Vor 1700 Jahren rief Kaiser Konstantin der Große die Bischöfe der damals noch jungen Kirche in Nicäa zusammen, um in einer Zeit politischer Umbrüche und theologischer Spannungen ein gemeinsames Fundament zu legen. Das Konzil von 325 gilt als Geburtsstunde eines verbindlichen Glaubensbekenntnisses – und zugleich als frühes Experiment synodaler Praxis: Beratung, Auseinandersetzung, Konsenssuche. Heute, im Rückblick auf diese epochale Wegmarke, stellt sich die Frage, wie Synodalität als kirchliche Haltung, als gesellschaftliches Modell und als lebendige Herausforderung für Gegenwart und Zukunft neu verstanden werden kann.
Dieser Fragestellung widmeten sich Theologen der Fakultät für Orthodoxe Theologie „Der Heilige Andrei Șaguna“ in Hermannstadt/Sibiu sowie des Zentrums für Evangelische Theologie Ost (ZETO), als sie zu einer Tagung mit dem Titel „Von lokaler zu universeller Synodalität. Die synodale Erfahrung der letzten zwei Jahrhunderte in ökumenischer Perspektive: Nicäa, Kreta, Leuenberg, Vaticanum II., Lambeth“ einluden. Die Tagung fand vom 14. bis 16. November 2026 in der Metropolit-Ioan-Mețianu-Aula der Orthodoxen Fakultät statt.
Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), vertreten durch Dr. Stefan Cosoroabă, organisiert und aus Mitteln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gefördert.
Die breitgefächerte ökumenische Teilnahme beleuchtete die Frage und Problematik der Synodalität aus unterschiedlichen Perspektiven, um am Ende aus vielen kleinen Puzzlesteinen eine differenzierte Sichtweise zu ermöglichen, die jenseits konfessioneller und regionaler Unterschiede die in der Synodalität fußende Gemeinsamkeit veranschaulichte. Eingeladen waren als Referenten und Teilnehmer Vertreter der Rumänischen Orthodoxen Kirche, der protestantischen Kirchen, der Katholischen Kirche und der Anglikanischen Kirche. Anwesend waren Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus sechs Ländern: Rumänien, Deutschland, Italien, England, Dänemark und Österreich.
„Wir sind hier aus verschiedenen Ländern, Traditionen und kirchlichen Hintergründen zusammengekommen. In gewisser Weise hat der erste Schritt dieser Konferenz – ihre erste ‚Sitzung‘ – bereits stattgefunden: Wir sind zusammen hier. Sich zu versammeln, zuzuhören und über Konfessionsgrenzen hinweg zusammenzukommen, ist bereits ein Akt der Synodalität. Noch bevor es zu irgendwelchen Vorträgen gekommen ist, haben wir die wesentliche Voraussetzung für diese Veranstaltung erfüllt: gemeinsam unterwegs zu sein“, erklärte Dr. Alexandru-Marius Cri{an von der Orthodoxen Fakultät Hermannstadt und Mitglied des Organisationsteams, in seinem die Tagung eröffnenden Grußwort.
Das unterschiedliche und zugleich gemeinsame synodale Verständnis von Kirche war Thema aller Vorträge. Trotz verschiedener regionaler und konfessioneller Prägungen bleibt das Prinzip der Syno-dalität für alle an der Tagung vertretenen christlichen Konfessionen biblisch verankert. Zwar werden dafür gewöhnlich neutestamentliche Passagen ins Feld geführt, doch – wie der Vortrag von Dr. Johannes Klein veranschaulichte – finden sich synodale Ereignisse bereits im Alten Testament. So konnte Prof. Dr. Irimie Marga in seinem Beitrag die Bedeutung des synodalen Prinzips wie folgt zusammenfassen: „Die Kraft, die die gesamte Kirche trägt, ist und bleibt die Synodalität als deutlichster Ausdruck der Gemeinschaft, sei es auf höchster Ebene durch die ökumenische Synode oder auf lokaler Ebene, die jedoch durch verschiedene Arten von lokalen, gemischten oder hierarchischen Synoden in die universale Kirche integriert ist.“
Anhand der gehaltenen Vorträge erhielten die Teilnehmer einen Einblick in den unterschiedlichen Umgang mit Synodalität in den verschiedenen Traditionen: So zeichnete Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), die Entwicklungsgeschichte des protestantischen Verständnisses von Synodalität von der Reformation bis in die Gegenwart nach. Dr. Nevsky Everett vom Institut für Orthodoxe Christliche Studien in Cambridge erläuterte das Spezifikum der Synodalität in der Anglikanischen Kirche. Das katholische Verständnis war Thema der Vorträge von Gerhard Wehlan (Rom) und Martino Mortola (Mailand). Der Beitrag von Dr. Jacob Egeris Thorsen aus Dänemark setzte sich mit der Perspektive der neoprotestantischen Kirchen auseinander. Das orthodoxe Verständnis von Synodalität war Inhalt mehrerer Vorträge, die von der Theologie Dumitru Stăniloaes bis zu ekklesiologischen Fragestellungen reichten. Weitere historische Perspektiven lieferten die Beiträge von Bischof Dr. Johann Schneider (Magdeburg), Dr. Irimie Marga und Dr. Andras Bandi (beide Hermannstadt).
Jenseits der bereits erwähnten Unterschiede zwischen den verschiedenen Konfessionen wurde in allen Beiträgen deutlich, dass Synodalität eines der wichtigsten ökumenisch verbindenden Elemente des kirchlichen Daseins zwischen den christlichen Denominationen bleibt.
Im Rückgriff auf das vor 1700 Jahren vom Konzil von Nicäa verabschiedete Glaubensbekenntnis erklärte Pfr. Gerhard Servatius-Depner, Leiter des Zentrums für Evangelische Theologie Ost, in seinem Grußwort: „Das Konzil stellt einen großen Schritt für das Christentum dar. Alle Gedenkfeiern in diesem Jahr bieten eine willkommene Gelegenheit, über den gemeinsamen Glauben der Christen nachzudenken und ihn zu feiern, wie er im während des Konzils formulierten Glaubensbekenntnis zum Ausdruck kommt – ein Glaube, der bis heute lebendig und fruchtbar bleibt. Die Einigung über den Text des Glaubensbekenntnisses war eine Frage der Definition der wesentlichen gemeinsamen Grundlagen, auf denen Gemeinschaften aufgebaut werden können, die sich gegenseitig anerkennen und die Vielfalt des anderen respektieren.“
Alle während der Tagung vorgestellten Beiträge sowie weitere, die nicht Teil des offiziellen Programms waren, sollen im Laufe des Jahres 2026 in einem Dokumentationsband veröffentlicht werden.







