Jesus sprach: Ein Sämann ging aus zu säen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten; anderes fiel auf Fels und verdorrte, weil es keine Feuchtigkeit hatte; anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen erstickten es. Anderes aber fiel auf gutes Land und brachte Frucht, hundertfach. Das aber ist das Wort Gottes. (Evangelium: Lukas 8,4–15, gekürzt)
Wir erleben täglich, dass Worte sehr unterschiedlich ankommen. Es gibt Menschen, denen wir gerne zuhören, andere langweilen uns. Manche Worte interessieren uns, manche machen uns froh, andere ärgern uns. Und es gibt Worte, die wir überhören, obwohl sie gesprochen werden.
So ist es auch im Gottesdienst. Vieles geht an uns vorbei. Einiges behalten wir für kurze Zeit. Und manchmal – nicht planbar, nicht erzwingbar – bleibt etwas hängen. Ein Satz, ein Bild, ein Gedanke. Er arbeitet weiter, begleitet uns, verändert vielleicht etwas. Dann wird ein Wort fruchtbar.
Das Gleichnis vom Sämann nimmt diese Erfahrung ernst. In der Erklärung Jesu wird der Same mit dem Wort Gottes gleichgesetzt. Der Same ist eindeutig bestimmt. Auffällig ist jedoch, dass der Sämann namenlos bleibt. Seine Person tritt zurück. Entscheidend ist nicht, wer sät, sondern dass gesät wird. Das Wort geht aus – öffentlich, verbindlich, ohne Sicherung seines Erfolgs.
Eine erste Perspektive liegt nahe: Wir sind das Ackerfeld. Und wir wissen aus eigener Erfahrung, dass wir nicht immer derselbe Boden sind. Manchmal verhalten wir uns wie der Weg: Worte werden abgewehrt, missachtet, vielleicht sogar zertreten, weil sie uns nicht gefallen oder uns in Frage stellen.
Manchmal gleichen wir dem felsigen Boden: Wir sind begeistert, Feuer und Flamme – aber wenn es darum geht, dranzubleiben, Verantwortung zu übernehmen, mitzumachen, dann fehlt die Verwurzelung. Und manchmal sind wir wie der dornige Boden: Wir sind bereit, wir sind dabei, doch Sorgen, Ängste, Verpflichtungen und der Alltag gewinnen die Oberhand.
Bemerkenswert ist: Der Sämann lässt nicht nach. Er prüft den Boden nicht vorher. Er passt sein Säen nicht an die Erfolgsaussichten an. Er kehrt wieder und wieder zurück. Als rechne er damit, dass guter Boden nicht hergestellt, sondern nur gefunden werden kann. Und tatsächlich: Das Wort bringt Frucht – reichlich.
Eine zweite Perspektive ist unbequemer. Wir können uns selbst im Sämann wiederfinden. Wir geben Worte weiter, Gedanken, Überzeugungen, vielleicht auch das Wort des Glaubens – öffentlich, im Auftrag, nicht nur privat. Und wir erleben Enttäuschungen. Worte werden nicht ernst genommen. Sie werden missverstanden oder zurückgewiesen. Oder sie finden Zustimmung, aber keinen Halt.
Gerade hier setzt das Gleichnis eine Grenze. Es widerspricht der Versuchung, Wirkung zu erzwingen oder Frucht einzufordern. Es erinnert daran: Wer das Wort weitergibt, trägt Verantwortung – aber keine Verfügungsmacht. Weder über den Boden, noch über die Frucht. Wo diese Grenze überschritten wird, verfehlt das Wort seinen eigenen Charakter.
Vielleicht liegt darin eine notwendige Korrektur für unseren kirchlichen Alltag: Das Wort Gottes ist kein Instrument zur Disziplinierung und kein Mittel zur Absicherung von Ordnung. Es wird gesagt, weil es gesagt werden muss. Nicht alles, was gesagt wird, geht auf. Aber alles, was aufgeht, bleibt Gabe.
So bleibt am Ende eine nüchterne Hoffnung: Wo das Wort gesagt wird, ist noch nicht entschieden, was daraus wird. Aber es ist entschieden, dass es gesagt wird. Und manchmal – nicht immer, nicht planbar – bringt es Frucht. Dreißigfach. Sechzigfach. Hundertfach.





