„Ich versuche immer, outside the box zu schreiben, also so, wie niemand anderes schreiben würde“, erklärt Filip Jumungă, Schüler der 9. Klasse am Samuel-von-Brukenthal-Nationalkolleg in Hermannstadt. Er hat bei der Landesphase der Olympiade für Deutsch als Muttersprache (DaM) die höchste Punktezahl erreicht: 98 von 100. Filip ist einer von 130 Schülern deutscher Schulen aus 16 Kreisen Rumäniens, die zwischen dem 15. und 18. April drei Tage in Kronstadt verbrachten. Manche kennen sich bereits aus den Vorjahren, andere haben neue Bekanntschaften oder Freundschaften geschlossen. Dieses Jahr versammelten sich die Teilnehmenden unter dem Motto „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“.
Leistung wird zu Anerkennung
„Herzlichen Glückwunsch und Dank, dass ihr dabei seid. Für manche war es eine bewusste Entscheidung, da sie auch bei anderen Olympiaden in der Nationalphase erfolgreich waren, die ebenfalls in diesen Tagen stattfindet“, sagte Alexandru Szepesi von der Generaldirektion für Minderheitenschulwesen im Bildungsministerium anlässlich der feierlichen Eröffnung der Deutscholympiade in der Redoute, in Anwesenheit lokaler und nationaler Behörden.
Die Teilnahme der Schüler zeige mehr als Sprachkenntnisse, so Anina Micleru-Șoană, Deutschinspektorin in Kronstadt. Sie zeige Disziplin, Neugier und Offenheit. „In einer globalisierten Welt ist die Fähigkeit, eine andere Sprache fließend und nuanciert zu beherrschen, eine wahre Superkraft.“
Einsatz zur Förderung der deutschen Sprache in Rumänien
Der Abgeordnete Ovidiu Gan] hob die Bedeutung des muttersprachlichen Unterrichts in Rumänien hervor und verwies auf laufende Förderprogramme für Lehrkräfte im deutschsprachigen Schulwesen. Ein bedeutendes Programm ist jenes der Bunderepublik Deutschland, das seit 2015 Lehrkräfte finanziell unterstützt, damit sie einen qualitativ hochwertigen deutschsprachigen Unterricht anbieten können. Heuer sichert der Vertrag der BRD mit der Saxonia-Stiftung aus Rosenau 1,1 Millionen Euro für rund 1000 Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher im ganzen Land.
Der Anblick der zahlreichen begeisterten Schüler und ihrer Lehrer, die Interesse an der deutschen Sprache zeigen, seien eine Freude und zugleich ein Grund, sich bei der rumänischen Regierung weiterhin „für einen funktionierenden Rahmen der Entfaltung der Sprachen und Kulturen der nationalen Minderheiten Rumäniens einzusetzen“, erklärte Thomas Șindilariu, Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen an der Regierung Rumäniens (DRI). Wiebke Oeser, Konsulin der BRD in Hermannstadt, ermutigte die Teilnehmenden, ihre Sprachkenntnisse sowie auch ihre Kreativität, Argumentationsfähigkeit, ihr kritisches Denken und ihre eigene Persönlichkeit in der Prüfung einzusetzen.
Sehr gute, kreative Aufsätze
Diese Herausforderung nahmen sie an und schrieben kreative Texte zu den Impulsen: „Sobald ich meine Brille aufsetze und ein Gespräch mit einer Person durchführe, erscheinen auf ihrem Gesicht dunkelgrüne Punkte, wenn sie nicht die Wahrheit sagt“(VII. Klasse), „Mit zusammengebissenen Zähnen schob sie das alte Fahrrad den Hügel hinauf, wo…“ (VIII. Klasse), „Stille sagt oft mehr als tausend Worte“ – Ella Fonissi (IX. Klasse), „Das Neue ist selten das Gute, weil das Gute nur kurze Zeit das Neue ist“ – Arthur Schopenhauer (XI. Klasse), „Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht“ (XII. Klasse). Die Schüler der X. Klasse haben ein Bild erhalten, das sie für ihren Aufsatz inspirieren sollte.
Mehrere Teilnehmende beschrieben den Wettbewerb als inspirierend. „Man weiß nie genau, wohin die Geschichte führt und das macht es spannend“, sagte eine Schülerin. Eine andere war eher enttäuscht vom Thema, das die Lehrer für ihre Klasse erarbeitet hatten.
Die Lehrkräfte aus mehreren Schulen des Landes achteten bei der Korrektur nicht nur auf die Anwendung der deutschen Sprache, der Grammatik und Rechtschrheibung, sondern auch auf Logik, Kohärenz und Ausdruck.
Als die Ergebnisse bekannt wurden, zeigten sich im Honterushof große Gefühle. „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis“, freute sich ein Schüler, andere diskutierten ihre Texte mit Lehrern oder erhoben Einspruch. Am nächsten Tag ging das Programm jedoch mit einem Gruppenangebot weiter, das für Freude und Spaß sorgte.
Theaterstücke über Kronstädter Sehenswürdigkeiten
Am letzten Tag präsentierten die Teilnehmenden ihre Projekte, die sie im Rahmen einer Stadtrallye und Gruppenarbeit entwickelt haben. Dabei entstanden kurze Theaterstücke zu Sehenswürdigkeiten wie der Schwarzen Kirche, der Johannes-Honterus-Statue oder dem Schnurgässchen. Die Anwesenden erfuhren viele Informationen zur Multikulturalität und Geschichte der Stadt.. „Die Gruppenarbeit hat mir am meisten gefallen, weil wir gemeinsam in intensiver Zusammenarbeit etwas Nettes erschaffen haben“, erzählte eine Teilnehmerin. Auch die gemeinsamen Mahlzeiten in der erst kürzlich eröffneten Schulmensa „Cafeteria Honterus“ im Honterushof, neben dem Aldus-Antiquariat, stärkten das Gemeinschaftsgefühl.
Eine Schülerin brachte die Erfahrung in Kronstadt auf den Punkt: „Es war eine sehr tolle Erfahrung. Ich bin aber traurig, weil das ist für mich die letzte Deutscholympiade. Ich bin in der XII. Klasse“.
Die kommende Olympiade für Deutsch als Muttersprache wird voraussichtlich in Klausenburg stattfinden.
In den nächsten Nummern der Karpatenrundschau werden wir die Aufsätze der Preisträger veröffentlichen.
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Presiträger der Olympiade für Deutsch als Muttersprache
Kronstadt 2025
VII. Klasse
1. Preis - Amalia Negu], German-Idees-Lyzeum, Bukarest
2. Preis - Anastasia Tatu, Johannes-Honterus-Nationalkolleg, Kronstadt
3. Preis - Isabela Lup{e Tarangul, Nikolaus-Lenau-Nationalkolleg, Temeswar
VIII. Klasse
1. Preis - Ariana Selina Fanu, Nikolaus-Lenau-Nationalkolleg, Temeswar
2. Preis - Tirza Hoster, Deutsches Lyzeum, Mühlbach
3. Preis - Luiza Hârceag˛, George-Co{buc-Nationalkolleg, Klausenburg
IX. Klasse
1. Preis - Filip Jumug˛, Samuel-von-Brukenthal-Nationakolleg, Hermannstadt
2. Preis - Irina Sophie Pop, George-Co{buc-Nationalkolleg, Klausenburg
3. Preis - Sven Krauss, Johannes-Honterus-Nationalkolleg, Kronstadt
X. Klasse
1. Preis - Lara Ioana Rotar, Nikolaus-Lenau-Nationalkolleg, Temeswar
2. Preis - Anda-Ioana Brode]chi, Samuel-von-Brukenthal-Nationakolleg, Hermannstadt
3. Preis - Ana-Pia Cr˛ciun, Goethe-Kolleg, Bukarest
XI. Klasse
1. Preis - Maria Oberreiter, Johann Ettinger-Lyzeum, Sathmar
2. Preis - Tudor Simon Mahl, Charlotte-Dietrich-Schule, Hermannstadt
3. Preis - Lucia Kruse, Goethe-Kolleg, Bukarest
XII. Klasse
1. Preis - Noah Nistorescu, Nikolaus-Lenau-Lyzeum, Temeswar
2. Preis - Astrid-Beatrice Mo], Nikolaus-Lenau-Nationalkolleg, Temeswar
3. Preis - Thomas-Georg Kattesch, Nikolaus-Lenau-Nationalkolleg, Temeswar
Es gab auch Belobigungen.






