Vertreterin der deutschen Gemeinschaften in Argentinien zu Gast in Hermannstadt

Von deutscher Gemeinschaft in Argentinien zu deutscher Gemeinschaft in Rumänien: Die Gespräche in Hermannstadt drehten sich vor allem um Archivarbeit, Jugendarbeit und den Erhalt der deutschen Sprache in den jeweiligen Gemeinschaften. V.l.n.r.: Cristina Arheit-Zapp, Dr. Paul-Jürgen Porr und Benjamin Józsa Foto: Laura Micu

Hermannstadt – Am Freitag, dem 12. Juni, besuchte Cristina Arheit-Zapp, Vorstandsmitglied des Dachverbands der deutsch-argentinischen Vereine (Föderation der Deutsch-Argentinischen Vereinigungen/Federación de Asociaciones Argentino-Germanas), kurz F.A.A.G., und Vorsitzende des Internationalen Beirats deutschsprachiger Gemeinschaften (IBDG) das Forum in Hermannstadt/Sibiu. Gespräche führte sie während ihres Aufenthalts mit Benjamin Józsa, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) und Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) sowie mit Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des DFDR.

Der Internationale Beirat deutschsprachiger Gemeinschaften ist eine Gründung der „Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland“ unter der Leitung von Hartmut Koschyk, die ihre Sitze in Bayreuth und Berlin hat. Die Stiftung ist eine Mittlerorganisation des Bundesministeriums des Innern. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Anliegen deutscher Minderheiten und deutschsprachiger Gemeinschaften aus mehr als 30 Ländern gegenüber Politik und Öffentlichkeit in Deutschland zu vermitteln. In diesem Rahmen hätten auch die ersten bilateralen Gespräche mit Cristina Arheit-Zapp stattgefunden, so Benjamin Józsa. Der neu gegründete internationale Beirat fungiert als Plattform für deutschsprachige Gemeinschaften außerhalb Europas und für die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. So vereint er derzeit die deutschen Gemeinschaften aus den Ländern Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay, Peru, Venezuela, Kolumbien, Uruguay, Südafrika, Namibia, Israel und den USA. Die Gründungssitzung fand im Februar 2026 statt.

Die deutschen Minderheiten Mittel- und Osteuropas und der GUS-Staaten sind bereits seit 1991 in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) unter dem Dach der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) zusammengefasst. Diese Strukturen sind älter und erprobter: Ein Anlass, um Erfahrungen auszutauschen, dachten sich Cristina Arheit-Zapp und Benjamin Józsa. Es war das erste bilaterale Treffen zwischen AGDM und IBDG – auch mit dem Ziel, den jahrhundertealten politischen Erfahrungsschatz und die politischen Strukturen der deutschen Minderheit in Rumänien mit anderen zu teilen. Aber auch um die Themen Archiv- und Jugendarbeit sei es beim Austausch gegangen. Gemeinsame Besuche in der Bruken-thalschule und im Archiv des Teutsch-Hauses standen auf dem Programm.

Als Forumsvertreter, aber auch als Vertreter der AGDM wolle er die eigenen Erfahrungen und die Funktionsweise von Institutionen der deutschen Minderheit in Rumänien gerne mit anderen teilen, so Józsa. Innerhalb der AGDM sei es ihm wichtig, dass sich die Zusammenarbeit von einer „strahlenförmigen Tendenz hin zu einer netzförmigen Tendenz“ entwickle. Nicht nur die Vernetzung mit Berlin, sondern vor allem die Vernetzung untereinander solle weiter ausgebaut werden. Die Probleme in den deutsch-argentinischen Gemeinschaften seien ähnlich gelagert wie die der deutschen Minderheit in Rumänien, wie Cristina Arheit-Zapp und Benjamin Józsa feststellen: Der Erhalt der deutschen Sprache, Projektfinanzierungen, Mitgliederakquise für Vereinsarbeit, um auch künftig den Erhalt der Gemeinschaften zu sichern, und nicht zuletzt die Vernetzung mit der Politik, seien Themen, die derzeit im Mittelpunkt stünden.

Die Vermittlung von und die Erinnerung an Geschichte seien zentrale Aspekte, meint Cristina Arheit-Zapp. Oft sei die komplexe Geschichte der Gemeinschaften in Argentinien sowohl vor Ort als auch im Ausland unbekannt. Auch deswegen wurde vor elf Jahren das „Dokumentationszentrum zur deutschsprachigen Einwanderung in Argentinien“ (Centro DIHA) gegründet.

In Argentinien leben heute rund 3 Millionen Menschen mit deutschen Wurzeln. Die Geschichte der deutsch-argentinischen Gemeinschaften geht zurück auf mehrere Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert und reicht bis in die 1940er Jahre.

Darunter Wolgadeutsche, Sudetendeutsche, Do-nauschwaben. Die letzte Einwandererwelle umfasste etwa 40.000 Menschen, davon ein großer Anteil an jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland. In Argentinien lebt heute eine der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb von Israel. Auch ein kleinerer Anteil von Angehörigen des nationalsozialistischen Regimes wanderte zeitgleich ein. Der Großteil der argentinisch-deutschen Gemeinschaft vor Ort geht aber auf die früheren Auswanderungswellen zurück. Die deutschen Gemeinschaften leben heute mehrheitlich in den Provinzen Buenos Aires, Entre Ríos, Córdoba, Chaco und Misiones.