Streiflichter von der Frankfurter Buchmesse 2025

Von Gorzyca über Hehn bis Hodjak – auch Rumänien und rumäniendeutsche Literatur gut vertreten

Die internationale Frankfurter Buchmesse ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis und feierte heuer ihre 77. Ausgabe. Wer das Messegelände im Gallusviertel betritt, spürt die Begeisterung für Bücher: Besucherinnen und Besucher, die gerne lesen, neue Titel entdecken oder Literatur aus aller Welt kennenlernen möchten, fühlen sich hier gut aufgehoben und besonders wohl. Zwischen den zwölf Messehallen, dem großen Innenhof mit der Agora, herrscht geschäftiges Treiben – Menschen strömen eilig und geschäftig diskutierend oder telefonierend aneinander vorbei, überall laden Imbissstände, Büchertische und große Werbeplakate zum Verweilen ein. Ein Highlight in diesem Herbst im Hof war die Rakete „SpacebuzzOne“, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt aufgestellt wurde: Mit einer Spezialbrille konnten Gäste – besonders Kinder waren interessiert – darin auf eine virtuelle Reise ins All gehen. So verschmelzen auf der Buchmesse echte Erlebnisse und Virtual-Reality-Abenteuer miteinander. Viele Leser, die Young-Adults, Kinder, Jugendliche aus den vielen Geschichten der Mangas, Comics und Romances verkleidet, sahen sich um in den überfüllten Hallen. Lesungen, Diskussionen, Signierstunden, Fragen und Antworten gab es an der Mehrzahl der Messestände. Das diesjährige Gastland Philipppinen war im Forum zu besichtigen, wo Bücherausstellungen, Filme, Buchpräsentationen die zahlreichen Gesichter der vielen philippinischen Inseln präsentierten. 

Wie jedes Jahr bin ich durch den Innenhof der Buchmesse geschlendert und suchte auf meinem Plan, welche Messestände ich besuchen wollte. Dazu gehörte die Halle 4, wo die Verlage und Ländervertreter Mittel- und Osteuropas wie auch der nordischen Länder waren. Der modernsten der Hallen, die Halle 3, wo die größten deutschen Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Bundesländer jährlich vertreten sind, galt der größte Ansturm. Während man am Stand des Thalia Verlags im Erdgeschoss bereits Schlange stand für Autogramme, ertönten von zahlreichen anderen Ständen die vermischten Geräusche der Lesungen, Diskussionen, Debatten, begleitet vom Geräusch der Kaffeemaschinen, der Standgespräche und dem Geruch der frisch gedruckten Bücher, die überall Regale, Tische und Wände füllten, in allen Varianten, Größen und Farben. Eine Blendung mit vielen Eindrücken. Sich da zurechtzufinden, ist manchmal eine der größten Herausforderungen. 

In Halle 4.1, Gang D38, fand ich den Stand Rumäniens. Dort präsentierte Mariana Gorczyca, Generalsekretärin des PEN-Romania, zusammen mit Georg Aescht und Jan Cornelius ihr Buch „Diesseits und Jenseits des Tunnels.1945“, das 2020 von Beatrice Ungar ins Deutsche übersetzt wurde. Das Werk schildert eine Deportationsgeschichte aus Siebenbürgen und basiert auf den Erfahrungen von Gorczycas Schwiegermutter aus Schäßburg/Sighi{oara. In einer Diskussion mit Moderator Cornelius wurde das Thema der Deportation, das in den letzten Jahren vielfach behandelt wurde, erneut aufgegriffen. Gorczyca erzählt fiktional die Erlebnisberichte ihrer Schwiegermutter aus Schäßburg. Aus Schäßburg hatte sie zum Abschluss das Glockengeläut der Kirche mitgebracht, ein besonderes Symbol ihrer Erzählung. Ihr Roman „Rubla. Ort ohne Schatten“, 2025, Honterus Verlag, erzählt eindrucksvoll über B˛r˛gan-Deportationen. Wäre die Lesung am rumänischen Stand nicht von den singenden Ukrainern am Nebenstand übertönt worden, hätte sich vielleicht auch mancher Besucher zwischen den Gängen bei den Rumänen aufgehalten, aber die Ukrainer und die Ungarn auf der anderen Seite mit ihrem frisch gekürten Nobelpreisträger überragten das Geschehen. Das Programm des rumänischen Messestands führte in den Folgetagen nicht nur Autoren aus der Moldau (Iulian Frunta{u), Ukraine (Pavlo Matyusha) und Rumänien, sondern auch die deutschen Autoren mit Herkunft aus Rumänien zusammen. 

Ilse Hehn, Banater Künstlerin und Autorin mehrerer Gedichte und Prosabücher, einst Lehrerin in Mediasch, stellte ihr neues Buch „Legst du dich in Schrift“, Pop-Verlag 2025, bereits am ersten Messetag vor. Auch Horst Samson war mit der Neuerscheinung „Vom Auftauchen und Verschwinden der Landschaft“, Pop-Verlag 2025 anwesend. Interesse weckende Gespräche, wie „Literatur ohne Grenzen“, moderiert von Georg Aescht oder Büchervorstellungen von Ana Blandiana, Franz Hodjak, Eginald Schlattner, Anton Sterbling von Horst Samson und Georg Aescht präsentiert, waren angekündigte Veranstaltungen des Pop-Verlags, Ludwigsburg. „Ehrenplatz im Jenseits“ – der letzte Gedichtband von Franz Hodjak war Thema eines Gesprächs zwischen Aescht und Samson. An Vielfalt und Verschiedenartigkeit fehlte es dem vom rumänischen Kultusministerium finanzierten und von Sponsoren unterstützten Programm nicht, aber ein zahlreicheres interessiertes Publikum wünsche man sich doch, sagten die Standbegleiter. Und immer noch wartet Rumänien auf eine Einladung als Gastland der Frankfurter Buchmesse. Man spricht von einer Chance für etwa 2028 oder gar erst 2030, da die beiden nächsten Termine bereits an Tschechien und Chile vergeben sind. Wir hoffen es für das Literaturland Rumänien, das wahrhaftig viele gute und auch international beachtete Autoren hat. Schließlich hieß es mal, dass in Rumänen viele Menschen einmal in ihrem Leben Volksdichtung, Lieder oder Poesie verfasst haben. Wir kennen das, wenn wir auf Lesungen oder Dichtertreffen dort sind und immer wieder mit einer Tasche voller Bücher zurückkehren, die man uns zugesteckt hat. Im Literaturhaus Jassy hatte ich mal meine Bücher, die mir alle schreibenden Teilnehmer geschenkt hatten, im Schrank des Gästehauses vergessen und erhielt nach einigen Tagen zu Hause überrascht ein großes Paket, das man mir zugeschickt hatte, nachdem man die Bücher im Schrank entdeckte!

Die Frankfurter Buchmesse hat sich in all den Jahren, seitdem ich sie regelmäßig als Gast oder Moderatorin und Übersetzerin besuche, sehr verändert. Größer, unübersichtlicher, vielfältiger, diverser ist sie geworden. Diesjährig konnte man zum ersten Mal Bücher direkt auf der Messe kaufen. In der alten Messehalle standen die Young-Adults Schlange bei den Signierstunden einiger Autoren der Bestsellerlisten (Spiegel 2025). Die New-Adult- und Romantasy-Romane-Leser, die wie die Meldungen sagen, den Buchmarkt retten, stürmten die Messe (besonders bei Bianca Iosivoni – die ich auch erst nachschlagen musste – bekannt für ihre Liebesromane, Romances, war die Reihe lang!). 

Jedes Jahr werden laut Agenturmeldungen 100 bis 300 Buchhandlungen in Deutschland geschlossen. Signierte Bücher fand man auch an anderen Ständen zum Kauf. Außerdem wurden wenige Souvenirs verteilt, Taschen und Stifte, Notizbücher, Lesezeichen oder gar Bücher konnte man aber kaufen. Alles wurde verkauft (sogar Socken und Plüschtiere am Thalia-Stand), was zur Folge hatte, dass manche Messestände einen richtigen Ansturm erlebten, während andere leer waren und kaum besucht wurden. Doch es schlenderten im Innenhof die Besucher auch mit Stofftaschen voller Bücher herum, mit Aufschriften wie „I Just want to read books“, „Wissensträger (innen)“, „Ein gutes Buch ist immer gut“, „stay classic“ usw. – Lippenbekenntnisse oder Werbung? Wie berichtet, haben hohe Standgebühren so manchen Kleinverlag nicht antreten lassen. Wie mein Mann, Aufbauingenieur und -techniker der Buchmesse, mir mitteilte, wurde für die nächste Buchmesse ein neues Konzept angekündigt. Wir lassen uns überraschen. 

Deutschland wird das Prädikat als Land der „Dichter und Denker“ zugeschrieben, Rumänien gilt allgemein als „Ort der Poesie“, Amerika als Land, in dem die meisten Bücher veröffentlicht werden, die Schweiz ist das Land in Eu-ropa, wo am meisten gelesen wird. Aber eine Statistik zu unserem Land im Augenmerk, Rumänien, besagt, (laut Eurostat), dass dort die wenigsten Leser Europas sind, zurzeit. Das war wohl einmal anders, im Kommunismus wurde mehr gelesen. Bücher waren Zufluchtsorte. Kann eine Buchmesse das Leseverhalten ändern, fragte ich mich? 

Ereignisse wie die Frankfurter Buchmesse – international als größte ihrer Art – fungieren als bedeutende Impulse zur Förderung des Lesens. Zu den etablierten Anreizen zählen zudem Buchpreise, Autorenlesungen und Dichtertreffen. Die Werke, die im Rahmen des Deutschen Buchpreises ausgezeichnet werden, greifen häufig gesellschaftlich relevante Themen und aktuelle Ereignisse auf. Dorothee Elmiger, die Preisträgerin, schildert in ihrem beim Hanser Verlag erschienenen Werk distanziert und zugleich fesselnd das Verschwinden zweier Holländerinnen im südamerikanischen Regenwald – ein literarischer Rückgriff auf eine vergangene, dunkle Geschichte mit aktuellem Bezug. Ein weiteres zentrales Thema der diesjährigen Buchmesse war die Rolle der KI sowie die Bedeutung von Übersetzungen, denen mehrere Fachforen gewidmet waren. Angesichts der beeindruckenden Zahl von 4350 Ausstellern und 230.000 Besucherinnen und Besuchern stellt sich die Auswahl eines geeigneten Buches für jeden als besondere Herausforderung dar.

Einen schönen Abschluss des ersten Besuchertages bot die Verleihung der Jugendliteraturpreise in Anwesenheit der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien. Im Congress Saal wurden die Preise für das beste Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch sowie Sonderpreise verliehen. Eine Veranstaltung, die Hoffnung macht und ein Aufruf der Jugendjury an die Ministerin, alle Schulen und Kitas des Landes mit zahlreichen Büchern auszustatten. Auch das ist eine Aufgabe, die die Buchmesse mit sich bringt. Der Abschluss fand nach drei Besuchstagen am Sonntag statt. Und die Vorbereitungen für die nächste Buchmesse – Gastland Tschechien – sind bereits in vollem Gange.