Von Anfang September bis Ende Oktober konnten Menschen rund um den Globus zum fünften Mal darüber abstimmen, wer „Auslandsdeutsche des Jahres“ werden soll. Vier deutschstämmige Frauen aus Kirgisistan, Schlesien/Polen, Ungarn und Argentinien standen im Finale dieses Wettbewerbs, der mittlerweile der bedeutendste für deutsche bzw. deutschstämmige Frauen weltweit ist. Ausschlaggebend bei der Wahl, die von der Internationalen Medienhilfe (IMH) organisiert wurde, war erneut vor allem das Engagement der Teilnehmerinnen für die eigene Kultur.
Nun ist die Auszählung abgeschlossen und das Ergebnis steht fest: Siegerin ist Erika Rierpl aus Sankt Martin (Sziget-szentmárton) in der Nähe der ungarischen Hauptstadt Budapest. Sie erhielt 42 Prozent der über 10.300 abgegebenen Stimmen aus 56 Ländern.
Die engagierte ungarndeutsche Gewinnerin ist Chemikerin sowie Umweltschutz-Juristin. Erika Rierpls Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits sind deutschstämmig. Sie wurden von Kaiserin Maria Theresia vor rund 300 Jahren aus dem Südwesten des deutschen Sprachraums über die Donau nach Ungarn geholt, um dort weitgehend menschenleere und verwilderte Gebiete zu besiedeln. Seit ihrer Jugend setzt sich Erika für ihre donauschwäbische bzw. ungarndeutsche Gemeinschaft ein, die in kommunistischen Zeiten unter Deportationen und Unterdrückung zu leiden hatte. Erikas Einsatz ist außergewöhnlich vielseitig. Sie leitet nicht nur mehrere Volkstanzgruppen, sondern auch die Verwaltungsbüros der ungarndeutschen Minderheit für ihren Heimatort und die ganze Region Nordungarn. In diesen Funktionen kümmert sie sich um Chöre, Kapellen oder Frauengruppen, Jugendtreffen, Musikwettbewerbe, neue Denkmäler oder Vorträge zur Geschichte der Donauschwaben. Die Arbeit mit und für Frauen in der ungarndeutschen Gemeinschaft liegt Erika besonders am Herzen. Zur deutschen Minderheit gehören heute etwa 200.000 Menschen, die über eine beeindruckende Infrastruktur mit deutschsprachigen Kindergärten, Schulen, Studiengängen sowie rund 100 Zeitschriften und Zeitungen auf Deutsch verfügen. In Ungarn geht es Minderheiten so gut wie in nur wenigen Ländern Europas. Seit einigen Jahren dürfen die Ungarndeutschen einen eigenen Abgeordneten ins Budapester Parlament entsenden. Obendrein wurde von der Regierung sogar ein spezieller Gedenktag für die Vertreibung vieler Donauschwaben nach 1945 eingerichtet – der erste und bislang einzige Tag zum Gedenken an die gewaltsame Vertreibung der Deutschen in einem osteuropäischen Staat.
Erika Rierpl zu ihrem Titelgewinn: „Ich danke allen weltweit, die für mich gestimmt haben – besonders den Donauschwaben in Ungarn und anderen Ländern. Es ist sehr wichtig, dass die Auslandsdeutschen und ihre außerordentlichen Leistungen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind einzigartige Brückenbauer und Kulturbotschafter. Hoffentlich gelingt dies durch diesen internationalen Wettbewerb der IMH. Toll wäre es, wenn nach dem Wettbewerb mehr Menschen auf die Idee kämen, die zweisprachigen ungarndeutschen Dörfer hier bei uns zu besuchen. Unsere Feste und Heimatmuseen sind eine Reise wert.
Björn Akstinat, Leiter des Netzwerks der deutschsprachigen Auslandsmedien (IMH-Internationale Medienhilfe) und Ideengeber des Wettbewerbs: „Dass nach 2017 nun wieder eine Ungarndeutsche bzw. Donauschwäbin den Titel gewinnt, zeigt den starken Zusammenhalt der deutschen Minderheit in Ungarn und der donauschwäbischen Gemeinschaften weltweit. (IMH)





