Das Banat am Tisch Europas

Wie eine Region zur internationalen gastronomischen Marke wird

Eine der größten Stärken des Banats ist seine ethnische Vielfalt, die durch die Gastronomie bewahrt und ausgedrückt wird. Rumänische, ungarische, serbische, deutsche und slowakische Einflüsse existieren nicht nur in der Geschichte, sondern auch im Alltag, auf dem Teller. Fotos: Visit Timiș

Das Banat wird 2028 zur Europäischen Gastronomieregion.

Erster Banat Brunch des Jahres wird am aktuellen Wochenende ausgetragen. Foto: My Banat

Eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe ist die Begeisterung nicht abgeklungen – im Gegenteil, sie scheint noch gewachsen zu sein. Das Banat – mit den Kreisen Temesch/Timiș, Arad und Karasch-Severin – hat den Titel „Europäische Gastronomieregion“ für das Jahr 2028 erhalten, eine Anerkennung, die weit über symbolisches Prestige hinausgeht. Tatsächlich markiert sie den Beginn eines komplexen regionalen Transformationsprozesses, in dem Gastronomie zur gemeinsamen Sprache, wirtschaftlichen Ressource und zum Instrument der Kohäsion und Touristenmagnet wird. Im Zentrum dieses Vorhabens steht das Konzept „Fusion Beyond Borders“ (Deutsch: „Fusion über Grenzen hinweg“), eine Formel, die – jenseits ihrer Marketingkraft – das Wesen einer Region einfängt, die an der Schnittstelle verschiedener Kulturen entstanden ist. „Das Banat ist ein Europa im Miniaturformat – auf einem einzigen Teller. Es ist kein erfundener Slogan, sondern eine Realität, die die Jury vor Ort selbst entdeckt hat“, sagt Simona Neumann, Generaldirektorin von Visit Timiș und Projektkoordinatorin. 

Der Weg zum Titel war kein formaler Prozess. Neben der technischen Bewerbung, die zunächst nach strengen Kriterien bewertet wurde, machte letztlich die Authentizität der Region den Unterschied. „Die Bewerbung wurde vor Ort aufgebaut, durch echte Gespräche mit echten Menschen. Wir haben mit kleinen Produzenten, lokalen Unternehmern, Universitäten und NGOs gesprochen. Wir wollten Bedürfnisse und Potenziale verstehen“, sagt Neumann.

Dieser Ansatz zeigte sich deutlich während des Besuchs der internationalen Jury, kurz nach Ostern. Während die Regeln Treffen mit etwa 70 lokalen Akteuren vorsahen, waren tatsächlich über 170 Personen beteiligt – von Produzenten und Köchen bis hin zu Vertretern der lokalen Verwaltung. „Die Energie der Menschen war entscheidend. Nichts war inszeniert. Es war pure Authentizität“, fügt die Projektkoordinatorin hinzu.

Gastronomie als Entwicklungsstrategie

Der Titel „Europäische Gastronomieregion“ bringt keine direkte Finanzierung, öffnet jedoch Türen. Er ist ein Vertrauenszertifikat, betont Neumann: „Dieser ermöglicht es uns, Fördermittel anzuziehen, Partnerschaften aufzubauen und langfristige Projekte zu entwickeln. „Die Gastronomie ist nur der Ausgangspunkt. Daraus entsteht ein ganzes Ökosystem.“

Die Strategie des Banats geht über die bloße Förderung traditioneller Rezepte hinaus. Sie umfasst unter anderem: die Integration lokaler Produkte in Einzelhandel und Gastronomie, die Entwicklung von gastronomischem Nischentourismus, die Unterstützung lokaler gastronomischer Initiativen, die Ausbildung junger Menschen im Horeca-Bereich, Forschung zu Ernährung und Nachhaltigkeit.

Multikulturalität – erlebbar durch Geschmack

Eine der größten Stärken des Banats ist seine ethnische Vielfalt, die durch die Gastronomie bewahrt und ausgedrückt wird. Rumänische, ungarische, serbische, deutsche und slowakische Einflüsse existieren nicht nur in der Geschichte, sondern auch im Alltag. „Wir sprechen heute vielleicht nicht mehr täglich mehrere Sprachen, aber wir essen weiterhin multikulturell. An einem Tisch können Gerichte aus verschiedenen Kulturen stehen – oder Kombinationen, die eine gemeinsame Geschichte erzählen“, erklärt Simona Neumann. Gerade diese Fusion wurde von der Jury als ein einzigartiges Merkmal wahrgenommen, das sich in anderen europäischen Regionen nur schwer reproduzieren lässt.

Vielleicht der wichtigste Gewinn – neben dem Titel – ist die Fähigkeit der Region zur Zusammenarbeit. Die drei beteiligten Verwaltungskreise haben es geschafft, eine gemeinsame Vision zu entwickeln und administrative oder politische Unterschiede zu überwinden. Das ursprüngliche Konsortium umfasste öffentliche Institutionen, Tourismusorganisationen, NGOs und akademische Einrichtungen, bleibt aber offen. „Jeder, der etwas beitragen möchte, ist willkommen“, sagt Neumann.

Vorbereitung auf 2028: zwischen Tradition und Innovation

Das Jahr 2028 wird den Höhepunkt darstellen, doch entscheidend ist der Weg dorthin. Die Pläne kombinieren sichtbare Veranstaltungen mit langfristigen Projekten: regionale gastronomische Festivals, thematische Abendessen und Kochdemons-trationen, internationale Förderung lokaler Köche, Bildungsprogramme für Schüler und Studierende, Wiederentdeckung und Neuinterpretation traditioneller Rezepte.

Auch ambitionierte Ideen befinden sich in der Planungsphase, etwa ein Gastronomiemuseum oder ein regionales Kompetenzzentrum.

Die eigentliche Herausforderung: Was bleibt nach 2028? – Wenn 2028 ein Jahr des Feierns wird, beginnt die eigentliche Herausforderung erst danach. „Wir wollen nicht, dass dieser Titel nur eine schöne Erinnerung bleibt“, warnt Neumann. „Wichtig ist, was bleibt: Infrastruktur, Gewohnheiten, Kooperationen“, setzt die Koordinatorin des Projekts fort. 

Erfahrungen anderer Regionen zeigen, dass nach dem Höhepunkt oft die Dynamik nachlässt. Deshalb liegt der Fokus auf Kontinuität und darauf, die entwickelten Prinzipien nachhaltig im Alltag zu verankern. In einer Zeit, in der internationaler Tourismus unberechenbarer wird und der Trend zum „Nahreisetourismus“ wächst, hat das Banat die Chance, Besucher aus der Region – etwa aus Ungarn, Serbien und Österreich – sowie aus dem Inland anzuziehen.

„Essen ist der zugänglichste Weg, einen Ort kennenzulernen. Es ist greifbar, weckt Emotionen und bleibt im Gedächtnis“, sagt Neumann. 

Mehr als ein Titel: Identität und Gemeinschaft

Der vielleicht wichtigste Aspekt dieses Projekts ist die Neudefinition der regionalen Identität. Das Banat präsentiert sich nicht nur als gastronomisches Reiseziel, sondern als Raum der Begegnung, Vielfalt und Zusammenarbeit.

„Fusion Beyond Borders ist nicht nur ein Konzept. Es ist das, was wir bereits sind. Jetzt lernen wir nur, diese Geschichte besser zu erzählen – und gemeinsam“, schließt Simona Neumann.

In diesem Sinne ist 2028 kein Endpunkt, sondern der Beginn einer neuen Etappe für eine Region, die ihren Platz auf der gastronomischen Landkarte Europas findet. 

Erster Banat Brunch des Jahres am Samstag

Bestrebungen, die Region kulinarisch für Touristen zu fördern, wurden schon vor mehreren Jahren ins Leben gerufen, darunter das Projekt „Banat Brunch“. Dieses wird vom „My Banat“-Verein organisiert und führt durch das Banat weit und breit – von der Pusta bis ins Banater Bergland oder in die Banater Heide. Der Verein ist Mitglied im Konsortium „Banater – Europäische Gastronomieregion 2028“ und lädt am aktuellen Wochenende Interessenten den Geschmack des Banats zu verkosten ins
Land der Wassermühlen im Kreis Karasch-Severin ein. 

Der erste Banater Brunch des Jahres findet am Samstag, dem 2. Mai, in Rud²ria (Gemeinde Eftimie Murgu) statt. Die Veranstaltung bietet ein reichhaltiges Menü, inspiriert von der traditionellen Karascher Küche sowie Aktivitäten, die das lokale Erbe des Landes der Wassermühlen in den Vordergrund rücken.

Die Gastgeber, Maia und Remus Craia, vom Lokal „Acasă la Maya“ (Deutsch: Zuhause bei Maya), erwarten die Gäste zu einem kulinarischen Erlebnis mit regionalen Rezepten und saisonalen Produkten. Das für die Veranstaltung vorbereitete Menü umfasst eine reichhaltige Vorspeise mit u.a. Nudeln mir Bärlauch, Grammeln, Käse-Creme mit Kräutern, einer Platte mit regionalem Käse, süßem Maisgrieß, hausgemachtem Brot aus Maismehl, geräuchertem Fleisch und Würsten, saisonalem Gemüse – Radieschen und Frühlingszwiebeln –, gebratenem Käse mit Polenta, gebratenen hausgemachten Würsten, Grieben und Frühlingsrolle mit Kräutern.

Als Hauptgang können die Teilnehmer zwischen Kalbssuppe, Hühnersuppe mit hausgemachten Nudeln, Krautwickel und Schweineeintopf wählen. Zum Dessert werden Krapfen, Apfelkuchen, Marmeladen- und Käsekuchen sowie natürliche Sirupe, Limonade und Kaffee serviert.

Neben dem kulinarischen Angebot haben die Organisatoren auch Aktivitäten für die Besucher vorbereitet: eine Führung durch die Wassermühlen, einen Besuch im Dorfmuseum, einen Holzbearbeitungsworkshop und einen besonderen Moment mit Dan Liuț, der dem Banater Dialekt gewidmet ist. Die Teilnahmegebühr beträgt 170 Lei für Erwachsene und 90 Lei für Kinder ab 8 Jahren; für Kinder unter 8 Jahren ist der Eintritt frei. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.