Gustav Philippi (1877-1943), Rechtsanwalt

Der Rechtsanwalt Gustav Philippi

Gustav Philippi und Adele Zeidner als Brautpaar im Jahr 1908

Die Todesanzeige von Gustav Philippi in der Kronstädter Zeitung vom 9. August 1943

Wie so oft, greifen wir auf einen Nachruf aus der Kronstädter Zeitung vom 8. August 1943 zurück, welcher einen guten Überblick auf Gustav Philippis Lebenslauf liefert. Es folgt leicht gekürzt dieser Nachruf.

„Kurz vor seinem 66. Geburtstag ist Dr. Gustav Philippi von uns gegangen. Neben seiner Familie und den zahlreichen Freunden, die in ihm ihren warmherzigen und treuen Vater und Kameraden verlieren, beklagen wir in Dr. Philippi einen Mann, der bis in die letzten Jahre in uneigennütziger Einsatzbereitschaft im Dienst seines Volkes stand.

Als Sohn des Kronstädter Gymnasialprofessors Friedrich Philippi geboren und einem alten Bürgergeschlecht entstammend, besuchte und absolvierte er das Honterusgymnasium. In so mancher Beziehung wegweisend wurde es für ihn, dass er die Sommerferien stets in dem altsächsischen, großväterlichen Pfarrhaus in Rotbach verbringen konnte. In diesem Erlebnis des sächsischen Dorf- und Bauernlebens und dessen Kern wurzelten die tiefen Gemütskräfte seiner völkischen Einstellung und bis an sein Ende gehörte diese Zeit zu seinen liebsten und reichsten Erinnerungen.

Nach Absolvierung des Studiums der Rechte in Klausenburg, Eperjes, Budapest und München, trat er als Advokaturs-Konzipient in die damalige Advokaturskanzlei von Dr. Carl Ernst Schnell (letzter deutscher Bürgermeister) und Dr. Fritz Philippi (sein Stiefbruder) ein, und zeichnete sich schon damals wie auch später durch Gründlichkeit, Sachlichkeit und aufrechte Mannhaftigkeit aus, Eigenschaften, die ihm auch die Wertschätzung und Hochachtung seiner Kollegen der drei Nationen einbrachten.

Was damals für jeden jungen Absolventen der Hochschule als Pflicht galt – sich in den Dienst seines Volkes zu stellen, erfüllte auch er und tat es in der selbstlosesten Weise. Seine große Liebe zur Musik wies ihn zunächst an den „Kronstädter Männergesangverein“. Noch als junges Mitglied, dessen Fähigkeiten man sehr bald erkannte, wurde er zum Schriftführer des Vereines gewählt. Als solcher hat er dem Verein viele Jahre lang außergewöhnliche Dienste geleistet und ihm in jeder Weise fördern geholfen.

Mit Rat und Tat stand er unverdrossen dem Verein und den Sängern bei, bis zu dem goldenen Vereinsjubiläum im Jahre 1909, welches zum großen Teil dank seiner Initiativen und aufopfernden Tätigkeit zum letzten, großen und schönen sächsischen Volksfest im Sachsenland wurde. Auch die Entstehung der großen Festhalle, in welcher sich das Fest abspielte und deren Räumlichkeit und Bühne später die großen Opernaufführungen des Vereins ermöglichte, war zum großen Teil seiner unermüdlichen Tätigkeit zu verdanken.

Bald veranlasste ihn seine inzwischen errichtete und stark frequentierte eigene Advokaturskanzlei, mit ihren wachsenden Aufgaben, sich für einige Zeit aus dem Vereinsleben zurückzuziehen und sich nur seinem Beruf und den sonstigen Aufgaben als Gemeinderats-Mitglied und Vertreter in verschiedenen Kommissionen zu widmen. Auch diesen kam er in meist führender und dabei selbstlosester Weise nach.

Endlich wurde Dr. Gustav Philippi von der Stadt Kronstadt zum Stadt-Fiskal berufen, zu der Stellung, die er, zum Teil unter den schwierigsten Verhältnissen (Wiederherstellung geordneter Verhältnisse nach der Flucht während des 1. Weltkrieges) bis zu seinem Rücktritt in den Ruhestand, bekleidete. Die großen Dienste, die er in dieser Zeit seiner Vaterstadt und seinem Volke, vornehmlich bei der Durchführung der Agrarreform leistete, sind ja zum größten Teil der weiteren Öffentlichkeit unbekannt geblieben, schon weil er dank seiner charakterlichen Vornehmheit und selbstloser Bescheidenheit allem öffentlichen Getue abhold war. Trotz dieser großen Aufgaben fand Dr. Gustav Philippi doch wieder Zeit, sich dem Vereinsleben zu widmen. So erwählte ihn die Sektion Kronstadt des „Siebenbürgischen Karpatenvereins“ zum Obmann. Hier hatte er Gelegenheit, seine große Liebe zu seiner Heimat und ihren schönen Bergen zu bestätigen und dem Verein selbst wesentliche Dienste zu leisten.

Dann aber wurde Dr. Gustav Philippi wieder auf sein Lieblingsgebiet, die Musik, gezogen. Die „Kronstädter Philharmonische Gesellschaft” wählte ihn zu ihrem ersten Vorstand. Das große Verständnis und Wissen um ihre Aufgaben ließen ihn auch in diesem Verein seine so außerordentliche Tätigkeit entfalten. Auch hier waren Anregung und Förderung für Mitglieder und Dirigenten, denen er beiden zu dienen verstand, sehr wertvoll. Er selbst musizierte dabei mit größtem Eifer mit, wie er sich auch im Kreise seiner hochmusikalischen Familie als Kammermusiker betätigte.

Auch die „Philharmonische Gesellschaft“ führte er zu ihrem 50-jährigen Jubiläumsfest in so glänzender Weise und seine geistvollen, auf dem Studium des Musiklebens unserer Stadt in den vergangenen Jahrhunderten fußenden Veröffentlichungen und die Reden bei Gelegenheit des Festaktes in der Aula des Honterusgymnasiums sind wohl allen Teilnehmern unvergesslich.

Zurückgezogen von der Öffentlichkeit, verbrachte er die kurzen Jahre seines Ruhestandes in der Stille des Familienkreises, umhegt von der Liebe seiner Gattin, seiner Kinder und Enkelkinder, an denen er mit großer Liebe hing und die ihm Sonne in seine Einsamkeit brachten.

Mit Dr. Gustav Philippi verloren wir einen der wertvollsten Söhne unserer Stadt und unseres Volkes. Alle jene, die Gelegenheit hatten, Einblick in seine öffentliche Tätigkeit zu gewinnen, die seine liebenswürdige und selbstlose Hilfsbereitschaft, sein vornehmes Menschentum kennen lernen konnten, werden herzliches Gedenken für den in bescheidener und stiller Einsamkeit dahingeschiedenen treuen und zuverlässigen Freund Dr. Gustav Philippi bewahren.“

So weit der aus der Kronstädter Zeitung übernommene Nachruf. Verfasser dieses schönen Nachrufs war sein Zeitgenosse und Freund, der Komponist Paul Richter. 
Gustav Philippi wurde am 29.8.1877 als zweites Kind des Gymnasiallehrers Friedrich Philippi und der Maria Flechtenmacher in Kronstadt geboren. Sein Großvater mütterlicherseits, Carl Flechtenmacher, war Lehrer und Pfarrer in Rothbach. Er hatte noch einen 15 Jahre älteren Stiefbruder, den Landesadvokat Dr. Jur. Fritz Philippi und eine drei Jahre ältere Schwester Maria, verheiratete Binder.

Im Jahr 1908 heiratet er Adele geb. Zeidner (1885-1853), die Tochter des Fabriksbeamten Franz Zeidner.

Sie hatten drei Söhne, der erste war Hans Heinrich (1911-1997 in Ansbach), Privatbeamter.

Der zweite Sohn war der uns gut bekannte Gymnasiallehrer für Erdkunde und Geschichte, Kurt Philippi (1913-2004), verheiratet mit Maja geb. Depner (1914-1993). Beide sind unserer Generation als geschätzte Gymnasiallehrer gut bekannt.

Gleichfalls gut bekannt ist uns auch der dritte Sohn Paul Philippi (1923-2018), Theologe. Kurt Philippi mit Gattin und Paul Philippi sind die vierte Generation aus dieser Familie die in diesem Ehrengrab ihre ewige Ruhe gefunden haben und auch für sie sind in weiteren Beiträgen Würdigungen geplant.