Am Ende des Kirchenjahres, wenn die Tage immer kürzer und die Nächte immer länger werden, denken wir an die sogenannten „letzten Dinge“. Vergänglichkeit, Weltgericht, Wiederkunft Jesu, Tod und Ewigkeit sind die Themen der Gottesdienste in dieser Zeit. Aber bei genauerem Hinschauen stellen wir fest, dass diese „letzten Dinge“ eigentlich nur vorletzte Dinge sind.
Ein gutes Beispiel hierfür sind die Worte Jesu aus Johannes 11,25, die zum Totensonntag passen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe“. Hier hören wir, dass der Tod nicht das Letzte, sondern für den glaubenden Christen nur das Vorletzte ist. Jesus unterscheidet nämlich unseren sterblichen Leib von unserer unsterblichen Seele. Die Seele bleibt am Leben, auch wenn der Leib stirbt. Dies lehrt er uns auch in Matthäus 10,28: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können“.
Auch der Apostel Paulus meldet sich zu diesem Thema zu Wort und schreibt in 2. Korinther 4,16: „Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ Ja, wir werden immer älter, die Kräfte lassen nach und unser Körper verfällt wie eine brüchige Hütte. Aber in dem Moment, wo diese Hütte endgültig zusammenfällt, zieht die Seele aus ihr aus. Das behauptet wiederum der Apostel Paulus in 2. Korinther 5,1: „Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.“
Damit ist klar, was geschieht, wenn Gotteskinder heimgehen: Sie sterben nicht, sondern sie ziehen nur um. Das ist so, wie wenn ein Bewohner sein baufälliges Haus verlässt und in ein neues, viel schöneres Haus umzieht. Über diesen Umzug in das von Gott erbaute, ewige Haus im Himmel freut sich der Apostel Paulus und schreibt in 2. Kor. 5,8: „Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn.“
Ein Pastor bezog dies einmal auf sich selbst und sagte seiner Gemeinde: „Wenn ihr mich eines Tages beisetzt, müsst ihr das leider ohne mich tun. Denn ich werde bei meiner Beerdigung nicht dabei sein!“ Recht hat er! Denn wir haben unseren Leib ja bereits verlassen und sind gar nicht mehr da, wenn er bestattet wird.
Viele Menschen stellen sich vor, sie müssten beim Sterben hinunter in das dunkle, kühle Grab und haben große Angst davor. Diese Sorge teilte mir einmal ein Glaubensbruder mit und sagte: „Ich freue mich zwar auf die Begegnung mit Jesus, aber vor dem Grab habe ich große Angst.“ Ich versuchte, ihm diese Angst zu nehmen und sagte ihm: „Ein gläubiger Christ wird das Grab nicht sehen. Beim Sterben ist es so, wie wenn einer seinen Mantel auszieht, und geht ohne ihn weiter! In das Grab kommt nur der Mantel, also deine sterbliche Hülle.“
Das Einzige, was ein Christ zurücklässt, ist seine Hülle. Er selbst aber lebt, auch wenn er stirbt. Er ist nämlich in das neue himmlische Haus umgezogen und ist in der „alten Hütte“ nicht mehr auffindbar. Deswegen fügt Jesus noch hinzu: „Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Johannes 11,26) O, wie kostbar ist unser Glaube! Gelobt sei der auferstandene Herr! Amen.





