Wirtschaft in der Rezession, Inflation über zehn Prozent

Industrie sinkt im ersten Quartal um 2,4 Prozent, Kaufkraft eines Durchschnittslohns 5,1 Prozent niedriger als vor einem Jahr

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Bukarest (ADZ) - Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens sowie die Industrieproduktion sind im ersten Quartal des Jahres weiter gesunken, die Kaufkraft ist im März weiter zurückgegangen und die Inflation ist im April über zehn Prozent gestiegen. Am Mittwoch vom Nationalen Statistikamt (INS) veröffentlichte Daten bieten wenig Grund zum Optimismus. 

BIP im ersten Quartal erneut im Minus

Im Vorjahresvergleich lag demnach das BIP in den ersten drei Monaten 2026 1,5 Prozent im Minus – wie schon im letzten Quartal 2025 (jeweils saisonbereinigte Daten). Außerdem ist die Wirtschaftsleistung zum Vorquartal um weitere 0,2 Prozent gesunken, womit das BIP nun schon seit mehreren Quartalen sinkt.

INS hat die Wirtschaftsdaten für die Quartale davor leicht korrigiert, im dritten Quartal 2025 hat demnach das BIP zum Vorquartal stagniert (davor wurde ein Rückgang von 0,1 Prozent gemeldet), dafür liegt das Minus im vierten Quartal, als die Sparmaßnahmen der Regierung vollumfänglich gegriffen haben, nun bei 2,0 Prozent (davor minus 1,8 Prozent). 

Bei zwei Quartalen mit sinkender Wirtschaftsleistung zum jeweiligen Vorquartal wird von einer technischen Rezession gesprochen. Zuletzt war dies in der ersten Jahreshälfte 2024 der Fall, allerdings waren die Rückgänge damals deutlich geringer (minus 0,1 und minus 0,6 Prozent) und die Regierung hatte daraufhin Ausgabenerhöhungen beschlossen. Insgesamt lag die Rumänische Wirtschaft sowohl 2024 als auch 2025 mit plus 0,9 bzw. 0,7 Prozent nahe an der Stagnation.

Industrie zeigt strukturelle Probleme auf

In der Schnellschätzung, die vom Statistikamt am Mittwoch veröffentlicht wurde, wird die Auswirkung einzelner Sektoren auf das Wachstum noch nicht detailliert. Kürzlich veröffentlichte Daten zum Einzelhandel und Automarkt zeigen allerdings auf, dass sich der Konsum nach den Sparmaßnahmen Mitte des Vorjahres weiterhin nicht erholt, dass das Handelsdefizit vor allem aufgrund sinkender Importe abnimmt und die Arbeitslosigkeit nun schon seit Anfang 2025 bei rund sechs Prozent liegt. Der Tourismus lag im ersten Quartal ebenfalls deutlich im Minus (-6,7%), vor allem aufgrund weniger Übernachtungen von rumänischen Touristen, laut jüngsten Daten lag in den ersten beiden Monaten hingegen der Bausektor spürbar im Plus (+6,3%). 

Auf strukturelle Wirtschaftliche Probleme weist hingegen vor allem der Industriesektor hin: Im ersten Quartal 2026 lag die Industrieproduktion mit 2,4 Prozent im Minus. Im März 2026 wurde zum selben Monat im Vorjahr ein Minus von 2,2 Prozent verzeichnet, gegenüber Februar ein leichtes Plus von 0,3 Prozent (jeweils bereinigte Daten). Der letzte Monat in dem die Industrieproduktion leicht über dem Durchschnittswert über das Gesamtjahr 2021 lag, war der April 2024, allerdings ist schon seit Anfang 2022 ein tendenzieller Rückgang in den INS-Daten zu beobachten. 

Inflation steigt im Rahmen erhöhter Staatsmieten 

Für Verbraucher bleibt die Lage weiterhin auch alles andere als rosig. Die Inflation im April 2026 ist auf 10,7 Prozent gestiegen, im März war diese aufgrund der steigenden Treibstoffpreise im Rahmen des Kriegs gegen den Iran bereits auf 9,9 Prozent gewachsen. Bei Treibstoff wurde im April gegenüber März allerdings kein weiterer nennenswerter Anstieg mehr verzeichnet, Benzin hat sich im Durchschnitt leicht verbilligt und Diesel leicht verteuert; der Preissprung geht hauptsächlich auf einen Anstieg von 33,5 Prozent bei Mieten zurück. 

Anfang April hatte die Regierung beschlossen die Mieten für Wohnungen im Staatsbesitz – unter anderem verschiedene Dienstwohnungen, aber auch Immobilien im Besitz von Lokalbehörden, die oft Sozialwohnungen verwalten – das erste Mal seit 2007 sprunghaft zu erhöhen. Rechenbeispiele von Entwicklungsminister Cseke Attila (UDMR) zeigten Preiserhöhungen um mehr als das Doppelte auf; im Vergleich zum Mietmarkt ufern die Kosten zwar auch nach den Erhöhungen nicht aus – beispielsweise würden für eine 80-Quadratmeterwohnung 162 Lei anfallen –, jedoch liegen Sozialhilfen ebenfalls bei wenigen hundert Lei pro Familienmitglied. Ausgenommen von der Maßnahme sind Wohnflächen, die von den Behörden ANL und RAAPPS verwaltet werden, diese Mieten unterliegen andern Regelungen. 

Im Vorjahresvergleich ist die größte Preissteigerung weiterhin bei elektrischem Strom (+54%) zu verzeichnen, Mieten lagen im April 2026 43,8 Prozent höher als vor einem Jahr. Spürbare Erhöhungen zum April 2025 gab es unter anderem bei Treibstoff (+15,6%), Kakao und Kaffee (+22,5%), Hygiene- und Kosmetikdienstleistungen (+15,1%), Eiern (+14,8%), Wasserversorgung und Abwasser- sowie Müllentsorgung (+15%) oder Gesundheitspflege (+12,6%). 

Vergangenen Sommer wurden zwei Preissprünge verzeichnet – bei der Liberalisierung der Strompreise für Verbraucher im Juli und bei der Erhöhung von Verbrauchssteuern im August. Die Inflationsrate stieg von unter sechs Prozent im Juni auf knapp unter zehn Prozent im August und verblieb seither in etwa auf diesem Niveau.

Kaufkraft sinkt

Die erhöhten Verbraucherpreise schlagen sich auch auf die Kaufkraft der Bevölkerung nieder. Am Mittwoch zeigte INS auf, dass der Durchschnittslohn einerseits einen nominellen Anstieg von 4,3 Prozent (März 2026 gegenüber März 2025) auf 5938 Lei netto verzeichnet hat, jedoch unter Berücksichtigung der Inflation die Kaufkraft über das vergangene Jahr um 5,1 Prozent gesunken ist.