Bukarest (ADZ) - Die Wirtschaftsleistung Rumäniens ist im letzten Quartal 2025 deutlich ins Minus gerutscht: gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde ein Rückgang von 1,6 Prozent registriert, zum Vorquartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um 1,9 Prozent zurückgegangen (jeweils saisonsbreinigte Daten). Wie aus den am Freitag vom Nationalen Statistikamt (INS) veröffentlichten Daten hervorgeht handelt es sich dabei um die schlechteste Quartalsentwicklung seit der Pandemie- und Lockdownperiode im Jahr 2020. Außerdem liegt nach dem Rückgang zum Vorquartal im Zeitraum Juli bis September 2025 (mit 0,1 Prozent) die rumänische Wirtschaft nun in einer technischen Rezession, also zwei aufeinanderfolgende Quartale, in denen das BIP gegenüber dem Vorquartal gesunken ist.
Über das gesamte vergangene Jahr ist die rumänische Wirtschaft noch leicht mit 0,6 Prozent gewachsen, es ist somit bereits das zweite Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von unter einem Prozent (2024 waren es 0,9 Prozent).
In der Schnellschätzung von Freitag hat INS die Wirtschaftsentwicklung noch nicht nach Komponenten aufgegliedert (eine detaillierte Meldung ist für Anfang März angekündigt), jedoch kann aus weiteren kürzlich veröffentlichten Daten abgeleitet werden, dass einerseits die Industrie die Wirtschaft gebremst hat (-0,9 Prozent im Jahr 2025; 2024 war die Industrieproduktion mit 1,5 Prozent noch stärker im Minus) und der Konsum durch den Kaufkraftverlust des Durchschnittslohns von 4,5 Prozent beeinträchtigt wurde. Das Handelsdefizit hat sich im vergangenen Jahr zwar um 2 Prozent leicht verringert, jedoch dürfte dies nicht ausschlaggebend für den Einfluss des Außenbeitrags sein (Daten zum Leistungsbilanzfdefizit für das Gesamtjahr 2025 legt die Nationalbank Anfang kommender Woche vor).
Bolojan anscheinend zufrieden
Premierminister Ilie Bolojan (PNL) zeigte sich in einer ersten Reaktion auf Facebook in seinen wirtschaftspolitischen Maßnahmen unbeirrt: Die technische Rezession sei Teil eines „erwarteten und unumgänglichen Preis“ für eine „Transition, die uns schlussendlich zu einer soliden Wirtschaft, einem gesunden Wachstum und einer realen Prosperität, aufgrund dessen, was wir produzieren, nicht aufgrund immer teurerer Darlehen, führen werde.“ Das bisherige Wirtschaftsmodell basierte auf „Defizit und Konsum, schuf scheinbar Wohlstand“, sei aber eigentlich „zerstörerisch“ gewesen.
Der Regierungschef fügte weiter hinzu, dass die Haushaltskonsolidierung nötig sei, „um Stabilität, Glaubwürdigkeit und nachhaltige Entwicklung“ zu generieren. „Dieser Übergang geht vorübergehend mit einer Phase des wirtschaftlichen Rückgangs einher. Es ist ein notwendiger Preis für den Aufbau einer solideren und wettbewerbsfähigeren Wirtschaft. Wir befinden uns nicht in einer Krise.“
PSD-Chef Sorin Grindeanu gab seinerseits bekannt, dass die technische Rezession eine statistische Bestätigung dessen sei, was Millionen Rumänen bereits spüren: „Wir bewegen und nicht in die richtige Richtung“. Die PSD habe ihren Teil der Verantwortung als Mitglied der Regierung zu tragen, jedoch hätte seine Partei noch härtere Sparmaßnahmen, größere Steuererhöhungen sowie die Aufhebung von Preisdeckelungsmaßnahmen verhindert, so Grindeanu. Dennoch gehe es so nicht weiter, es sei „an der Zeit, diese Welle dummer wirtschaftlicher Entscheidungen zu stoppen.“ Es sei auch höchste Zeit das Programm der PSD zur „Wiederbelebung der Wirtschaft“ umzusetzen und in der Koalition sei „realer Dialog, nicht einseitig durchgesetzte Entscheidungen“ nötig. An den Premier richtete Grindeanu auch eine Warnung, wenn die Regierung (bzw. Regierungstätigkeit) nicht für die Menschen da sei, „dann wird sie gar nicht mehr sein!“





