Luxemburg/Bukarest (ADZ/dpa) - Rumäniens Haushaltsdefizit ist im vergangenen Jahr auf 7,9 Prozent der Wirtschaftsleistung bzw. 151 Milliarden Lei gesunken. Entsprechend am Mittwoch vom Europäischen Statistikamt (Eurostat) veröffentlichten Daten sind die Ausgaben auf demselben Niveau wie 2024 – 43,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – geblieben, während die Einnahmen um 1,4 BIP-Prozent auf 35,4 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen sind. Die Staatsschuldenquote Rumäniens ist von 54,8 BIP-Prozent 2024 auf 59,3 BIP-Prozent 2025 gestiegen, 2023 lag die Schuldenquote noch unter 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nominell lagen die Schulden Ende vergangenen Jahres bei 1137 Milliarden Lei.
Die Berechnungen von Eurostat unterliegen einer verschiedenen Methodologie als diejenige des rumänischen Finanzministeriums, daher weichen sie etwas von den Haushaltszahlen der Regierung hierzulande ab, zeigen aber grundsätzlich dieselbe Richtung bei der Entwicklung der Staatsfinanzen auf. Laut dem Finanzministerium ist das Haushaltsdefizit von 8,67 BIP-Prozent 2024 auf 7,65 BIP-Prozent 2025 gesunken – aus diesen Daten geht ebenfalls hervor, dass die Anpassung hauptsächlich über die Einnahmenseite geschehen ist.
Einnahmen aus EU-Geldern gestiegen – weniger für Arbeitnehmer
Laut Eurostat sind von 2024 auf 2025 hauptsächlich „sonstige Vermögenseinnahmen“ um 1,2 BIP-Prozent auf 2,4 BIP-Prozent gestiegen. 2023 lagen diese Einnahmen – unter welche auch Transfers von EU-Institutionen fallen – allerdings noch bei 2,6 BIP-Prozent; aus den früher veröffentlichten Daten des Finanzministeriums war ebenfalls hervorgegangen, dass die Einnahmeerhöhungen im vorigen Jahr hauptsächlich auf eine höhere Ausschüttung von EU-Geldern zurückzuführen ist. Steuereinnahmen sind 2025 um 0,5 BIP-Prozent auf 17,5 BIP-Prozent gestiegen und die Einkünfte aus Sozialbeiträgen sind bei 11,7 BIP-Prozent verblieben. Andere Einnahmen sind verglichen zu 2024 um 0,2 BIP-Prozent auf 3,9 BIP-Prozent 2025 gesunken.
Bei den Ausgaben gab es entsprechend Eurostat 2025 spürbare Rückgänge beim Arbeitnehmerentgelt (-0,7 Prozentpunkte auf 10,5 BIP-Prozent), bei Vorleistungen (-0,6 Prozentpunkte auf 5,6 BIP-Prozent) und Subventionen (-0,3 Prozentpunkte auf 0,5 BIP-Prozent), während deutliche Erhöhungen unter „sonstige Vermögenstransfers“ (+0,8 Prozentpunkte auf 1,9 BIP-Prozent), Zinsausgaben (+0,4 Prozentpunkte auf 2,8 BIP-Prozent) sowie Sozialleistungen (+0,3 Prozentpunkte auf 13,9 BIP-Prozent) fallen.
Hälfte der EU-Staaten bricht Haushaltsregeln
Mehr als die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten hat Eurostat zufolge im vergangenen Jahr ihre selbst auferlegten Regeln für Haushaltsdefizite und Staatsschulden gebrochen. Mit Ausnahme von Zypern, Dänemark, Irland, Griechenland und Portugal gaben alle 27 EU-Länder mehr Geld aus, als sie einnahmen.
Elf Mitgliedstaaten hatten demnach ein Defizit von drei Prozent oder mehr bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung und lagen damit über den geltenden Obergrenzen. Das höchste Defizit hatte 2025 den Daten zufolge Rumänien mit 7,9 BIP-Prozent, gefolgt von Polen (7,3%), Belgien (5,2%) und Frankreich (5,1%). Deutschlands Defizit lag Eurostat zufolge bei 2,7 BIP-Prozent.
Die europäischen Schuldenregeln, auch Stabilitäts- und Wachstumspakt genannt, gelten für alle Mitgliedsländer der EU. Das Regelwerk schreibt unter anderem vor, dass der Schuldenstand eines Mitgliedstaates 60 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht überschreiten darf. Gleichzeitig muss das Haushaltsdefizit unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bleiben.
Wer die Grenzen übertritt, riskiert ein Strafverfahren. Gegen die hoch verschuldeten Länder Frankreich und Italien sowie einige andere EU-Länder laufen derzeit daher sogenannte Defizitverfahren.
Im vergangenen Jahr wiesen den Eurostat-Angaben zufolge 12 EU-Länder eine Schuldenquote von mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf. Die höchsten Schuldenquoten gab es demnach in Griechenland (146,1%), Italien (137,1%) und Frankreich (115,6%). Die Schuldenquote Deutschlands betrug 2025 nach Eurostat-Angaben 63,5 BIP-Prozent.







