Das Treffen in Davos ist vorbei. In Diskursen, Podiumsdiskussionen, aber auch hinter geschlossenen Türen sollten die Weichen für die Weltentwicklung gelegt werden. Klar wurde, wie unterschiedlich so manche Weltsichtweisen sind. Klar wurde, dass sich manche politischen Schiffe auf einem scheinbar unvermeidlichen Kollisionskurs befinden und dass das Vorbeugen eines katastrophalen Zusammenstoßes in der nächsten Zukunft viele Kräfte bündeln wird. Es standen sich Weltauffassungen des 19. Jahrhunderts mit denen des 20. Jahrhunderts gegen-über. Aus deren Clash entstehen zwar Konflikte, Krisen und Probleme im 21. Jahrhundert, doch die zeitgerechten Lösungsansätze scheinen noch nicht vorhanden zu sein. Fazit: Die „Brave New World“ ist aus den Fugen geraten.
Paradoxerweise sprach man auf einem Treffen der Mächtigen, Potenten und Wissenden über die Gefahr einer Welt, in der nur noch die Mächtigen das Messer und das Brot haben. „Sitzt man nicht am Tisch, landet man auf der Speisekarte“, warnte Mark Carney, Kanadas Premierminister, in einer Rede, die seinem Land die Ausladung von Trumps neuem „Friedenskartell“ besorgte (was Carney sicher ziemlich kalt gelassen haben dürfte).
In der Causa Grönland hat scheinbar die EU einen Sieg in Davos davongetragen. Ein Sieg, der durch die Trump’sche Aussage: „Ich habe alles bekommen, was ich wollte“, relativiert wurde. Realistisch hätte man sich von EU-Seite schwer etwas anderes als das schon allgemein bekannte Ergebnis wünschen können. Dass man dem Rowdy aus Washington erstmal Paroli geboten hat, ist zu begrüßen. Letztendlich aber musste doch der Beschwörer Rutte ans Werk, um mit seiner ihm eignen Flötenkunst die wilde Kobra zurück in den Korb zu beschwichtigen.
In Rumänien hatten die meisten Medien, Meinungs- und Stimmungsmacher ein gefundenes Fressen serviert bekommen: Nicu{or Dan glänzte in Davos durch Abwesenheit. Die Kritik wäre sicherlich nicht weniger hart ausgefallen, wenn er den Weg in die Schweiz auf sich genommen hätte. Davos aber zu bezeichnen als ein „Kopfloses-durch-die-Welt-Herumreisen, wenn im Land wichtigere Dinge meine Anwesenheit verlangen“, wie Dan durch die Stimme von Berater Marius Lazurca dem Volk als Botschaft auf den Weg gab, zeugt auch nicht unbedingt von Weitsicht im Bereich internationaler Politik und Beziehungen. So konnte er sich wenigstens der Rüge entziehen, die sich die Anwesenden EU-Oberhäupter seitens Wolodymyr Selenskyj anhören mussten. Aber das Bild bleibt, dass dadurch Rumänien eher auf die Speisekarte und nicht unter den zu Tisch geladenen Gästen gehört. Ein Eindruck, der durch seinen Medienauftritt nach dem auf Davos folgenden Treffen in Brüssel verstärkt wurde. Ein guter Redner war Dan nie und wird es auch sicher nicht werden. Trotzdem darf man erwarten, dass nach den klaren Positionierungen, die man in Davos erleben durfte, Rumänien weiß, wo es steht: insbesondere bei so dornigen Angelegenheiten wie Trumps Friedensrat. Und dass Rumäniens Staatsoberhaupt diese Position wenigstens benennen, wenn nicht sogar erklären kann, sollte eine Mindestanforderung sein. Vergessen wir nicht: Verfassungsgemäß gehört die Auslandspolitik unseres Landes zu seinen Hauptaufgaben.
Ob besagter Friedensrat das Trumpsche Mandat überdauern wird und ob es, trotz 26 Gründungsstaaten, eine reale Relevanz haben wird, ist in diesem Augenblick zweitrangig. Mit einer Ausnahme haben die EU-Staaten klare Positionen bezogen und diese auch vertreten. Vielleicht ist in diesem Schlüssel Dans Abwesenheit in Davos zu lesen: Vor die Wahl gestellt, den Beitritt zu unterschreiben oder nicht, hätte er wirklich nicht gewusst, was zu tun ist. Also ist er schön zu Hause geblieben und hat gehofft, dass sich alles irgendwie von selber erledigen wird. Was dann auch der Fall war. Es braucht anscheinend manchmal auch den Mut zur Abwesenheit.





