„Den Menschen das wahre Gesicht des Kommunismus zeigen“

Das Nationale Museum der Geschichte zeigt in einer neuen Ausstellung Dokumente der Securitate

Die Bleilettern des Titelblatts der oppositionellen Zeitung „România“ liegen auf der Druckmaschine bereit.

Die neue Ausstellung präsentiere „bisher unbekannte Geschichte ganz ungefiltert“, sagt Museumsdirektor Ilie. Fotos: Göran Ladewig

Bukarest – Sie waren das grundlegende Handwerkszeug der Securitate-Spione: Mikrofone kaum größer als ein Radiergummi, Bandmaschinen verschiedenster Ausmaße, eine Analogkamera. Diese Späh- und Lauschinstrumente stehen in der neuen Sonderausstellung im Eingangsbereich des Nationalen Museums der Geschichte von Rumänien. Was damit aufgenommen wurde, wird ebenfalls präsentiert: Audio- und Videoaufnahmen, Akten und Fotos der Menschen, die zu Opfern des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes wurden. Auf einem Bild ist ein Mann zu sehen, der sich anscheinend unbeobachtet fühlt, als er in ein Auto steigt. Ein anderer Mann ist sich hingegen seiner Zuschauer sehr bewusst, als er sich vor den Securitate-Mitarbeitern komplett ausziehen muss.

Historikerin Cristina Paiusan hat an der Ausstellung mitgewirkt. Ihr Lieblingsstück ist eine selbst gebaute Druckmaschine. Damit vervielfältigte eine Gruppe um den Journalisten Petre Mihai Băcanu ihre oppositionelle Zeitung „România“. Sie sind aufgeflogen und fast alle Beteiligten wurden verhaftet. 37 Jahre später, wenige Tage vor Eröffnung der Ausstellung, kam B²canu ins Museum und baute die Maschine eigenhändig zusammen. Wie Museumsmitarbeiterin Paiusan berichtet, habe er dabei von früher erzählt, zum Beispiel den harten Monaten im Gefängnis.

Ein wirklicher Held sei Băcanu gewesen, weil er einem resignierten Volk etwas Hoffnung gebracht habe. Paisun hofft, dass solche Geschichten auf die Besucher Eindruck machen: „Für die Securitate und das kommunistische Regime war freies Denken eine Bedrohung. Und darauf haben sie mit Wut reagiert und sie hatten ein Gott-Syndrom. Wir sind die Götter, wir entscheiden über dein Leben, das deiner Familie. Du gehörst uns. Ich hoffe, dass junge Menschen kommen und sehen: Das war die wahre Geschichte des kommunistischen Regimes.“

Das Herzstück der Ausstellung bilden die Schicksale von vier Opfern und Tätern der Securitate, die anhand verschiedener Zeitzeugnisse nachvollziehbar werden. So zum Beispiel der Videomitschnitt einer Zelle, in der eine Frau bitterlich weinend sitzt. Sie wurde auf offener Straße verhaftet, weil sie angeblich Kontakt zu US-Diplomaten gehabt habe. In der Mitte der Ausstellung ist ein Raum wie eine damalige Gefängniszelle eingerichtet, nur mit Bett und Esstischchen. Im Hintergrund sind geheimnisvoll klingende Originalaufnahmen der Stimmen von Häftlingen zu hören. Sie sprechen über die ungewöhnlichen Geräusche, die im Dezember 1989 auf den Straßen Bukarests zu hören sind.

Die Audio- und Videomitschnitte und Akten haben Mitarbeiter des Nationalen Rats zur Erforschung der Archive der Securitate (CNSAS) erst kürzlich entdeckt. Sie haben die Ausstellung inhaltlich gestaltet. Das Ergebnis ergänzt das Repertoire des Museums gut, findet Interimsdirektor Cornel Constantin Ilie – deckt doch die Dauerausstellung die kommunistische Zeit bisher nicht ab. „Das Gefühl der Rumänen nimmt zu, dass der Kommunismus ein guter Abschnitt unserer Geschichte gewesen sei. Mit der Zeit vernebelt sich die Wahrnehmung der Menschen, was frühere Zeiten angeht. Wir haben die Verantwortung, ihnen zu zeigen, dass die Dinge nicht so waren.“ Insbesondere in Schulen werde das Thema zu wenig und oft nicht korrekt vermittelt.

Die Ausstellung ist bis zum 20. September zu den Öffnungszeiten des Museums von Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr zu sehen. Bild- und Audiomaterial der Opfer ist auf der eigens eingerichteten Webseite arestulsecuritatii.ro zugängig. Im Gegensatz zur Ausstellung ist sie ausschließlich auf Rumänisch verfügbar.