Sonntag, 7. Dezember 2025. Teilwahlen in einigen rumänischen Ortschaften. Die Schlagzeilen bestimmen die Wahlen in Bukarest und im Kreis Buz²u. In der Hauptstadt soll der Nachfolger von Präsident Dan im Amt des Oberbürgermeisters gewählt werden. Im Allgemeinen gelten die Lokalwahlen in Bukarest als Barometer für die Stimmung im Land. Diese Wahlergebnisse sagen mehr aus als jede Umfrage. Die Parteien der Regierungsallianz treten jeweils mit eigenen Kandidaten an. Auf einen gemeinsamen konnte und wollte man sich nicht einigen. In den Reigen gesellt sich auch die Unabhängigkeit vortäuschende Nominierte der Partei mit Edelmetallnamen.
Am Ende des Tages stehen Sieger und Verlierer fest. Der Liberale Ciprian Ciucu entscheidet die Wahl mit komfortablem Abstand für sich. Die schreiende TV-Moderatorin Anca Alexandrescu sichert sich den zweiten Platz und wird in Kürze erneut aus den Bildschirmen des Landes ihre Weisheitsergüsse dem nach Erleuchtung dürstenden Volk schenken. Auf der Seite der Verlierer: PSD und USR. Ihre Kandidaten blieben deutlich unter den erwarteten Ergebnissen. Für beide Parteien verharrten die Stimmen aus dem konservativen respektive progressiven Lager im Stadium des Wunschdenkens.
In Rumänien gilt der Bukarester Oberbürgermeister als jener Politiker, der sich dank der für ihn abgegebenen Stimmen der zweitgrößten Legitimation durch die Wählerschaft nach dem Präsidenten erfreut. Mit diesem Lorbeerkranz kann sich Ciucu jedoch nicht schmücken. Denn die Bukarester Wählerschaft zog es vor, zu Hause zu bleiben. Nur wenig über 30 Prozent fanden den Weg in die Wahlzentren. Von diesen konnte sich der Liberale auch nur knapp über 30 Prozent der Stimmen sichern. In absoluten Zahlen bedeutet dies: Von den 2.186.668 Wahlberechtigten haben 211.562 Wähler für ihn gestimmt. Welche Legitimation aus diesen knappen zehn Prozent abgeleitet werden kann, bleibt eine offene Frage.
Die Frage, die man sich stellen sollte: Warum blieben die Bukarester zu Hause? Sind sie nach mehr als zwei Jahren Wahlkampf müde? Fanden sie unter den vorhandenen Kandidaten kein ihnen zusagendes Angebot? Oder glauben sie schlicht nicht mehr an eine bessere Zukunft, die mit politischer Macht zu verbinden ist? Fakt ist: Die demokratische Teilhabe ist ihnen egal.
Das gleiche Bild, aber in härteren Tuschen, in Buz²u: Von den 360.000 Wahlberechtigten fanden kaum 86.146 Personen den Weg ins Wahllokal. Die etwas über 50 Prozent, die Premier a.D. Marcel Ciolacu für das Amt des Kreisratsvorsitzenden wählten, stehen auch nicht wirklich für allgemeinen Volkszuspruch.
Die meisten Fachleute deuten die Wahlergebnisse als indirekten Zuspruch für Premier Ilie Bolojan – und in umgekehrter Richtung als Rüge für Präsident Dan und dessen offensichtliche Unterstützung der USR.
So mancher Träumer gibt sich der Illusion hin, dass nun in PSD und USR eine interne Reform folgt. Nichts könnte weiter von der Wirklichkeit entfernt sein. Da die hoch zu Ross reitenden Liberalen als Gegner nicht mehr in Frage kommen, richtet sich der berechtigte sozialdemokratische Zorn gegen die als Progressisten abgestempelten Allianzkumpanen. Das Ultimatum folgte den Wahlergebnissen wie der Tag der Nacht: Sollten die Sozialdemokraten noch an der Regierung bleiben, müsse man die bösen USR-isten – am liebsten mit einem Fußtritt in den Allerwertesten – aus der Regierungsallianz hinauskomplimentieren.
Doch alles ist und bleibt Schall und Rauch: Für die PSD ist es noch viel zu früh, ihren Platz an den Hebeln der Macht zu verlassen. Damit ist erst im nächsten Vorwahljahr zu rechnen. Bis dahin muss die Ernte der Schritt für Schritt wirkenden Bolojan-Maßnahmen eingefahren werden. Zu viel Geld und politisches Kapital liegen im Pott, als dass man die Karten auf den Tisch werfen und das Spiel aus der Ferne beobachten würde.





