Es war eine denkwürdige Zeit, als Joseph II. im ausgehenden 18. Jahrhundert (1786, Anm. d. Red.) entschied, ein neues Ansiedlungspatent für Randbereiche des Habsburgischen Reiches zu erlassen. Zehntausende Menschen aus dem heutigen Südwestdeutschland waren bereit, ihr Glück mit dem „dritten Schwabenzug“ in der Pannonischen Tiefebene und ihren Ausläufern zu suchen. Sie versprachen sich dadurch, für sich und ihre Familien, bessere Lebensbedingungen zu erlangen. So kamen einige von ihnen auch nach Darowa…
So lautet der zweite Absatz der Einladung, die die HOG Darowa – Verein der nach Deutschland ausgewanderten Schwaben aus Darowa – an die Teilnehmer und Amtsträger gerichtet hat, um sie zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 240-jährigen Bestehen ihres Heimatortes einzuladen, die am Freitag und Samstag, dem 5. und 6. Juni, im gesamten Ort stattfanden, vor allem aber in der örtlichen Heilig-Kreuz-Kirche (erbaut 1870–1871), auf dem Friedhof und im Kulturhaus.
Die Feierlichkeiten begannen eigentlich bereits am Donnerstag mit der Ankunft der ehemaligen Einwohner der Gemeinde Darowa und ihrer Gäste aus Spaichingen, wo heute etwa 60 % der ehemaligen Darowaner leben. Die Gäste aus Spaichingen besuchten die Stadt Temeswar und nahmen an einer Führung durch die Innenstadt und der Domkirche zum Hl. Georg, die römisch-katholische Kathedrale von Temeswar, teil, die von Dr. Claudiu C˛lin, dem Diözesanarchivar, geleitet wurde.
Das Programm wurde am Freitag, dem 5. Juni mit der offiziellen Zeremonie im Rathaus der Gemeinde fortgesetzt, bei der die Partnerschaftsurkunde zwischen Spaichingen und Darowa unterzeichnet wurde – ein Projekt, das bereits im Jahr 2023 ins Leben gerufen worden war. Bürgermeister Viorel Cherciu stellte die aktuellen lokalen Entwicklungsprojekte vor und führte die Gäste durch die Gemeinde. Es folgte ein Besuch des historischen Kerns der Ortschaft Darowa, der Siedlung „Tschenke“, die in den Ebenen rund um Darowa liegt. Am Nachmittag trafen sich die Schach-, Tischtennis-, Fußball- und Genealogievereine im örtlichen Kulturhaus, und der Tag endete mit dem Aufstellen des Festbaums auf dem kleinen Platz vor dem Kulturhaus.
Am Samstag, dem 6. Juni folgte die Pontifikalmesse zu Ehren dieses Ereignisses, zelebriert von Seiner Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, konzelebriert von dem Ehrenprotopopen Ioan Grad, griechisch-katholischer Pfarrer von Darowa, und Ovidiu Virag, Kaplan der römisch-katholischen Pfarrei Lugosch, zu der die Filiale Darowa gehört. Die Eröffnungsrede zu Beginn der Hl. Messe hielt Kaplan Virag, der den Diözesanbischof, die Amtsträger und die Delegationen aus Deutschland begrüßte.
Anwesend waren seitens der offiziellen Vertreter Viorel-Aurel Cherciu, Bürgermeister der Gemeinde Darowa, Markus Hugger, Bürgermeister der Stadt Spaichingen (Partnerstadt der Gemeinde Darowa), Benjamin Neurohr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Deutschen, Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banater Bergland, Jürgen Harich, Präsident des Weltdachverbands der Donauschwaben, Johann Janzer, Mitglied des Bundesvorstands der Landsmannschaft Banater Schwaben, Dr. Svantje Volkman vom Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm und Walter Tonța vom Dokumentationszentrum der Landsmannschaft Banater Schwaben in Ulm. Seitens der Heimatortsgemeinschaft HOG Darowa waren zahlreiche Mitglieder anwesend, zusammen mit den Koordinatoren der Veranstaltung Richard Wagner und Franz Aulila. Der musikalische Teil der Heiligen Messe wurde von den Gläubigen gestaltet und umfasste kirchliche Melodien und Lieder aus dem Banat. An der Orgel begleitete Monica Bati, Kantorin der Pfarrei Lugosch.
In seiner Predigt, die er auf Deutsch und Rumänisch hielt, sprach der Diözesanbischof über das Gleichnis von der armen Witwe, die ihre letzten Münzen im Tempel spendete:
„Zu festlicher Stunde sind wir zusammengekommen in unserer Darowaer Kirche, um der 240 Jahre seit der Gründung dieser Gemeinde zu gedenken. Die Kirche ist der Kreuzerhöhung gewidmet und hat sicher in all diesen Jahren das Vertrauen vieler an das siegreiche Kreuz Christi gestärkt.
Aus ihrem Glauben mögen Ihre Ahnen Kraft geschöpft haben, als sie vor 240 Jahren, aus dem Nichts heraus, diese Gemeinde aufbauten. Und diesen Glauben, das Vertrauen auf die Liebe Gottes, auf Seinen Beistand, haben sie weitergegeben an ihre Kinder, an ihre Nachfahren.
Deshalb sind wir heute hier, mit dankbaren Herzen, vor Gott versammelt und gedenken in Dankbarkeit auch unserer Vorfahren, zugleich in der Hoffnung, dass auch wir unseren Glauben, unser Vertrauen auf den lieben Gott an unsere Nachfahren weiterschenken können.“
„Die Witwe besitzt fast nichts. Trotzdem hält sie nicht krampfhaft an ihrem Wenigen fest. Sie vertraut darauf, dass Gott für sie sorgen wird. Ihre zwei Münzen sind nicht nur eine Spende. Sie sind ein Ausdruck ihres Glaubens.
Vielleicht fühlen wir uns manchmal ähnlich wie diese Witwe. Wir vergleichen uns mit anderen und denken: Was kann ich schon geben? Meine Möglichkeiten sind begrenzt. Meine Kraft ist gering. Meine Talente erscheinen klein.
Doch das heutige Evangelium macht Mut. Für Gott zählt nicht, wie viel wir haben, sondern was wir mit dem tun, was uns anvertraut wurde. Viele mögen auch vieles getan haben... Gott aber schaut nicht, wieviel man tun konnte, sondern er schaut auf das Herz. Und das Herz sieht nur der liebe Gott.
Vielleicht können wir nicht viel Geld geben. Aber wir können Zeit schenken. Ein offenes Ohr. Ein freundliches Wort. Ein Gebet. Einen Besuch bei einem einsamen Menschen. Einen Dienst in der Gemeinde. Das schafft Gemeinschaft.“
Nach der Heiligen Messe folgten Gebete an den vor der Kirche aufgestellten Kreuzen, das aus Spaichingen für die Gemeinde Darowa mitgebrachte Feuerwehrfahrzeug wurde gesegnet, und anschließend fand die Prozession zum römisch-katholischen Friedhof statt. Dort wurden Gebete gesprochen und Lieder für die Seelen der Verstorbenen gesungen, wobei auch die renovierte Kapelle gesegnet wurde. An der Kapelle wurde ein Kranz von den ehemaligen Gemeindemitgliedern sowie von den Partnern aus der Stadtverwaltung von Spaichingen niedergelegt. Die anwesenden Gläubigen konnten die Gräber ihrer Vorfahren besuchen. Die Blasmusikkapellen Original Banater Echo und Banater Beat spielten ebenfalls passende Lieder, die die Herzen der Anwesenden berührten und Tränen in die Augen trieben.
Nach dem Mittagessen, das die Gemeindeverwaltung Darowa den 350 Teilnehmern im Kulturhaus anbot, und nach den Ansprachen der offiziellen Vertreter – seitens der Stadtverwaltung Darowa, der Stadtverwaltung Spaichingen, der HOG Darowa und des Kreisrats Temesch – folgte der Unterhaltungsteil. Auf dem Platz vor dem Kulturhaus wurden deutsche Tänze von der Tanz- und Trachtengruppe der HOG Darowa, dem Edelweiss-Ensemble aus Detta, der Gruppe aus Spaichingen und dem rumänischen Folkloreensemble aus Darowa vorgeführt. Die Bands Original Banater Echo, Banater Beat und rumänische Musikgruppen begleiteten das Fest bis zum Einbruch der Dunkelheit.






