Humor und Kreativität in schwierigen Zeiten

Faschingszeitungen im Archiv der Honterusgemeinde

„In diesem Heft, da wird gesungen von manchem Mitglied schlicht in Gedichten. Sind sie nicht gelungen, nun Mensch ärgere dich nicht! Die Hauptsach, dass die anderen lachen, im nächsten Jahr wirst du´s besser machen. Schreib dann was gegen dies Gelichter, geh in dich und werde Dichter!“, steht es im Heft „Die Martinsgans“, herausgegeben im Jahr 1943.

„Einmal im Jahr sei nicht ärgerlich. Einmal im Jahr, lach auch über dich“, steht es in der Landeszeitung für Humor „Dunkler Punkt“, erschienen zur Fastnacht 1939. Auch in der Zeitung „Das Karnickel“ wird gewarnt: „Wer sich hier ärgert weiß es nicht, dass aus Humor der Weise spricht“. Und in der Publikation, die „Paprika“ heißt, steht gleich auf der ersten Seite eine Weisheit, der auch heute kein bisschen an Aktualität verloren hat: „Ernst mit Scherz trifft das Herz“.

Ob es „Die Rute“ ist oder „Die bösen Buben“, ob sie „Die schiefe Bühne“ heißt, „Die Zündnadel“, „Die Kletitte“ oder „Papierböller“, alle Faschingszeitungen sind sich einig: wenigstens einmal im Jahr sollte man auch über sich selbst lachen können, seine eigenen Schwächen ironisieren und die lustigen Gedichte, die seine Nachbarn über einen schreiben, nicht allzu ernst nehmen. Humor hat den Leuten schon immer geholfen, schwierige Zeiten zu überstehen. Die meisten Faschingszeitungen, die im Archiv der Honterus-Gemeinde durchgeblättert werden können, stammen aus den Jahren kurz vor oder während des 2. Weltkriegs. 

Der Erlös diente einem karitativen Zweck 
Faschingszeitungen und -blätter haben in der siebenbürgisch-sächsischen Kultur eine lange Tradition als humorvolle, oft satirische Publikationen, die zur Karnevalszeit (Fastnacht) in den Gemeinden erschienen. Sie waren Teil der „verkehrten Welt“ des Faschings und wurden oft von Nachbarschaften oder lokalen Gruppen herausgegeben. Das Honterus-Archiv bewahrt repräsentative Bestände historischer Faschingszeitungen aus verschiedenen siebenbürgischen Ortschaften. Diese zeigen nicht nur, dass Humor ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist, sie zeugen auch von der Kreativität ihrer Autoren und sind ein wichtiges Zeugnis der deutschsprachigen Pressegeschichte und Volkskultur in Siebenbürgen.

Lokale Anekdoten und lustige Reklame 
Angefüllt mit Parodien und Satiren entfachten die Faschingszeitungen gute Stimmung und ihr Erlös diente oft einem karitativen Zweck. In Kronstadt enthielten Zeitungen wie „Die Angel“, „Die Einsame“ oder „Die hohle Gasse“ Witze, Anekdoten, humorvolle Berichte über lokale Ereignisse und Neckereien über Gemeindemitglieder, um das soziale Miteinander auf satirische Weise zu spiegeln. Namhafte Künstler wie Fritz Kimm besorgten häufig die Illustrationen.
Lokale Ereignisse, Peinlichkeiten von Obrigkeiten und dörfliche Anekdoten des vergangenen Jahres wurden satirisch aufs Korn genommen und niemand blieb verschont. Oft ist lokales Wissen gefordert, um die Anspielungen zu verstehen, aber über viele der Gedichte und Anekdoten kann man auch heute schmunzeln, obwohl man die Personen und Geschehnisse von damals nicht kennt.

Besonders lustig ist auch die Werbung für verschiedene Geschäfte in der Innenstadt, wie dieses Gedicht über einen Laden für Herrenausstattung in der Purzengasse:

Willst du mal den teuren Gatten 
Liebend näher an dich locken 
Kauf für seine dünnen Latten 
Ein paar Herrenmodesocken 
Bei Franz Gross im Purzengassel
Kaufst du gut und billig ein 
Sput dich, mach dir mal ein Spassel 
Geh zu Fränzchen Gross hinein. 

Die Faschingszeitungen aus Kronstadt und Umgebung sind ein exzellentes Forschungsthema – zum Beispiel für Studierende der Germanistik. Sie können auf Anfrage im Honterus-Archiv konsultiert werden. Ansprechperson ist Frank Ziegler, Pressesprecher der Honterusgemeinde.