Wenn der Strom plötzlich weg ist!

Sonnensturm, Cyberangriff, Spannungsoszillation: Blackout

Geladene Teilchen von der Sonne bewegen sich entlang der Linien des Erdmagnetfeldes um die Erde. Nur an den Polen, wo die Feldlinien auf die Erde treffen, treten die Teilchen in die Atmosphäre ein und erzeugen durch Ionisierung Polarlichter.

Vorbereitung auf den Ernstfall: Wasser und Lebensmittel bunkern – und Tierfutter nicht vergessen!

Alles, was man zum Camping braucht, ist auch bei längerem Stromausfall nützlich. Symbolfotos: Pixabay

Plötzlich ist es dunkel. Der Fernseher geht aus, die Heizung steht still, das Handy lädt nicht mehr. Internet und Telefonleitungen: tot. Die Straßenzüge ringsum: im Schwarz der Nacht versunken. Wer jetzt im Lift steckt hat Pech gehabt. Meist geht der Strom nach Minuten, allerhöchstens ein-zwei Stunden wieder an. Meist sind nur wenige Häuserzeilen betroffen. Meist... Was aber, wenn auch am nächsten und übernächsten Tag der Supermarkt geschlossen, der Bankomat tot, die Tankstellen verwaist sind und der Eisschrank abgetaut ist? Wenn kein Zug fährt und keine Straßenbahn? Wenn man nicht weiß, wie vom Büro nach Hause kommen? 

Ein Blackout von mehreren Tagen oder gar Wochen ist, zugegeben, nicht sehr wahrscheinlich, versichern Experten immer wieder. Und doch kann man es nicht ausschließen. Mögliche Ursachen gibt es viele: solarer Supersturm, Cyberattacke, Terroranschlag oder das unglückliche Zusammenspiel technischer Probleme, wie Anfang dieses Jahres auf der Iberischen Halbinsel. Auch der Hybridkrieg, den Russland seit Beginn seiner Ukraine-Invasion gegen Europa führt und der die Anzahl der gezielten Cyberattacken auf kritische Infrastruktur in die Höhe schnellen ließ, sollte für das Problem sensibilisieren. In einer Welt maximaler Abhängigkeit von vernetzter Hochtechnologie katapultiert einen ein längerer Stromausfall beinahe zurück in die Steinzeit. Bis nach einem  Blackout (Stromausfall von mehr als 12 Stunden, der große Teile eines Landes oder mehrere Länder betrifft ) alles wieder hochgefahren wird, kann es Tage dauern. Beleuchten wir daher nicht nur Ursachen und Auswirkung, sondern auch die Vorsorge, die jeder treffen kann – und sollte!

Solarer Supersturm: nur eine Frage des Wann

1859 eignete sich der bisher größte wissenschaftlich beobachtete magnetische Sturm auf der Erde, das sog. Carrington-Ereignis, verursacht durch solare Eruptionen, bei denen Jets elektrisch geladener Teilchen ins All schießen. Das Carrington-Ereignis hat die Funktion des damals noch jungen weltweiten Telegrafienetzes massiv beeinträchtigt. In Nordeuropa und -amerika entstanden in den Telegrafenleitungen so hohe Spannungen, dass die Papierstreifen in den Empfängern durch Funkenschlag in Brand gerieten.  Sonnenstürme können das Erdmagnetfeld und damit die Atmosphäre stark deformieren. Dies geschah am 4. Februar 2022, als ein weit geringerer Solarsturm als das Carrington-Ereignis auf die Erde traf und zum Absturz von 40 von 49 Satelliten führte, die das Raumfahrtunternehmen Space X nur einen Tag davor ins All geschickt hatte. Die Atmosphäre hatte sich ausgedehnt, so dass die Satelliten auf einmal statt im Vakuum in der Luft flogen. Die Reibung brachte sie zum Absturz.  

Die stärkte jemals gemessene Sonneneruption fand am 4. November 2003 statt. Wäre die Erde in der Schusslinie der Teilchenjets gewesen, wären Satelliten zerstört, Transformationen durchgebrannt und Stromnetze großflächig über längeren Zeitraum ausgefallen. Am 23. Juli 2012 kam es sogar zu einem dem Carrington-Ereignis vergleichbaren solaren Supersturm, der nur knapp außerhalb des Bereichs der Erde tobte. 

Was wären die Konsequenzen, würde ein solcher Solarsturm die Erde treffen? „Heute stehen die hochgezüchteten technischen Infrastrukturen auf dem Spiel, die inzwischen nahezu alle Bereiche unseres Lebens durchdringen“, erklärt Tom Bogdan vom Space Weather Prediction Center gegen-über National Geographic (NG). Auch Daniel Baker von der University of Colorado sieht „den ganzen Cyber-Kokon, in den die Erde eingesponnen ist“, bedroht. Neben Störungen des GPS-Systems, das von Mobiltelefonen, Flugzeugen und Fahrzeugen genutzt wird, wäre die Satellitenkommunikation gefährdet. „Jede Tankfüllung, die Sie mit Ihrer Kreditkarte bezahlen, ist mit einer Satellitentransaktion verbunden“, illustriert Baker. Die größten Sorgen der Experten aber betreffen das Stromversorgungsnetz: Spannungsspitzen könnten Hunderte riesige Transformatoren gleichzeitig zerstören. Sie zu ersetzen, würde sehr lange dauern, weil diese Anlagen nicht auf Vorrat gebaut werden, erklärt Baker, auch Co-Autor eines Berichts des Nationalen Forschungsrats der USA zu den Gefahren von Sonnenstürmen, der NG. Selbst große Städte könnten dann „eine Woche, einen Monat oder ein Jahr lang ohne Strom“ sein!

Die Aktivität der Sonne folgt einem Zyklus von elf Jahren.  Das letzte Aktivitätsminimum war 2019, seither geht es wieder aufwärts.  Wie stark, ist ungewiss: der letzte Zyklus war eher unauffällig, während er früher auch schon mal ungewöhnlich heftig verlief. Inzwischen weiß man auch, dass die Sonne zu noch viel stärkeren Ausbrüchen in der Lage ist, als es 1859 der Fall war. Vorhersagen kann man sie nicht. Frühwarnen aller-dings schon, denn die Teilchen brauchen etliche Stunden, bis sie die Erde erreichen: Ungefähr 20 Stunden ab der Messung des Ausbruchs bleibt Zeit, zu warnen und Maßnahmen zu ergreifen, erklärt Baker der NG.

ESA: Frühwarnung und Notfallplan

Laut der Europäischen Weltraumorganisation ESA sollen erste Frühwarnsysteme ab 2026 funktionieren. Gleichzeitig wird an  Resilienzstrategien gearbeitet: Vorsorge, Infrastrukturtests und klare Notfallpläne. Mit dem für 2031 geplanten Frühwarnsatelliten „Vigil“ will die ESA Sonnenaktivitäten von einem strategischen Sonnenbeobachtungspunkt aus noch besser im Blick haben. Dann wären Frühwarnzeiten von vier bis fünf Tagen möglich – ein entscheidender Vorsprung, wenn es darum geht, Stromnetzbetreiber, Fluglinien und Kommunikationsdienste rechtzeitig zu warnen.

Kürzlich hat die ESA ein dramatisches Szenario durchgespielt: ein Solar-sturm von der Größe des Carrington-Ereignisses, in dessen Folge Stromnetze und Navigationssysteme ausfallen, Kommunikationssysteme, Datenzentren, Verkehrssteuerung, Bankensysteme und sogar Rettungsdienste lahmgelegt werden könnten. Das Szenario sei keine Spielerei, sondern Vorbereitung, versicherte ESA-Simulationsexperte Gustavo Baldo dem österreichischen Newsportal „Heute“. „Es geht nicht darum, ob es passiert – sondern wann“, sagt Baldo.

Hackerangriff, Hybridkrieg, Spannungsoszillationen

Am 10. Dezember 2024 berichtete die ADZ, Rumäniens größter Stromanbieter, die Electrica-Gruppe, sei Ziel eines Cyberangriffs geworden, verbunden mit einer Geldforderung. Kritische Systeme für die Stromlieferung seien jedoch nicht betroffen, der Angriff sei rechtzeitig bemerkt und die entsprechenden Module isoliert worden. Das Nationale Direktorat für Cybersicherheit (DNSC) verwies nach diesem Vorfall auf die dringende Notwendigkeit der Gründung eines auf den Energiebereich spezialisierten Einsatzzentrums für Cybersicherheit, um die nationale Energiesicherheit zu garantieren. 

Am 28. April 2025 schockte ein Blackout auf der Iberischen Halbinsel ganz Europa. In Spanien und Portugal fiel für rund 12 Stunden großflächig der Strom aus. Supermarktkassen und Bankomaten funktionierten nicht, Lebensmittel-Kühlketten wurden unterbrochen, der gesamte Schienenverkehr lahmgelegt. Anfangs wurde über einen Cyberangriff spekuliert. Der Analysebericht ergab dann allerdings „nur“ ein Zusammenspiel unglücklicher Umstände: veraltete Rechtsvorschriften für erneuerbare Energien und ein zu geringer Spannungs-Puffer im Hochspannungsnetz, so dass sich Stromschwankungen aufschaukeln konnten.
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ie Gefahr eines Cyberangriffs auf essenzielle Infrastruktur in ganz Europa  ist jedoch seit Beginn des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gestiegen. Im Juni 2025 titelte die deutsche Zeitschrift „Stern“: „Cyber-angriffe aus Russland: Das ist erst der Anfang“. In einem Interview wird Thomas R. Köhler, Autor mehrerer Bücher zur Cybersicherheit, gefragt: „Seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 hat sich die Zahl der Cyberattacken und Ausspähversuche Russlands auf europäische Systeme massiv erhöht. Rechnen Sie mit einem weiteren Anstieg?“ Köhler erwidert: „Das ist erst der Anfang. Aus meiner Sicht spielt Russland noch unter seinen Möglichkeiten. Die informationstechnische Schlagkraft Moskaus wird gerne unterschätzt.“  Stromversorgung gehöre wie auch Telekommunikation oder Fernwärme zur entscheidenden zivilen Infrastruktur, fährt er fort. „Das ist die Königsklasse der Cybersicherheit. Hier sollten wir uns große Sorgen machen.“ 

Konsequenzen im Alltag – wie sich vorbereiten?

Wenn das Stromnetz ausfällt, können auch zahlreiche andere öffentliche Netze betroffen sein, denn sie sind häufig von der Stromversorgung abhängig. Beim Einkaufen gäbe es Probleme, da die elektronischen Kassensysteme nicht mehr funktionieren. Der Ausfall vom Ampeln, Tunnelbeleuchtung, Bussen und Bahnen würde ein Chaos im Straßenverkehr auslösen. Kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser oder Wasserwerke verfügen über Notstromaggregate, doch wenn der Blackout länger anhält, sind alle Aspekte des Alltags betroffen, von der medizinischen über die Wasserversorgung bis hin zur Nahrungsbeschaffung.

Bislang findet das Thema Blackout wenig Beachtung, kritisiert die österreichische News-Plattform „Die Presse“: Bei einer von der Wirtschaftskammer zitierten Umfrage hätten zwei Drittel aller Betriebe angegeben, gar nicht vorbereitet zu sein. Unternehmen sollten jedoch bedenken, dass es schwierig sein könnte, bloß weil man nicht arbeiten kann, die Mitarbeiter einfach nach Hause zu schicken. Daher sollten Trinkwasser- und Lebensmittelvorräte, Offline-Spiele und Ruhezonen vorhanden sein. Aber auch ein Einsatzplan: Wer macht im Ernstfall was? Zu den Vorsorgemaßnahmen gehören ebenso „geschulte Personen, die den Lift händisch zum nächsten Stockwerk fahren, oder eine technische Vorkehrung in Form einer Batterie für die Notfahrt des Aufzuges.“ Denn die Feuerwehr wird wahrscheinlich nicht erreichbar sein. 

Für Privathaushalte bietet die Webseite des österreichischen Bundesheeres Rat: „Experten rechnen innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einem Blackout“, heißt es dort außerdem. Und: Nach einem europaweiten Blackout werde mindestens eine Woche vergehen, bis die Stromversorgung überall wieder hergestellt ist, und weitere Tage, bis Handy, Internet und Festnetz funktionieren. Empfohlen wird daher, für mindes-tens zwei Wochen Vorräte anzulegen – und zwar so, als würde man zum Camping fahren: haltbare Lebensmittel, Wasser, Tierfutter, Medikamente, Hygieneartikel, Bargeld in kleinen Einheiten, Gaskocher, Zünder, Kerzen, ein batteriebetriebenes Radio, Batterien, Taschenlampen, Müllsäcke, Erste-Hilfe-Kasten. Und das Auto sollte nie weniger als halbvoll betankt sein, heißt es. Vermutlich, um von der Arbeit noch heimfahren zu können. Ansonsten könnten auch gute Laufschuhe  die Rettung sein.