Die Ehrengruft B23 der Familie Philippi

Der Pfarrer und Dechant Friedrich Philippi 1807-1874, Ölgemälde in den Räumen des Kronstädter Bezirks.

In dieser Gruft haben vier Generationen der Familie Philippi, beginnend mit dem Pfarrer und Dechanten Friedrich Philippi (1807-1874) bis zu dem zuletzt hier beerdigten Pfarrer Paul Philippi (1923-2018), ihre ewige Ruhe gefunden. Es handelt sich um eine Doppelgruft der Drogisten-Familie Teutsch und der Familie Philippi.
Die schwarz beschriftete Tafel auf weißem Marmor gehört zur „Ruhestätte der Familie Julius Teutsch“ und die golden beschriftete auf schwarzem Marmor trägt die Inschrift „Familiengruft Dr. Gustav Philippi“, obwohl hier schon sein Vater, Prof. Friedrich Philippi, sowie sein Großvater, Dechant Friedrich Philippi,  bestattet wurden.
In den folgenden biografischen Beiträgen erscheinen Würdigungen dieser vier Generationen von bedeutenden Kronstädtern aus dieser Familie, beginnend mit dem Dechanten Friedrich Philippi (1807-1874) und in der II. Generation, der Gymnasialprofessor Friedrich Johann Philippi (1834-1893). In weiteren Beiträgen folgen dann der Rechtsanwalt Gustav Philippi (1877-1943), zur III. Generationslinie gehörend. Zur IV. Generationslinie gehören das Professorenehepaar Kurt Philippi (1913-2004) und Maja Philippi geb. Depner (1914-1993) sowie der Theologe Paul Philippi (1923-2018), welche ein Teil unserer Leser als Professoren oder Pfarrer erlebt hat.

Friedrich Johann Philippi, Pfarrer und Dechant, 1807-1874
Einen kurzen Lebenslauf entnehmen wir der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde Nr. 43 Jahrgang 2020, verfasst von seinem Ururenkel, ebenfalls Friedrich Philippi.

„Johann Friedrich Philippi wurde am 15. Januar 1807 in Kronstadt geboren und ist am 16. Januar desselben Jahres von Diaconus Michael Schwarz getauft worden. Er starb, 67 Jahre alt, am 7. August 1874 in Tartlau, als Pfarrer daselbst und Dechant des Burzenländer Kapitels, und wurde am 9. August 1874 in Kronstadt in der eigenen Gruft bestattet.

Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er bei seinem Großvater Johann Teutsch auf dem Kronstädter Stadtpfarrhof auf. Er besuchte das evangelische Gymnasium in Kronstadt, das ihm sozusagen vor der Türe lag und wo sein Stiefvater Josef Christian Fabricius 1810-1825 Rektor war. Nach nur zwei Jahren Aufenthalt und Studien in Preßburg (1825-1826) und in Wien (1826-1827) kehrte er nach Kronstadt zurück. Seine berufliche Laufbahn begann er, wie damals für Pfarrer üblich, im Schuldienst, zuerst als Hilfslehrer (Adjunkt), dann als Unterklassenlehrer (Collega). 1835 wurde er Lector Gymnasii für die Oberklassen, 1836 Conrector, und schon ein Jahr später vom Lokal-Consistorium zum Prediger (Diaconus) der Blumenauer Filialgemeinde ernannt. Ab 1841 war er Stadtprediger an der Stadtkirche (Schwarze Kirche), wo er 1846 zum Archidiaconus aufrückte. Es folgten die Jahre 1848-1852, in denen er als Pfarrer in Neustadt tätig war und danach von 1852 bis zu seinem Tod 1874 die Zeit als Pfarrer in Tartlau. Zum Dechanten des Burzenlandes wurde er schon 1859 nach der alten Kirchenordnung und dann 1861 und später mehrfach nach der neuen Kirchenordnung gewählt und bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod. Ein Ölbild des Dechanten Johann Friedrich Philippi hängt heute in den Räumen des Bezirkskonsistoriums Kronstadt.“

Soweit der Text seines Ururenkels.

Friedrich Philippi heiratet 1833 in Kronstadt Josepha Fraetschkes, die Tochter des Stadt- und Distriktsingenieurs Johann Georg Fraetschkes (1785-1831) und der Maria geb.  Gräf (1797-1873). Drei Kinder erreichen das Erwachsenenalter. Johann Adolf Friedrich, geb. 1834 in Kronstadt, der spätere Gymnasial-Lehrer, und noch zwei Töchter geboren in Neustadt, Johanna, verheiratet mit dem Notar Franz Linz aus Hermannstadt und Josefine, verheiratet mit dem Spiritusfabrikanten Paul Arzt.
Friedrich Philippi ist am 7. August 1874 im 68. Lebensjahr in Tartlau gestorben. In der Kronstädter Zeitung vom 8. August gibt es einen kurzen und schönen Nachruf, leider ohne Angabe des Verfassers, den wir hier wiedergeben.

„Gestern erhielten wir aus Tartlau die Trauernachricht, dass unser Burzenländer Bezirksdechant und Pfarrer daselbst Herr Friedrich Philippi in Folge eines Schlagflusses in wenigen Stunden im 68. Lebensjahre seine irdische Laufbahn vollendete. Der so unverhofft uns entrissene Freund stand viele Jahre an der Spitze des Burzenländer Kapitels und war eine Zierde unserer Landeskirche, bezüglich seiner Kenntnisse und seines freundlichen und heiteren Charakters stand er bei allen Volksklassen in großem, verdientem Ansehen. Mit großer Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Akkuratesse und Ausdauer führte er das Regiment in unserem Kirchenbezirke und war dabei nie lieblos, sondern von echt christlich evang. Geiste beseelt. Als Gatte, Vater, Großvater und Freund war er geliebt von Allen. Sein unverhofft schnelles Hinscheiden hat im Kreise seiner Familie eine nie auszufüllende Lücke gemacht und die Seinigen in tiefe Trauer versenkt. Die Leiche wurde aus Tartlau nach Kronstadt überführt und wird morgen den 9. August aus dem Hause 490 (Anm. d. Verfassers: heute Nr. 20, Apotheke HelpNet) in der Purzengasse ˝ 4 Uhr nachmittags in der Familiengruft auf dem evang. Friedhof beigesetzt. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, im Segen und in freundlicher Erinnerung bleiben.“ Dem Tagebuch des Arztes Eduard Gusbeth können wir noch entnehmen, dass er an einem Sonntag bei gutem Wetter, aus der Kirche mit einer Predigt des Predigers Fischer beerdigt wurde.

Seine Frau Josepha hat ihn um 19 Jahre überlebt und wurde am 10. April 1893 in der gleichen Gruft bestattet.