Großraum Temeswar nimmt Gestalt an

Neuer Entwicklungsverband startet mit Dumbrăvița und Ghiroda

Temeswar – Der Temeswarer Stadtrat hat am Dienstag die Gründung des Interkommunalen Entwicklungsverbands für den Großraum Temeswar gebilligt. Die neue Struktur soll es der Stadt und den Umlandgemeinden ermöglichen, gemeinsame Projekte umzusetzen und europäische Fördermittel abzurufen. In einer ersten Phase gehören neben Temeswar die Gemeinden Dumbrăvița und Ghiroda dem Verband an. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst. Das Projekt war erst auf die zusätzliche Tagesordnung gesetzt worden. Der neue Verband soll die Rolle des bisherigen Wachstumspols Temeswar übernehmen, der seit Jahren besteht, seine Ziele nach Einschätzung der Stadtverwaltung aber nur unzureichend erfüllt hat.

Vizebürgermeister Ruben Lațcău (USR) sprach von einer bislang dysfunktionalen Struktur. Der Wachstumspol sei zu groß und passe nicht mehr zu den urbanen Problemen Temeswars. Teilweise seien Ortschaften eingebunden gewesen, die rund 30 Kilometer von der Stadt entfernt lägen und andere Bedürfnisse hätten als die unmittelbar angrenzenden Gemeinden. Zudem habe sich der Kreisrat Temesch bereits vor einiger Zeit aus der Struktur zurückgezogen.

Für Projekte mit EU-Mitteln sei eine solche interkommunale Struktur jedoch notwendig, sagte Lațcău. Temeswar habe in den vergangenen zwei Jahren Finanzierungsverträge über rund eine halbe Milliarde Euro aus verschiedenen Quellen unterzeichnet. Viele dieser Finanzierungen hingen von einem funktionsfähigen Verband für den Großraum ab. Nach Angaben des Vizebürgermeisters wurden Gespräche mit mehreren Bürgermeistern aus dem Umland geführt. Fast alle hätten Interesse an einem Beitritt signalisiert. Wegen unterschiedlicher Prioritäten solle die Erweiterung jedoch schrittweise erfolgen. In den kommenden sechs Monaten könnten weitere Gemeinden hinzukommen, darunter Girok/Giroc, Sackelhausen/Săcălaz, Sanktandres/Sânandrei, Jahrmarkt/Giarmata und Remetea Mare.

Der neue Verband wird von einer Generalversammlung, einem Verwaltungsrat und einer Kontrollkommission geleitet. Ziel ist laut Satzung eine abgestimmte und nachhaltige Entwicklung des Großraums Temeswar. Dazu gehören gemeinsame Projekte, öffentliche Dienstleistungen, eine bessere lokale Verwaltung, eine höhere Lebensqualität und eine stärkere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Zu den Aufgaben des Verbands zählen die Ausarbeitung von Entwicklungsstrategien, technisch-wirtschaftlichen Unterlagen und Projekten von überörtlichem Interesse. Auch gemeinsame Dienstleistungen sind möglich, etwa in den Bereichen Steuern und Abgaben, Personenstand, Stadtplanung oder Kontrolle.

Das Anfangsvermögen des Verbands beträgt 1000 Lei und wird von der Stadt Temeswar eingebracht. Später sollen die Mitglieder jährlich zehn Lei pro Einwohner zahlen. Grundlage sind die Bevölkerungszahlen des Nationalen Statistikamts zum 1. Januar 2026. Temeswar wird dabei mit 292.819 Einwohnern geführt, Dumbrăvița mit 23.629 und Ghiroda mit 10.144 Einwohnern. Nach diesen Zahlen sollen auch die Stimmen in der Generalversammlung verteilt werden. Langfristig könnten weitere Gemeinden aus dem ersten und zweiten Ring um Temeswar beitreten. Zur ersten Zone zählen unter anderem Neubeschenowa/Dudeștii Noi, Dumbrăvița, Ghiroda, Girok, Neumoschnitza/Moșnița Nouă, Sackelhausen, Schag/Șag, Sanktandres und Rumänisch-Sanktmichael/Sânmihaiu Român. Die zweite Zone umfasst weitere Gemeinden wie Remetea Mare, Jahrmarkt, Orzydorf/Orțișoara, Neupetsch/Peciu Nou, Paratzhausen/Parța oder Warjasch/Variaș. Der bisherige Wachstumspol Temeswar sollte ursprünglich das Instrument sein, über das Stadt, Umlandgemeinden und Kreisrat gemeinsame Vorhaben planen und umsetzen. Weil die Struktur als schwerfällig galt und Finanzierungen nicht gefährdet werden sollten, hatte die Stadt zuletzt zentrale Unterlagen selbst übernommen und dabei auch Projekte benachbarter Gemeinden sowie des Kreisrats Temesch integriert.