DSTT beteiligt sich an grenzüberschreitendem Kindertheaterprojekt

Temeswar – Ein altes europäisches Volksmärchen wird zum Ausgangspunkt einer neuen theatralen Expedition für die Jüngsten: Das Deutsche Staatstheater Temeswar(DSTT) beteiligt sich gemeinsam mit der Deutschen Abteilung des Radu-Stanca-Nationaltheaters aus Hermannstadt/Sibiu und der Deutschen Bühne Ungarn aus Szekszárd an einem internationalen Projekt zur Entwicklung eines Kindertheaterstücks. Im Mittelpunkt steht das Märchen „Der überlistete Wolf“, das von drei Künstlerteams jeweils neu für die Bühne bearbeitet werden soll.

Geplant sind drei sogenannte Taschentheaterproduktionen: kleine, bewegliche, raumunabhängige Theaterformen, die ab Herbst 2026 in Kindergärten und Grundschulen gezeigt werden sollen. Gerade diese Mobilität macht den Reiz des Vorhabens aus. Das Theater kommt nicht erst dann zu den Kindern, wenn sie den Weg in den Theatersaal finden, sondern es sucht sie dort auf, wo ihr Alltag stattfindet: im Gruppenraum, im Klassenzimmer, in vertrauter Umgebung. Die Produktionen sollen für sehr junge Zuschauerinnen und Zuschauer konzipiert sein, unmittelbare Begegnung ermöglichen und auf spielerische Weise Zugänge zur deutschen Sprache eröffnen, so die Pressemitteilung des Deutschen Staatstheaters Temeswar.

Das DSTT ist durch die Schauspielerinnen Aida Olaru und Enikö Blénessy sowie durch den Regisseur Clemens Bechtel vertreten, der zugleich die künstlerische Gesamtleitung des Projekts innehat. Bechtel, der künstlerische Leiter des DSTT, ist dem Temeswarer Haus seit Jahren verbunden; am DSTT inszenierte er unter anderem „Jugend ohne Gott“ und „Sidy Thal“, eine Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Staatstheater Bukarest. Er arbeitet seit 1995 als Regisseur und ist besonders für forschungsbasierte Theaterarbeiten bekannt.

Das Projekt folgt einer Spielzeit, in der das Deutsche Staatstheater Temeswar Bildung, künstlerischen Austausch und die Arbeit mit jungem Publikum deutlich akzentuiert. Die Saison 2025/2026 verband laut DSTT Bildungsprojekte, Festivals, Premieren und besondere Veranstaltungsformate; ausdrücklich wird sie als Dialog zwischen Künsten, Generationen und Gemeinschaften verstanden. Auch das Internationale Deutschsprachige Schul- und Jugendtheaterfestival, das im April 2026 bereits zum 24. Mal stattfand, gehört zu dieser pädagogisch-kulturellen Linie des Hauses.

Bemerkenswert ist zu-dem die Zusammensetzung der Partner. Das Nationaltheater „Radu Stanca“ in Hermannstadt zählt zu den traditionsreichen Theaterinstitutionen Rumäniens; seine Geschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die Deutsche Bühne Ungarn wiederum ist das einzige professionelle deutschsprachige Schauspielhaus Ungarns und richtet sich sowohl an die deutsche Minderheit als auch an Deutschlernende und ein kulturinteressiertes Publikum.

So erhält das Vorhaben eine Bedeutung, die über drei neue Kinderproduktionen hinausreicht. Es geht auch um die Wiederbelebung eines Netzwerks deutschsprachiger Theaterinstitutionen in der Region, um künftige Koproduktionen, künstlerischen Austausch und gemeinsame Programme für ein junges Publikum. Finanziert wird das Projekt vom ungarischen Kultur- und Innovationsministerium. Aus einer überlieferten Geschichte entsteht damit ein zeitgenössisches Kulturprojekt: klein in der Form, beweglich in der Durchführung, aber weitreichend in seinem Anspruch.