Temeswar – Mit dem Projekt „Aletheia Aisthesis: Sensorische Kultur“ entsteht in Temeswar/Timișoara ein innovatives Kultur- und Bildungsangebot, das Geschichte durch Berührung, Vorstellungskraft und direkte Interaktion erfahrbar macht. Das Projekt verbindet moderne Technologien wie 3D-Druck mit Theater, bildender Kunst und inklusiven Vermittlungsmethoden. Ziel des Projekts ist es, kulturelles Erbe nicht nur sichtbar, sondern vor allem fühlbar und erlebbar zu machen. Besonders angesprochen werden Kinder, Jugendliche sowie Menschen mit Sehbehinderungen oder Blindheit.
Die ersten Workshops fanden an der Sonderschule „Iris“ für Sehbehinderte statt. Dort konnten die Schüler historische Artefakte in Form von 3D-gedruckten Repliken erkunden. Unter der Leitung der Regisseurin Ana-Maria Ursu wurden Geschichte und Theater miteinander verbunden. Die Teilnehmenden ertasteten Objekte aus verschiedenen historischen Epochen – von der Cucuteni-Kultur über die Antike bis hin zur byzantinischen, osmanischen und habsburgischen Zeit. Durch Rollenspiele, Bewegungsübungen und kreative Erzählungen entstanden neue Zugänge zur Vergangenheit.
Ein weiterer Workshop wurde von der bildenden Künstlerin Regina Damian geleitet. Dabei modellierten die Teilnehmenden historische Formen aus Ton und nutzten ihre taktile Erinnerung sowie ihre Fantasie, um die Objekte nachzugestalten. Ein Teil der Aktivitäten wurde mit verbundenen Augen durchgeführt. So konnten sehende und blinde Schüler dieselbe sensorische Erfahrung teilen und Objekte ausschließlich durch Berührung wahrnehmen.
Die Organisatoren sehen das Projekt als wichtigen Schritt zur barrierefreien Vermittlung von Kultur und Geschichte. Die Erfahrungen der Teilnehmer werden dokumentiert und fließen in einen Film sowie in zukünftige Bildungsangebote ein.
In den kommenden Monaten sind weitere Workshops, künstlerische Interventionen und Forschungsaktivitäten geplant. Langfristig soll ein barrierefreier Kulturpfad entstehen, der Geschichte, Technologie, sensorisches Theater und zeitgenössische Kunst miteinander verbindet. Das Projekt wird vom Verein „Teatru pentru tine“ entwickelt und vom Projektezentrum der Stadt Temeswar im Rahmen des Programms „Cultura în Prezent“ (Deutsch: „Kultur in der Gegenwart“) sowie von der Nationalen Kulturfondsverwaltung AFCN kofinanziert.





