„Timișoara Revoluționară“ entdecken

Dienstleistungen und Innovationen mit globaler Wirkung, entwickelt in der Bega-Stadt

Die Stadt Temeswar ist untrennbar mit dem Beginn der Rumänischen Revolution verbunden. Heute erlebt die Stadt eine andere Art von Revolution – eine wirtschaftliche, technologische und kreative.

Entdecken Sie die Geschichten, die die Welt verändern – direkt aus Temeswar – auf investintimisoara.eu oder auf den Social-Media-Plattformen von „Timișoara Revoluționară“.

Das Projekt „Timișoara Revoluționară” wurde vor Kurzem in Temeswar feierlich präsentiert. Zu diesem Anlass fand im Timiș-Kino auch eine Debatte zu diesem Thema statt. Foto: Petru Cojocaru

Seit Dezember 1989, also seit über drei Jahrzehnten, ist Temeswar/Timișoara untrennbar mit dem Beginn der Rumänischen Revolution verbunden. Doch jenseits dieses Symbols erlebt die Stadt heute eine andere Art von Revolution – eine wirtschaftliche, technologische und kreative. Die Plattform „Timișoara Revolutionară” („Revolutionäres Temeswar“) wurde kürzlich im Cinema Timi{ offiziell vorgestellt. Das Projekt vereint derzeit über 30 lokale Unternehmen und dokumentiert anhand konkreter Daten die globale Wirkung der hier entwickelten Innovationen. Die Zahlen sind beeindruckend: Die in Temeswar entwickelten Produkte und Dienstleistungen erreichen über eine Milliarde Menschen, das entspricht etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung.

„Timișoara  Revoluționară” will ein Projekt der Menschen in Temeswar für die Menschen in Temeswar und für die gesamte Stadt sein“, sagt Adrian Faur, Initiator des Projekts im Namen des Vereins Nachhaltiger Technologie-Gemeinschaften – How About Tech. „Zuerst dachte ich, es sei ein Projekt für ein Unternehmen. Dann wurde mir klar, dass es ein Projekt für die Stadt ist. Und jetzt denke ich, es ist ein Projekt für das ganze Land – lasst uns lernen, uns selbst zu respektieren und stolzer auf das zu sein, was wir haben“, setzt Faur fort. Der Initiator des Projekts fand für dieses Vorhaben Partner: das Bürgermeisteramt von Temeswar und die Organsiation für Reisezielmanagement Visit Timișoara. „Alles, was bisher erreicht wurde, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit eines Teams. Es war eine enge Kooperation aller städtischen Einrichtungen: Bürgermeisteramt, Visit Timișoara und das Projektezentrum in Zusammenarbeit mit How About Tech“, so Amira Ciobotea, Vertreterin von Visit Timișoara.

Wahre Geschichten stärken den lokalen Stolz 

Die nun gestartete Plattform – investintimisoara.eu – sammelt Geschichten aus Industrie, IT, Energie, Gesundheit und kritischer Infrastruktur. Es handele sich, betonen die Partner, nicht um eine klassische PR-Kampagne. „Geschichten werden nicht erfunden. Sie existieren, sie sind real. Wir rücken lediglich diejenigen ins Rampenlicht, die hier etwas aufbauen. Wir wollen uns nicht nur auf die Revolutionen der Vergangenheit konzentrieren. Wir finden den Mut jener Zeit heute in den Köpfen und Innovationen wieder, die hier entstehen“, erklärt Amira Ciobotea.

Die Beispiele sprechen für sich: Die Zeitmessalgorithmen der Olympischen Spiele 2024 in Paris wurden in Temeswar entwickelt; alle 55 Sekunden verlässt ein für die Automobilindustrie unverzichtbares Elektronikmodul die Stadt; täglich werden über 5500 Fahrräder für den europäischen Markt produziert; und hier entwickelte Softwarelösungen fließen in medizinische Geräte ein, die jährlich von Hunderten Millionen Patienten genutzt werden. „Wir haben festgestellt, dass die Auswirkungen enorm sind. Und paradoxerweise gehen wir an diesen Errungenschaften vorbei, ohne sie wahrzunehmen. Es ist, als würde man durch Seifenblasen laufen, ohne sie wirklich zu betrachten“, sagt Faur.

Die Stadt wird zum Zentrum echter Innovation

Für die Stadtverwaltung hat das Projekt auch eine strategische Dimension. Valentin Mureșan, Digitalisierungsberater des Temeswarer Bürgermeisters, sieht in „Timișoara Revoluționară“ eine Bestätigung der in den letzten Jahren eingeschlagenen Richtung. „Temeswar geht oft gegen den Strom – und das im positiven Sinne. Wir räumen mit Mythen wie ‚Das geht in Rumänien nicht‘ auf“, sagt er. „Wir haben ein solides Fundament in der Digitalisierung geschaffen und sehen nun die ersten Ergebnisse“, fährt der Technologieexperte fort. Ein Beispiel dafür ist der Start des KI-basierten Chatbots „Timi“, der den Temeswarern Informationen aus den öffentlichen Daten der Stadtverwaltung bereitstellt. „Wenn Timi gut reagiert, liegt das an den korrekten Daten und digitalisierten Prozessen. Dahin-ter stecken jahrelange Arbeit“, erklärt Mureșan. Doch jenseits der Verwaltung steht mehr auf dem Spiel: die Stadt von einem Out-sourcing-Zentrum zu einem Zentrum echter Innovation zu transformieren. „Uns fehlt es an nichts. Wir haben Ressourcen, wir haben fähige Köpfe. Was wir brauchen, ist der Mut, unsere eigenen Ideen in globale Produkte umzusetzen. Das Einhorn, von dem wir sprechen – ein Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde Euro –, kann auch in Temeswar entstehen“, sagt Valentin Mureșan.

Liste der Erfolgsgeschichten wird erweitert

Bei der Vorstellung der Plattform im Timiș-Kino wurden die Teilnehmer gebeten, die Stadt mit einem Wort zu beschreiben. Die häufigste Antwort: „Acasă“ („Zuhause“). „Zuhause bedeutet der Ort, an dem man sich sicher fühlt, an dem man etwas aufbauen kann und an dem Ideen wachsen, an dem man den Mut hat, sie in Projekte, Unternehmen usw zu verwandeln“, sagt Amira Ciobotea. Ein weiteres Wort, das beim Event immer wieder auf der Leinwand erschien, war „Familie“. „Ich hatte das Gefühl, wir sind eine große Familie von Menschen, die das Beste für die Stadt wollen. Selbst unter Menschen, die in anderen Kontexten Konkurrenten wären“, gesteht Adrian Faur.

Das Projekt „Revolutionäres Temeswar“ vereint vorerst über 30 lokale Unternehmen und präsentiert Erfolgsgeschichten aus Bereichen wie Industrie, Technologie, Energie, Gesundheit und Infrastruktur – Geschichten mit europäischer und globaler Bedeutung. Es gibt beeindruckende Daten, von denen einige erstmals öffentlich präsentiert werden und die den Stolz jedes einzelnen Bürgers auf seine Stadt stärken sollen. Die Liste der Erfolgsgeschichten wird weiter wachsen, so die Initiatoren des Projekts. Die Initiatoren möchten auch Absolventen der Universitäten von Temeswar einbinden, die derzeit Schlüsselpositionen in Europa, den USA oder Asien bekleiden. „Vielleicht ist die nächste Revolution nicht mehr politisch, sondern eine der Mentalität“, sagt Amira Ciobotea. 

Alumni als Visitenkarte der Stadt

„Revolutionäres Temeswar“ steht für innovative Köpfe, betont sie. „Das setzt eine gute Ausbildung voraus. Deshalb haben wir von Visit Timi{oara parallel ein weiteres Projekt ins Leben gerufen: Timișoara Universitară (Universitäres Temeswar). Damit wollen wir die Stadt durch ihr akademisches Angebot bekannter machen. Warum sollte man nicht aus Italien, Frankreich, der Republik Moldau oder Klausenburg/Cluj-Napoca kommen, um in Temeswar zu studieren?“, fragt Amira Ciobotea von Visit Timișoara zur Strategie, die Stadt aus möglichst vielen Perspektiven zu bewerben.

„Temeswar ist nach wie vor die Stadt, die 1989 den Mut hatte, ‚Genug!‘ zu sagen. Dieselbe Energie findet sich heute in Codezeilen, Forschungslaboren, Start-ups und Produktionszentren wieder, die das Leben von Menschen weltweit verändern. Die Revolution hat nicht aufgehört. Sie hat sich nur gewandelt“, heißt es im Werbevideo für das Konzept.
 


In Temeswar entstehen die Plattformen, die von den größten Künstlern der Welt genutzt werden: Ein Team von rund 70 Spezialisten arbeitet hier täglich an der Transformation der globalen Musikindustrie. Sie gehören zu den Ness Digital Engineering Teams in Temeswar und beeinflussen mit ihrer Arbeit die Art und Weise, wie Musik weltweit produziert, vertrieben und konsumiert wird. Künstler wie u.a. Billie Eilish, Sabrina Carpenter, Adele, Eminem, Post Malone und Rihanna nutzen die hier entwickelten digitalen Plattformen.

Continental Reifen Rumänien – seit 25 Jahren eine feste Größe der Industrie vor Ort. Das Werk hat hier bisher über 330 Millionen Reifen produziert und damit weltweit rund 80 Millionen Fahrzeuge von Marken wie Audi, Volvo, Toyota, Ford, Renault, Volkswagen und Dacia ausgestattet.

Rayscape ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen, das KI-Lösungen entwickelt, um Radiologen bei der schnelleren und präziseren Auswertung von Röntgenbildern und Lungen-CT-Scans zu unterstützen. Die Algorithmen erkennen automatisch pathologische Befunde sowie Lungenknoten und helfen so bei der Früherkennung von Krankheiten und einer schnelleren Diagnose. Die in Temeswar entwickelte Lösung wird bereits in mehr als 250 Kliniken und Krankenhäusern in 15 Ländern von Mitteleuropa bis Asien eingesetzt. Die Plattform verarbeitet monatlich über 60.000 medizinische Bilder und ist in internationale Radiologie-Netzwerke integriert.

ELBA ist Teil der Identität der Stadt. Die erste Produktionslinie Rumäniens für explosionsgeschützte Leuchten – antiex – wurde ursprünglich für den Einsatz in Industriegebieten wie Öl, Gas und Bergbau entwickelt. Mittlerweile finden die explosionsgeschützten Leuchten von ELBA auch in scheinbar harmlosen Bereichen wie Mühlen Anwendung (beim Mahlen von Getreide entstehender Staub ist hochexplosiv, weshalb sichere Beleuchtung für den Schutz von Menschenleben unerlässlich ist). ELBA produziert heute jährlich zwischen 4000 und 5000 Einheiten; etwa 1000 sind für den Export bestimmt.