen und ihre frühere Rolle als – immerhin unterm Strich friedensstiftender – Weltpolizist zugunsten eines zähnefletschenden unberechenbaren Welterpressers aufgeben, dem jeder „Deal“ heilig ist, wenn er nur (erst ihm) einen (möglichst greifbaren) Nutzen bringt.
Mit Trumps Absage der Budapest-Unterredung mit Putin hat der Wetterhahn schon wieder eine Drehung gemacht. Langstreckenraketen hat er Selenskyj jetzt keine mehr zugesagt, aber „Wo-bist-du-Viktor“ (Orbán) einen dicken Strich durch die Wahlrechnung 2026 gemacht, dessen FIDÈSZ in den Umfragen weit hinter der „Tisza“-Partei zurückliegt.
Währenddessen lernen die Ukrainer. „Schließen wir jetzt Frieden, geben wir Russland Zeit zur Vorbereitung eines neuen Kriegs. Gegen uns, oder andere. Aber professioneller“, heißt es aus Kiew. Militärtechnisch, etwa bei Drohnen, ist man dort bereits zur Weltspitze vorgestoßen.
Sowas orakelte schon diese Rubrik...





