In Christus geliebte Brüder und Schwestern, liebe Leser!
Kennen Sie noch Autogrammkarten? In früheren Zeiten sammelte man Autogramme von Berühmtheiten und war besonders stolz, wenn neben dem Namenszug auch noch ein Gruß oder etwas Persönliches auf der Karte stand.
Heute macht man eher ein Selfie, ein Foto, das einen selbst zusammen mit der Lieblingskünstlerin, Sänger/Sängerin oder einer anderen herausgehobenen Person zeigt. Ja, sogar mit den unterschiedlichsten Royals oder mit dem Papst will man so ein Selfie haben. Festgehalten wird eine besondere Begegnung, ein tolles Erlebnis, ein wichtiger Augenblick. Und natürlich stellt man das Selfie in die sozialen Netze ein, um anderen zu zeigen, ich habe was Tolles erlebt, das will ich dir unbedingt mitteilen.
Was haben die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes im Evangelium Tolles erlebt? Eine besondere Erscheinung ihres Meisters. Endlich zeigt er sich, wie er sein sollte. Endlich erleben wir ihn, wie wir es uns wünschen, als sichtbares Zeichen seiner Macht, seiner Größe und Bedeutung für uns und für alle. Das wären Selfies geworden! Petrus neben Elias, Johannes Arm in Arm mit Moses und dazu ein Gruppenbild – die drei Apostel mit allen drei himmlischen Erscheinungen, mit den wichtigsten Gestalten der Heiligen Schrift und des Volkes Israel bis dahin.
Doch da dies damals noch nicht ging – wäre es überhaupt möglich, solche himmlischen Persönlichkeiten zu fotografieren? – kam ihnen eine andere Idee, dieses Ereignis festzuhalten: Hier bauen wir Hütten. Hier gehen wir nie wieder weg. Da ist es schön, da ist es gut, da fühlen wir uns himmlisch!
Doch sie werden eines Besseren belehrt. Sie hören zwar noch Gottes Stimme, aber dann ist alles beim Alten. Zurück müssen sie in den Alltag, hinunter vom Berg, wieder ganz normal sein und leben.
Ihnen geht es wie uns. Wie gerne würden wir besondere Ereignisse festhalten, getreu dem Faschingsschlager: „So ein Tag so wunderschön wie heute, er sollte nie vergehen“.
Das Feuer des Anfangs einer Liebe wird man nur in wenigen Augenblicken im Laufe einer Ehe wieder erleben – denn der Alltag hat seine eigenen Gesetze.
Dem Erfolg in einer Sache folgt die Realität des Lebens und so gehört es dazu, das Brot des Alltags immer wieder zu essen, denn „nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen“.
Für die Jünger wie für uns selbst bleiben die Fragen des Lebens: Wie wird meine Zukunft aussehen? Wie wird es mit meiner Gesundheit weiter gehen? Wie wird es, wenn ich einmal alt bin? Wie sieht es aus, wenn das Licht des Lebens einmal verlischt und ich mich mit der Ewigkeit auseinander setzten muss? Auch damals fragten sich die Jünger: Was bedeutet „von den Toten auferstehen“?
Die Erscheinung des Herrn im himmlischen Licht, mit Moses und Elias, war ein Vorgriff auf die Ewigkeit. Bei ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen später erinnerten sich die Apostel an dieses Erlebnis auf dem Berg Tabor. Am Berge Tabor wurde Jesus vor ihren Augen verklärt. Nach dem liturgischen Kalender wird dieses Fest der Verklärung des Herrn, auch separat, jedes Jahr am 6. August gefeiert.
Uns steht diese Erfahrung noch bevor. Wir sind noch nicht soweit. Aber wenn wir in einigen Wochen das Osterfest feiern, dann feiern wir jenen Glauben, den uns die Apostel durch ihre Erlebnisse mit dem Auferstandenen übermittelt haben. Und das wird wunderbar sein! Mögen wir in dieser Fastenzeit stets das Licht des Berges Tabor vor den Augen behalten und uns somit auf das Licht der Auferstehung mit Leib und Seele, mit Hütten und frohen Herzen vorbereiten.





