„Ich bin mir sicher, dass niemand hier im Saal eine Kreuzfahrt mit der Asche seines Vaters in einer Urne gehabt hat.“ Mit diesem Satz begann Sven Krauss, Neuntklässler am „Johannes Honterus“-Nationalkolleg, seinen kurzen Vortrag und gewann somit die Aufmerksamkeit des Publikums. Am Mittwoch, dem 25. Fe-bruar, erzählte er vor zahlreichen Mitschülern, Lehrern und Familienmitgliedern im Festsaal der Honterusschule über das Buch „Kreuzfahrt mit der Asche meines Vaters“ von Thorsten Nesch. Darin geht es um Jörn, der gerade die Schule beendet hat und sich alleine auf eine Kreuzfahrt nach Italien begibt, um dort die Asche seines verstorbenen Vaters zu bestatten.
Es ist eine Geschichte über Abschied, Wut und Erwachsenwerden.
Wie Sven stellten sich auch weitere 18 Gymnasialschüler und Lyzeaner der Herausforderung, ein deutsches Buch kreativ vorzustellen. Sie lasen Lieblingszitate vor, zeigten selbstgedrehte Videos zur Geschichte oder Comics. Ein Schüler komponierte sogar Musik, die die Gefühlswelt der Hauptfigur zum Ausdruck bringen sollten. Auf diese Weise verarbeiteten die Jugendlichen teils schwere Themen wie Nationalsozialismus, Scheidung der Eltern oder Verlust.
Auch Gleichberechtigung wurde sehr einfallsreich angegangen. Zwei Mädchen stellten ihre Lieblingsbücher in einem gefilmten Podcast vor. Das Video war wie für die sozialen Medien gestaltet und endete locker mit „Wir lieben euch!“
Großen Applaus erntete auch eine Schülerin, die in ihrer Videocollage bestimmte Farben und bekannte Songs mit Buchzitaten verband.
Viele Schüler empfahlen Bände, in denen Freundschaft, Liebe und Vertrauen im Mittelpunkt standen und boten den Zuhörern sogar konkrete Tipps, um Probleme im Alltag zu bewältigen.
Die Präsentationen waren verständlich, persönlich und sehr vielseitig gestaltet, sodass die Zeit wie im Flug verging.
Für ihren freiwilligen Einsatz wurden die Teilnehmer mit je einer Schachtel Pralinen belohnt. Es gab allerdings auch Preise für die besten Präsentationen – Gutscheine für die Buchhandlung C²rture{ti.
Initiiert wurde die Honterus-Lesenacht von Deutschlehrer Jürgen Burkert, Fachschaftsberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen der Bundesrepublik Deutschland. Im Vorjahr hat er, als begeisterter Leser, Schüler eingeladen, Bücher vor ihren Kollegen vorzustellen, um auch diese fürs Lesen zu begeistern und gleichzeitig, um das Reden in der Öffentlichkeit zu üben.
Das große Interesse ermutigte Burkert, den Schülern auch in diesem Jahr mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete oder dafür nominierte Bücher anzubieten, denn „der Zugang zur Sprache kann vor allem dann gelingen, wenn man gute Texte zur Verfügung hat.“
Die Bücher stehen nun in der Schulbibliothek zur Verfügung und können ohne Eintragung von den Schülern ausgeliehen werden.




