Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Winterfest! So soll das ja neuerdings politisch korrekt heißen. Damit niemand beleidigt ist, wenn man Weihnachten sagt. Denn Weihnachten ist christlich und nicht alle Bürger in den Ländern, die sich dieses überpolitischkorrekte Sprachgedöns ausgedacht haben, sind Christen.
Winterfest! – Bestimmt springen jetzt alle erbost auf, die den Kommunismus noch erlebt haben. Da sollte es ja auch kein Weihnachten geben und statt dem Weihnachtsmann („mo{ Nicolae“) kam Väterchen Frost („mo{ Geril²“), den aber inzwischen nicht nur die Revolution, sondern auch der Klimawandel verjagt hat. Im Dezember kommt höchstens noch der Tauwettermann...
Danke, mein Winterfest war auch ganz nett… Obwohl wir es in unserer hinterwäldlerischen Landeinsamkeit noch ganz konservativ Weihnachten nennen (trotzdem aber keinen Tannenbaum morden). Weniger schön war dann das Knallerfest (hab’s eben gegoogelt: Silvester ist auch ein christlicher Heiliger!), an dem man eigentlich per Gesetz nicht mehr knallern darf, was aber den Knallerfans hierzulande ziemlich am Arm vorbeigeht… Ich schreib Arm, weil sich mal jemand über einen etwas deftigeren Ausdruck in der ADZ beschwert hat. Aber Sie wissen, was ich meine... Zumindest die, die im Kommunismus aufgewachsen sind. Da musste man ja auch alles zwischen den Zeilen lesen. Firmament, Gesäß und Bindfaden nochmal – was sind das nur wieder für verrückte Zeiten!
Achso, zurück zum Thema: das Winterfest. Dazu fällt mir der Türke von der Ada Kaleh ein, den ich vor ein paar Jahren interviewt habe. Der hat nämlich auch Weihnachten gefeiert. Weil, seine Frau war Rumänin, orthodox. Und die hat dann natürlich auch Newrus mit ihm gefeiert. Und wie haben sich die Kinder gefreut: alle Feiertage doppelt!
Könnte es nicht so auch gehen? Wir Christen feiern wieder Weihnachten – und laden alle anderen einfach zum Mitfeiern ein, wenn sie denn mögen! Und feiern dann natürlich auch gerne deren Feste mit, wenn wir muslimische oder jüdische oder sonstige andersgläubige Freunde und Kollegen haben – falls sie uns denn dazu einladen und sie nicht einfach nur still im kleinen Kreis begehen. Statt dass wir unser Weihnachten heimlich hinterm Rücken verstecken. Als ob es eine peinliche Sache wäre und nicht ein Fest der Freude. Oder anpassen an jene, die eh kein Weihnachten feiern. Wozu? Damit wenigstens der Konsumwahn bleibt, wenn schon der Sinn des Festes verwässert wird? Denn auch zum Winterfest wird natürlich ausgiebig gevöllert und üppigst pflichtbeschenkt.
Diese Doppelmoral erinnert mich irgendwie an Saudi Arabien, wo man als Christ kein Kettchen mit Kreuz tragen darf, aber im Visumsantrag gut daran tut, eine christliche Konfession einzutragen, denn als „Ungläubiger“ läuft man Gefahr, gar nicht einreisen zu dürfen!
Kann Weihnachten für Andersgläubige offensiv sein, frage ich mich ernsthaft? Obwohl einem, zugegeben, die buntblinkenden Lichterketten in Vorgärten, die der Flughafenbeleuchtung einer mittelgroßen Stadt in nichts nachstehen, oder die dickwanstigen Nikoläuse im roten Plüschoverall, die allseits von Balkonbrüstungen hängen, vor allem aber die einschlägige Süßigkeitenflut in sämtlichen Supermärkten schon ab September ziemlich auf den Senkel gehen kann. Nur: Mit „christlich“ hat das alles herzlich wenig zu tun!
Da aber könnte man gerne den Sparstift ansetzen: Müssen in einer Zeit, in der wir uns umweltbewusst geben und dem Klimawandel entschlossener die Stirn bieten sollten, wirklich auf jeder Dorfstraße beleuchtete Girlanden blinken – und jedes Jahr neue? Müssen wir Kitschdekor und Verlegenheitsgeschenke kaufen, aus Billiglohnländern, oft von Kinderhand gefertigt, und die Müllberge wachsen in den Himmel? Dem Christkind wird das alles sicher schon lange stinken. Noch dazu im Namen von Weihnachten! Dann also vielleicht doch lieber: Winterfest?





