Hermannstadt – Cătălin Neghină sprach den Namen der Salle Pleyel in Paris richtig aus, mit hellem Vokal und Schwerpunkt auf der zweiten Silbe: der 61 Jahre alte Senior im Schauspielteam vom Radu-Stanca-Theater machte seine Sache während des musikalisch-literarischen Salons am Spätnachmittag des 10. Juni im Spiegelsaal anlässlich des Internationalen Carl-Filtsch-Wettbewerbs für Klavier und Komposition vorzüglich. Dazu gehörte auch die Angleichung des Vornamens von Haydn an das Englische und London, wo sich schon Georg Friedrich Händel überaus wohl gefühlt und häuslich niedergelassen hatte. Cătălin Neghină aber, seines Zeichens seit 20 Jahren auch Mitglied des Rumänischen Schrifstellerverbands, ließ beim Vorlesen eines Ausschnitts der Zeitschrift „The Atlas“ vom 8. Juli 1843 trotzdem nicht davon ab, den britisch notierten Rufnamen von Wunderkind Filtsch aus Mühlbach/Sebeș französisch klingend zu artikulieren. In der Metropole an der Themse wusste man nur zu genau, dass Carl „little“ Filtsch als der erklärte Lieblingsschüler von Frederic Chopin aus Paris angereist war. Und nicht bloß pianistisch machte er binnen weniger Wochen von sich reden, sondern auch als Träger kognitiver Begabung, wie sie zwei Jahrhunderte später einst Dmitri Schostakowitsch nachgesagt werden sollte. Dass Russisches am Vortragsabend in Hermannstadt/Sibiu außen vor blieb, konnte nicht auffallen. Als Gegenstück zum rauschenden Impromptu Nr. 2 von Carl Filtsch (1830-1845) spielte Kozma István Levente zwar das ruhevolle Präludium mit Fuge in C-Dur aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, doch Ivan Shemchuk als Zuständiger der meisten Programmpunkte ein Repertoire, das eine gelegentlich nicht zu überhörende Grenze des August-Förster-Flügels aufzeigte. Eigens für Musik im Spiegelsaal angekauft worden war er noch vor Ausbruch der Covid-Pandemie. Im Leisen vermochte Interpret Ivan Shemchuk in Weltklasse-Manier darauf zu zaubern, nur leider ging dem Instrument bei harter Anforderung in seinen oberen Lagen der Glanz merklich verloren. Es schepperte nicht, verblasste über weite Strecken aber in undifferenziertem Forte. Ein Glück, dass zum Ende hin auch das „Venetianische Gondellied” vom in England ebenfalls gern empfangenen, aufgeführten und gehörten Felix Mendelssohn-Bartholdy sich in den Ablauf des musikalisch-literarischen Salons eingeschlichen hatte. Das Rezitieren dreier Strophen von Dichterin und US-Amerikanerin Emily Dickinson, die gleich wie Carl Filtsch 1830 geboren war und ihn um vier Jahrzehnte überlebte, steuerte in der Originalsprache Programmgestalterin Dagmar Dusil persönlich bei. Den Namensgeber des Wettbewerbs in Hermannstadt und sein Schaffen auf selbe Art und Weise beworben hat sie bereits auch im oberösterreichischen Wels, in Bamberg, in Düsseldorf und in Wien. Mühlbach/Sebeș und Hermannstadt ist bei alldem das Eigene nicht abzusprechen.








