Ein Spiegel der lokalen Kulturlandschaft

Publikumswahl für Kronstädter Kulturpreise bis zum 1. März

Die Kulturlandschaft in Kronstadt gilt trotz zahlreicher Initiativen als ausbaufähig. Touristen besuchen die Stadt vor allem wegen ihrer Schönheit, Geschichte und Architektur. Nur wenige Kulturveranstaltungen ziehen gezielt Gäste von außerhalb an, da ein großes, dauerhaft etabliertes Festival fehlt. Zu den wichtigen Veranstaltungen zählen das „Jazz&Blues“-Festival, das Festival für Film und Geschichten in Rosenau sowie das „Alpin“-Filmfestival. Besonders stark ist Kronstadt im Musikbereich vertreten: „Organ Nights“, „Musica Barcensis“, „Musica Coronensis“ und die Reihe „Chamber Jazz“ der Transilvania-Universität Kronstadt finden regelmäßig statt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Neuere Formate wie das Natur-Filmfestival „Lynx“, das Festival für Film und Medienbildung „Culmea“ und „Street Delivery“ sprechen insbesondere junges Publikum an und binden es in Veranstaltungen mit ein. Zudem gibt es immer wieder einzelne Veranstaltungen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Dennoch gelang es bisher nicht, ein großes internationales Festival mit langfristiger Perspektive zu etablieren – das zeitgenössische Kunstfestival „Amural“ endete nach sieben Auflagen. Nachdem das Bürgermeisteramt im Vorjahr die Förderung unabhängiger Kulturschaffender eingestellt hat, bleiben Kreisrat, der Nationale Kulturfonds AFCN und Sponsoren die wichtigsten Finanzierungsquellen für die freie Szene.

Konsortium fördert Kulturszene 
Seit 11 Jahren engagiert sich das Kronstädter Corona-Kulturkonsortium für die Szene, indem es Fachleute und Initiativen vernetzt und jährlich Preise in zahlreichen Kategorien vergibt – von Buch, Ausstellung und Theater über Tanz, Konzert und Festival bis hin zu Kulturprojekt, Debüt oder kultureller Bildung. Die Gewinner werden sowohl vom Publikum als auch von einer unabhängigen Jury bestimmt. DIie Konsortiumsvertreter sind Marian Gîlea (Verein Fanzin), Adrian Lăcătuș (Transilvania-Universität), Valer Rus (Museum „Casa Mureșenilor“) und Steffen Schlandt, Kantor der Schwarzen Kirche.

Projekte aus der deutschen Gemeinschaft
In diesem Jahr stehen über 80 Projekte in 13 Kategorien im Wettbewerb, darunter mehrere, die aus der deutschen Gemeinschaft hervorgingen. Elise Wilks im Jahr 2025 beim Bukarester Verlag „Tracus Arte“ erschienenen Buch „Verschwinden. Union Place. Alaska“ ist für den Preis „Buch des Jahres“ nominiert. Es vereint drei zwischen 2019 und 2024 im Auftrag verschiedener Theater in Rumänien und dem Ausland entstandener Stücke über die jüngste Vergangenheit Rumäniens, die zeigen, wie politische Ereignisse Familienbeziehungen beeinflussen. Das Programm der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt „Organ Nights“, das seit 1953 ununterbrochen stattfindet, konkurriert  um den Titel „bestes Festival“ und ist zusätzlich als musikalisches Projekt nominiert.

Das Projekt „AfterImage – 80 Jahre seit der Deportation der Siebenbürger Sachsen in die UdSSR“ des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturzentrum ist in der Kategorie Kulturpädagogisches Projekt nominiert. Die Veranstaltungen  waren als Dialog über Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit, Unterschiede und Gemeinsamkeiten gedacht, die tiefere Folgen individueller und kollektiver Entscheidungen erörtern und den Wert von Empathie und Mitgefühl auf der Bühne der Geschichte abwägen.

„Diese Nominierungen unterstreichen die kulturelle Präsenz und die kontinuierliche Verantwortung, die unsere deutsche Gemeinschaft im öffentlichen Leben der Stadt übernimmt“, sagte Olivia Grigoriu, Lokalrätin seitens des DFDK.

Vielfältiges Angebot 
Besonders groß ist die Konkurrenz unter den Festivals. Nominiert sind unter anderem etablierte Veranstaltungen wie „Jazz&Blues“ (13 Auflagen), „Musica Barcensis“ (16 Auflagen) oder das Festival für Film und Geschichten (18 Auflagen), aber auch jüngere Projekte wie das Roma-Filmfestival und das Internationale Festival für Autorenrechte NOD, das 2025 zum ersten Mal stattfand.

Als Konzert des Jahres kandidieren unter anderem das Konzert zur Eröffnung der 148. Saison der Kronstädter Philharmonie, das in der Schwarzen Kirche stattfand, sowie „Cantica Profana. Transylvanian Folk Songs Re-imagined“ mit international renommierten Jazzmusikern wie Lucian Ban, Mat Maneri, Marco Colonna und Gerald Cleaver.

„Eine Vergangenheit, die nicht vergeht. Der Kommunismus und sein künstlerischer Nachlass“ im Kunstmuseum brachte Werke aus dem Bestand, darunter Arbeiten siebenbürgisch-sächsischer Künstler wie Hans Mattis-Teutsch, Waldemar Mattis-Teutsch, Friedrich von Bömches, Hermann Morres und Kaspar Lukas Teutsch vor das Publikum. Auch Installationen von Dan Perjovschi, Alina Andrei und George Ro{u waren darin enthalten. Das Besondere an der Ausstellung war, dass Museumsbesucher durch eigene Textbeiträge die Ausstellung mitkuratieren durften. Die Schau ist auch für Kulturprojekt und Debüt nominiert. Auch Ana-Maria G²le-]eanu machte sich mit ihrer persönlichen Ausstellung „un fold“, die in der INSPIRATIO-Kunstgalerie zu sehen war, bemerkbar. Dichter Florin Gherman und gleich drei Ballettänzer von der Kronstädter Oper wollen auch lokale Anerkennung.

Senioren bringen sich ein
Dieses Jahr konkurrieren Senioren vom Projekt „Super Bunici“ in vier Kategorien: Theateraufführung, Performance, Ausstellung und Kulturprojekt. Junge Künstler bieten Rentnern ein regelmäßiges Kulturprogramm, aus dem nun mehrere Werke entstanden. Eine der jungen Künstlerinnen, die das Programm betreut ist Tänzerin Anamaria Guguian, die mit ihrer Gruppe „I Dance You“ auch auf einen Preis für das Tanzprojekt „Human Nature – Performance Sub Semnul Întrebării“ hofft. Dieses vereint Tanzliebhaber, die im öffentlichen Raum auftreten und die menschliche Natur hinterfragen.

Alle Nominierungen sind auf der Webseite consortiulcorona.ro zu finden und das Publikum kann seine Favoriten bis Sonntag, den 1. März,wählen – vorausgesetzt man hat eine gültige Gmail-Adresse. Die Stimmen der Kronstädter zählen ebenso viel wie jene der Jury mit Lea Rasovzsky, bildende Künstlerin, Gabriel M²l²nciou, Komponist und [tefan Chiri]escu, Strategien-Leiter der Werbeagentur McCann. Die Gewinner werden am 3. März bei einer festlichen Gala im Studio 181 im Rektoratsgebäude bekannt gegeben.