Fortsetzung vom letzten Freitag
„Zwischen ‚Selbsthilfe‘ und ‚Fremdsteuerung‘“
Mehrere Buchbeiträge gehen komplexen Netzwerken nach, die staatliche, kirchliche und verbandliche Basisstrukturen nutzten und materiell, ideologisch und personell „betreuten“. Eine „Scharnierposition“ kam hochrangigen Gesandten Deutschlands in Bukarest zu, was man insgesamt im heutigen Berlin lange auch nicht wahrhaben wollte, bis vor ca. 15 Jahren eine dafür eingesetzte Fachkommission ihre Ergebnisse im gesellschaftlich viel diskutierten Band „Das Amt“ (d. h. das Außenamt) zwischen Wunschdenken und Realität differenziert dargelegt hat.
Besonders erhellend ist im vorgenannten Fall auszugsweise der Schriftwechsel zwischen dem Gesandten in Bukarest und den Stabsstellen in Berlin über die hinterhältigen Scharmützel der Akteure in Siebenbürgen, die später zum „Bruderkrieg“ eskaliert sind. Selbst die NS-ideologische Bewegung war in sich gespalten. Einer jener Akteure (Alfred Bonfert) wurde inkl. Familie schließlich unter einem Vorwand nach Berlin beordnet und dann an der Heimreise gehindert, wonach dort die NS-Fraktion sich konsolidieren konnte. Jene Tatsachen sind schon lange bekannt und dokumentiert. Im vorliegenden Buch werden sie – über das Geschehen hinausgehend – im übergeordneten Kontext auch für Nichthistoriker schlüssig nachvollziehbar dargestellt.
Die Auswirkungen der Netzwerkaktivitäten waren regional unterschiedlich, wie ein vergleichender Beitrag über die Bukowina und das Banat veranschaulicht. Mitunter spannend zu lesend ist über Kompetenzgerangel in Berlin und Machtkämpfe in Rumänien, letztere sowohl zwischen unterschiedlichen Lagern, wie dem politischen Katholizismus und der Sozialdemokratie, aber auch innerhalb der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) mit dramatischer Zuspitzung im Bischofsamt.
Der „Kampf um die Köpfe und Herzen der Jugend“ wurde konzise mit zweifelsfreien, aussagekräftigen Zitaten und einigen Fotos von Ulrich A. Wien rekonstruiert. Lediglich die Fußnoten lassen erahnen, welch akribische Fleißarbeit mit Sichtung umfangreicher Primärquellen u. a. jenem Fachbeitrag vorausging. Nach dieser Lektüre muss man unverrückbar anerkennen, dass so manches Übel für die Siebenbürger Sachsen tatsächlich nicht von den rumänischen Kommunisten vollbracht worden ist. Es waren die Nationalsozialisten – die eigenen. Deren Erfolg gelang nach jahrelangem Ringen schlussendlich mit bewusster Zustimmung des ev. Bischofs und dessen Hauptanwaltes der EKR, die sodann auch ihre Ämter abgaben – die totalitäre Gleichschaltung nach Führervorbild, allerdings maßgeblich in Eigenregie.
Die (nicht ausschließlich) von Außen eingebrachten Ideen flossen auch in die sozial orientierte Frauenbewegung ein. Im Sinne damaliger Emanzipation agierte sie zunehmend auch politisch, was im Rahmen der NS-Ideologie von den eigenen Politikern zurückgedrängt worden ist. Die NS-Ideologie wog auch in der Dobrudscha schwerer als das Wohl dortiger Deutscher. Tobias Weger zeichnet u. a. den dynamischen Werdegang von Otto Klett nach, der 1940 maßgeblich die nationalsozialistische Umsiedlung seiner rd. 15.000 Landsleute ins Warthe-Gau (Ostbrandenburg) „heim ins Reich“ organisiert hat. Jene „völkische Flurbereinigung“ (in Friedenszeiten!) wird heute als ethnische Säuberung bezeichnet.
Im Nachwort des Beitrages zur Ausbreitung von Antisemitismus, Eugenik und entsprechender Ideologie wird von James Korany nicht lediglich von Verdrängung, sondern von Tilgung des Jahrfünfts 1933-1938 „aus der kolkektiven rumäniendeutschen Erinnerung“ geschrieben. Er möchte eine Koinzidenz eines „Erinnerungsdisputs“ in den 1980ern und 90ern in Deutschland mit dem Bundesvorsitz von Alfred Bonferts Sohn Wolfgang sehen und verweist lediglich auf seine selbst verfasste Publikation als Quelle.
Jene Darlegung kann vorliegend nicht bestätigt werden. Im Gegenteil: Anfang der 1990er führte ich bei diversen Gelegenheiten mehrere aufgeschlossene Gespräche mit dem Zeitzeugen Wolfgang Bonfert. Erst im stark fortgeschrittenen Alter seines ab 1945 zurückhaltenden Vaters engagierte sich Wolfgang Bonfert – 40 Jahre nach Kriegsende – leitend im Verein für seine Landsleute, zeitgleich, während wiederum sein Sohn Christoph als Student der Politik die Jugendorganisation SJD nach dem Vorbild der PAN-Europajugend aufzubauen begann. (Und nein, ein Verwandschaftsverhältnis zu mir besteht nicht.) Mehr noch: Christoph Bonfert und Harald Roth haben Anfang der 1990er im Rahmen eines Wochenendseminars Alfred Bonferts früheren Weggefährten Fritz Cloos als Zeitzeugen geladen, der sich der Diskussion in der Arbeitsgemeinschaft der Studenten und Jungakademiker (ASJ) gestellt hat.
Nachvollziehbar, aber mit selbstbenannten Lücken, sind die Recherchen über die nationalsozialistische Übernahme der Redaktion der Czernowitzer „Deutschen Tagespost“ durch Leute im Interesse des Berliner Reichspropagandaministeriums.
Das Kronstädter Kulturmagazin „Klingsor“ verblieb beim Herausgeber Heinrich Zillich, der jene Zeitschrift intrinsisch motiviert für Lyrik und Essays mit wachsendem Einfluss der NS-Ideologie öffnete. Man kann sich gut vorstellen, wie es auf Adolf Meschendörfer gewirkt haben mag, dass u.a. sein Roman „Die Stadt im Osten“ auch im Deutschen Reich verlegt worden ist – für ihn, bei rund 1000 Rezensionen und einer gut dotierten Preisverleihung, Zeichen von literarischer Anerkennung in einer vom nationalsozialistischen Kulturbetrieb zugedachten Position. Sie wurde willig angenommen: Für die Neuauflage 1937 seines vorgenannten Romans passte er darin den Wortschatz ideologischen Erwartungen an. Ein weiterer, unpublizierter Roman konnte jedoch – trotz deutlicher Befürwortung der NS-Ideologie – aufgrund der Kriegswirren nicht mehr in Druck gehen.
Die literarischen Textanalysen im „Klingsor“ führen im Einklang mit bisheriger Fachliteratur zur Erkenntnis, dass in den 1930ern experimentelle Ansätze stark nationalistischer Rhetorik wichen. Claudia Spiridon-[erbu sieht darin nicht lediglich ein Bedürfnis der Zugehörigkeit zum deutschen Mutterland, „sondern auch durch die Zuschreibung von Merkmalen wie Opferbereitschaft und Hingabe“ einen sozialen Wegbereiter kollektiver Kriegseuphorie.
Deutlich mehr als ein Kuriosum: Bidirektionalen Wissens- und Ideentransfer zwischen Siebenbürgen und Deutschland bzgl. überregionaler Zusammenhänge bei mittelalterlichen Holzbauweisen und Anordnung bäuerlicher Gehöfte. Die konstruierte Rückführung auf germanische Stämme und Verbreitung durch völkische Bewegung gefiel im Dritten Reich, verfing hingegen nirgends in Rumänien. Immerhin gab es dann reichsdeutsche Projektfördermittel, um gemeinsam mit Danziger Studenten Kirchenburgen zu vermessen und zu fotografieren – im Zustand von 1937/38.
Lücken geschlossen, neue erkannt
Der vorliegende Band vereint das breite Themenspektrum der Politik in verdichteter Form aufeinander abgestimmter Beiträge namhafter Wissenschaftler und Akademiker, die mit monothematischen Arbeiten der interessierten Leserschaft bereits gut bekannt sind. Die Instituts- und länderübergreifende Zusammenarbeit sichert die gebotene Pluriperspektivität. Angeheftete Feigenblätter gibt es hier nicht. Die vorliegende wissenschaftliche Objektivität erscheint auch notwendig, angesichts emotionaler Sensitivität und wiederkehrender brandaktueller Thematik. Es bleibt zu hoffen: Fortsetzung folgt. Schließlich können in einem einzigen, breit angelegten Buch lediglich signifikante Schlüsselereignisse hervorgehoben werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Ganz im Sinne der bekannten Wissenschaftlerin und Publizistin für politische Theorie, Hannah Arendt, wird im vorliegenden Band zwar die philosophische Deutung von Begriffen nicht ausgeklammert, aber im Wesentlichen den Kernfragen zur Werdung und Ausbreitung eines politisch totalitären Systems nachgegangen und mit konkreten Fallbeispielen untermauert. Im sprichwörtlich gewordenen „Denken ohne Geländer“ wurden vorliegende Lücken geschlossen und dabei neue erkannt.
Selbstverständlich greifen die Autoren auf frühere Fachpublikationen zurück. Darauf aufbauend werden weitere Primärquellen erschlossen, wie die umfangreichen Protokolle des Landeskonsistoriums und Schriften der EKR, Zeitzeugenberichte oder Tagebuchaufzeichnungen von Personen öffentlichen Lebens. Während noch 1998 zur 100-jährigen Feier von Heinrich Zillich auf sein kulturpolitisches Wirken z. T. kontrovers zurückgeblickt worden ist, konnten nach der Übergabe seines Nachlasses an das IKGS sodann Ungewissheiten durch die Wissenschaft im entsprechenden zeithistorischen Kontext bereinigt werden.
Dabei taten sich für die Wissenschaftler im eingangs genannten Symposium zusätzliche Fragestellungen auf, deren Beantwortung weitere Arbeiten begründen. Das IKGS hat bereits umfangreiche Primärquellen digitalisiert und lädt ein, weitere berufsständische Milieustudien zu erarbeiten, nunmehr verstärkt unter Berücksichtigung rumänischer Archive. Was bewirkten in dieser Sache deutschsprachige Akteure in rumänischen Großparteien in den 1930ern? Noch zu erforschen gelten u.a. Netzwerke und Kontakte auf Arbeitsebene der deutschen Minderheiten der damaligen Staaten untereinander.
Das vorliegende Werk beleuchtet schlüssig die vorerst außenpolitische Vereinnahmungen durch das NS-Regime von soziokulturellen Gegebenheiten vor Ort, was nicht nur auf befürwortende Akteure, sondern auch auf handfesten Widerstand stieß und Machtkämpfe ausgelöst hat. Der besondere Verdienst der Autoren liegt im gelungenen Perspektivwechsel: Mit heutigen Erkenntnissen wissenschaftlicher Methodik werden Sichtweisen und Lebensbilder der 1930er Jahre für Leser mit gegenwärtigen Denkbildern herangezoomt, ohne damalige Akteure nach heutigem Wissensstand einzuschätzen oder gar zu verurteilen.
Wer bisher Adolf Meschendörfer zu seinen Lieblingsautoren gezählt hat, wird das auch nach der Lektüre dieses Fachbuches beibehalten. Wer hingegen die politische Gesinnung in den Schriften von Heinrich Zillich sowohl vor, als auch nach Kriegsende kritisiert hat, wird sich bei der Lektüre des Buches objektiv bestätigt sehen, aber nunmehr mit dem Verständnis des Warum mit Milde auf ihn blicken. Wissen und empathische Nachvollziehbarkeit wirken versöhnlich und nicht als Verdikt. Möglich aber auch, dass man gerade deshalb über ganz aktuelle publizistische Verfehlungen dieser Art nicht einfach hinweg sieht, nur weil sie einem vormals befreundeten Bekanntenkreis entstammen.
Ideengeschichte
Gibt es hinsichtlich der Deutschen in Rumänien eine Ideengeschichte? Und wenn ja, stammt sie aus der Feder der wunderbaren Iris Wolff? Das natürlich nicht, aber die Geschichten ihrer Romane spielen weitgehend in Siebenbürgen und im Banat; sie spiegeln z. T. die Ideengeschichte deren Bewohner wieder. Ob in diesem Beispiel sog. rumäniendeutsche Literatur vorliegt, ist unter Literaturwissenschaftlern umstritten. Casus knacksus: Hat die Autorin lediglich die Romanhandlung nach Siebenbürgen, bzw. ins Banat verlegt, oder beschreibt sie gezielt dortige Lebensrealität, Milieus und gruppentypische Mentalitäten in literarischen Räumen?
Hierzu – über literarische Felder und Räume – hat das IKGS-Team, bestehend aus einer Handvoll Wissenschaftlern, in Kooperation mit weiteren akademischen Einrichtungen, grundlegende literaturtheoretische Publikationen unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Soziologie vorgelegt (www.ikgs.de). Auch hierfür gilt: to be continued! (vgl. auch von der in Wien promovierten Philosophin Mădălina Diaconu: „Ideengeschichte Rumäniens“, Brill-Verlag, Paderborn, 2021, 346 S., sauteuer – aber in der Fernausleihe erhältlich. Wer jenes ab ca. 2017 entstandene Werk liest, versteht heutige –sic! – Entwicklungen im Land besser.)
Mannigfaltige Formate
Sicherlich sind Fachbücher wie vorliegendes nicht jedermanns Sache, obwohl weitgehend flüssig lesbar. Für den einen erweisen sich jene historischen Entwicklungen – trotz bekannter Endergebnisse – mitunter regelrecht als spannend, für andere ist die interdisziplinäre Detailfülle mit zahlreichen Querverweisen abschreckend. Alternativen gibt es. Leichter überschaubar sind beispielsweise Fachaufsätze in der Halbjahresschrift des IKGS „Spiegelungen“ (spiegelungen.net).
Ebenfalls mit tatkräftiger Unterstützung des IKGS entstanden ist der Roman von Hilde Link „Weltreisende“. Sie kamen unauffällig, aber im Auftrag Hitlerdeutschlands, in entlegene deutschsprachige Siedlungsgebiete fremder Staaten, holten Erkundungen über Bewohner und deren „Rasse“ ein, verbreiteten Sorgen, schürten Ängste, förderten Zwietracht und Hass, stifteten zur Gewalt an – sie beeinflussten das gesellschaftliche Leben. HaSS führte donauschwäbische Männer in die SS-Division „Prinz Eugen“ des Birthälmers Artur Phleps, die durch massenhafte Kriegsverbrechen an der serbischen und kroatischen Zivilgesellschaft inmitten eines Weltkrieges auffiel. Die Weltreisenden haben sich in das Lebenssystem der Donauschwaben nahe Novi Sad/Neusatz eingehackt, wonach sich der Hass ähnlich einem Computervirus verbreitet hat (Hilde Link: Weltreisende, danubebooks, Ulm 2021).
Dort, wo nachts die Kunst nichtarischer Liebe zelebriert, morgens wegdiskutiert, mittags getötet, abends beweint wird, dort, wo man sich polyglott artikuliert, aber gedanklich Nazijargon verwendet, dort prallen Welten aufeinander: im Grand Hotel Athénée Palace, High-Society-Treff in Bukarest, damals das Klein-Paris des Ostens. Und sie war zum entscheidenden Zeitpunkt über sieben Monate dort: die mondäne Journalistin R. G. Waldeck. Es war quasi am Vorabend des Kriegseintritts Rumäniens und der USA. (R. G. Waldeck: „Athénée Palace – Hitlers ‚Neue Ordnung‘ kommt nach Rumänien“, Traian Pop Verlag, Ludwigsburg, 2018)
Auch wird damalige Kulturpolitik auf staatlicher Seite Rumäniens inzwischen kritisch hinterfragt. Beispielhaft erwähnt sei hierzu ein Sachbuch über das Rumänische Institut in Berlin 1940 – 1945: „Kultur und Propaganda“ (von Irina Nastasă-Matei und Lucian Nastasă-Kovács bei Frank & Timme, Berlin, 2023). Dem zunehmend transnationalen Netzwerk gehen Wissenschaftler des historischen Instituts „George Barițiu“ der Rumänischen Akademie nach. Die englischsprachige Ausgabe erschien unlängst beim IKGS (herausgegeben von Ottmar Trașcă, V. Țarău, C. Pintilescu ).
Lyrik ist anregend. Wer Paul Celan liest, wisse zudem – so ein Lyriker und Publizist in der FAZ, dass Rumänen – als Soldaten, Amtsträger oder Bürger – Judenpogrome und ebenso Massenhinrichtungen zu verantworten haben. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“? Vorliegend kein Alleinstellungsmerkmal. Und dennoch hat die rumänische Sprache den renommierten Lyriker geprägt („Paul Celan – Die rumänische Dimension“ von Petre Solomon – Übersetzung aus dem Rumänischen inkl. auszugs-weise seine sieben Gedichte und acht lyrischen Prosatexte durch Maria Irod bei der Berliner Edition Noack & Block des Verlages Frank & Timme, Berlin, 2023).
Wer nicht lesen will, muss hören: „Wie kam der Nachlass Zillich ins IKGS?“ - Podcastfolge Nr. 1 der „Donauwellen Südostcast“ auf Spotify mit der Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick über Vertrauen, Forschungspotentiale und Publikationsethik zwischen Zeitgeschichte und Literaturwissenschaft (spotify, 14.07.2021).
Genug gelesen? Der preisgekrönte Thomas Perle hat nach intensiven Recherchen 2023 für das Deutsche Staatstheater Temeswar und weiteren sechs mitbeteiligten Institutionen das Bühnenstück „Sidy Thal“ verfasst: „a schtikl vos blaybt“. Thema ist u. a. die antisemitisch motivierte Ermordung eines jüdischen Multitalents auf den Bühnenbrettern Temeswars, nunmehr gespielt auf den großen Bühnen der Welt. Zu gleicher Zeit in 2023 war Thomas Perle Stadtschreiber des Deutschen Kulturforums östliches Europa (Berlin) in der damaligen Europäischen Kulturhaupstadt Temeswar. Seine dort entstandenen Blogbeiträge im Online-Format experimenteller Literatur wurden von vielen Banater Deutschen missliebig aufgenommen. Die Art und Weise folgender offen persönlicher Ablehnung und Ausgrenzung von Thomas Perle führten dazu, dass ich den dazu druckfertigen Zeitungsbeitrag bei der ADZ kurzfristig zurückzog – aus heutiger Sicht nachvollziehbar, aber ein Fehler, dessen Wiederholung zu vermeiden ist. Dabei kontrastierte doch Thomas Perle anlassbezogen den Umgang mit der Tracht zunächst generationsübergreifend in seiner Familie und nachfolgend insgesamt. Ferner wagte er, (zu) stark verknappt, den Zeitsprung, als Nationalsozialisten die Wiederbelebung von Traditionen für ihre Zwecke missbraucht haben. Der Ich-Erzähler wehrte sich gegen jenes Bild, das sich ihm aufdrängte. Mehr Lockerheit sei angesagt: „darf das alles nicht so ernst nehmen. nicht immer das völkische, die wiederbelebung dieser tradition unter den nationalsozialisten mitdenken“. (Blogbeitrag: „Liebling“ vom 23.7.2023 auf stadtschreiber-temeswar.de)
Was bleibt, was wird
Nicht morgen, auch nicht demnächst, aber durchaus in Sichtweite beginnen die nächsten 30er Jahre. Mit welcher (Kultur-)Politik der Deutschen in/aus Rumänien? Erhalten, was noch zu erhalten ist, klingt nach: retten, was noch zu retten ist. Das wirkt jedoch zu knapp in der Vergegenwärtigung der Zukunft. Ob das vorliegende Buch mit der Vergegenwärtigung der Vergangenheit Anregungen oder gar Antworten bietet? Zumindest verwarnt es vor Heimatliebe ohne Liebe deines anderssprachig Nächsten, vor Schlawinertum und persönlichen Fisimatenten; warnt vor krachledernen fixen Ideen. Ansonsten was? Sonst nichts. Nichts mehr.






