Aufklärender Rückblick zu „Leben in der Diktatur“

Hannelore Baier bietet Sammelband mit Beiträgen zur Geschichte der Rumäniendeutschen in den Jahren 1940-1989

Ende des Vorjahres erschien im Hermannstädter Honterus-Verlag ein rund 450 Seiten umfassender Sammelband mit Beiträgen zur neueren Geschichte der Rumäniendeutschen in den Jahren der Diktatur zwischen 1940 und 1949, die von den kommunistischen Machthabern ab 1944 geprägt wurden, wie bis 1989, als der politische Umsturz stattfand und danach in Rumänien die Demokratie aufgebaut werden konnte. Das Buch ist mit Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung vermittels des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und des Siebenbürgenforums erscheinen und wird von diesen unentgeltlich auf Antrag abgegeben. Die Autorin des Bandes Hannelore Baier gliedert die insgesamt 18 bisher thematischen Veröffentlichungen in drei große Kapitel: Deportation, Arbeitslager, allgemeine Lage; Im Visier der Securitate; Familienzusammenführung. Es sind die rund fünf Jahrzehnte, die sich ausschlaggebend auf die Existenz der deutschen Angehörigen ausgewirkt haben und diese zu einer Minderheit im wahrsten Sinne des Wortes werden ließ. Die Journalistin Hannelore Baier hat sich nach 1990 voll dieser Thematik angenommen und sich besonders verdienstvoll dabei der Dokumentation bezüglich der Russlanddeportation der rund 70.000 Rumäniendeutschen zur Zwangsarbeit in Donbas, der politischen Lage der Überlebenden nach ihrer Heimkehr in ihre alte Heimat und dann der Familienzusammenführung gewidmet. Ihre Forschungen haben große Anerkennung nicht nur bei den Betroffenen gefunden, sondern dienen als Quellenmaterial für die rumänischen Historiker, die weniger mit diesen Themen vertraut sind. Der aufliegende Band bietet eine Sammlung von bisherigen Veröffentlichungen, die dieser Zusammenfassung dienlich sind. In die Geschichtsforschung ist Hannelore Baier durch Zufall gekommen, als sie in Begleitung einer Historikerin die Nachforschungen über die Deportation der Siebenbürger Sachsen für das Projekt von Renate und Georg Weber durchführte. Nachträglich widmete sie sich zu diesem Thema als Hobby, nahm die Arbeit in den Archiven des Außenministeriums, des Rumänischen Nachrichtendienstes, des Nationalen Rats  für die Erforschung des Archivs der ehemaligen Securitate, in Kreisfilialen des Nationalarchivs auf, führte Interviews mit Persönlichkeiten, die Zeitzeugen dieser Willkürmaßnahmen waren. Dann wurde sie 2006 als Expertin in die Tism˛-neanu-Kommission, die der Präsidentschaft unterstellt war, für die deutsche Minderheit aufgenommen. Der erste Teil des Dokumentationsbandes, der zehn Forschungsergebnisse umfasst, bezieht sich auf die Ereignisse der Nachkriegszeit, auf den Befehl der Deportation der deutschen Angehörigen aus den Staaten, die von der sowjetischen Armee „befreit“ wurden, Bulgarien, CSSR, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien, auf die Art, wie diese durchgeführt worden ist, die Haltung der rumänischen Regierung. Weitere Materialien beziehen sich auf die Auswirkungen bei der betroffenen Minderheit, die eingeleiteten politischen Bemühungen von Hans Otto Roth nach dem 23. August 1944, die Initiativen zur Gründung von politischen Organisationen bei den Sachsen bis 1949.

Im nächsten Abschnitt wird die Rolle der damaligen Securitate, in deren besonderem Fokus die deutsche Bevölkerung stand, ins Visier genommen. Abgeschlossen wird der Band mit dem Kapitel der Familienzusammenführung, wobei die Menschen als regelrechte Handelsware betrachtet wurden. Die zahlreichen Quellenangaben bieten dem Forscher oder Leser weitere Angaben zu Dokumenten, die zur Hand genommen werden können, um die Hintergründe aller Geschehnisse zu recherchieren. Auch wird die Angabe der Publikationen gemacht, in denen jeweilige Materialien erschienen sind. Der Sammelband ist somit ein nützliches Instrument für die Geschichte der Zeitspanne zwischen 1940 und 1989 zu betrachten.