Barometer der Lebensqualität in Temeswar 2025

Wachsender Optimismus betreffs Stadtentwicklung

Gesundheit war das Sonderthema des Jahres 2025. Die detaillierten Ergebnisse dieses Abschnitts werden Ende Februar vorgestellt.

Zehn Jahre Messung des städtischen Lebens: Die Daten des aktuellen Barometers der Lebensqualität in Temeswar wurden vor Kurzem offiziell bekannt gegeben. Im Bild: Professor Marius Lupșa-Matichescu (links), Koordinator der Studie, Vizebürgermeisterin Paula Romocean (Mitte) sowie weitere Mitglieder des Forscherteams. | Foto: Bürgermeisteramt Temeswar

Temeswar/Timișoara bleibt eine Stadt des Optimismus, der Chancen und einer Lebensqualität, die von der Mehrheit ihrer Einwohner positiv wahrgenommen wird. Hinter den positiven Zahlen bringt das Barometer der Lebensqualität 2025 jedoch Spannungen, Ungleichheiten und soziale Kosten der rasanten Entwicklung zum Vorschein. Die von der West-Universität Temeswar in Zusammenarbeit mit der Temeswarer Stadtverwaltung durchgeführte Studie bietet einen detaillierten Überblick darüber, wie die Einwohner von Temeswar leben, ihre Stadt wahrnehmen und bewerten. Das Barometer analysiert kontinuierlich mehrere Schlüsselbereiche: Infrastruktur, öffentliche Dienstleistungen, Umwelt, Wahrnehmung der Stadt, aber auch die persönliche Lebensqualität – von Bildung und Gesundheit bis hin zu Arbeit, Einkommen und familiären Beziehungen.

Das Barometer der Lebensqualität, das nun bereits zum zehnten Mal durchgeführt wurde, ist eines der langlebigsten und konsistentesten lokalen soziologischen Instrumente in Rumänien. Die jüngste Untersuchung wurde zwischen Juni und November 2025 durchgeführt und umfasste alle 36 Stadtteile. „Es handelt sich um ein Projekt, das vor zehn Jahren mit großer Begeisterung ins Leben gerufen wurde und es uns ermöglicht, jährlich zu bewerten, wie sich die Lebensqualität der Einwohner von Temeswar entwickelt”, erklärt Prof. Dr. Marius Lupșa-Matichescu, Dekan der Fakultät für Soziologie und Sozialarbeit an der West-Universität und Koordinator der Studie.

Die Daten zeigen, dass 74,2 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass die Stadt sich in eine gute Richtung entwickelt, während etwa 20 Prozent das Gegenteil glauben. Der Trend ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, ohne spektakuläre Sprünge, aber mit stabilem Fortschritt.

Der Optimismus ist bei jungen Menschen, Frauen und Personen mit höherem Bildungsniveau und Einkommen größer, während ältere Menschen oder Personen mit geringeren finanziellen Mitteln zurückhaltender sind. „Temeswar ist eine Stadt der Hoffnungen. Sie zieht junge Leute, Unternehmen und Menschen an, die hierher kommen, um sich eine Zukunft aufzubauen. Aber diese rasante Entwicklung hat auch ihren Preis”, betont der Koordinator der Studie.

Sichtbare Fortschritte, aber Verkehr problematisch

Einer der deutlichsten Fortschritte ist bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu beobachten. Während 2021 nur etwa 30 Prozent der Einwohner diese nutzten, lag der Anteil 2025 aufgrund von Investitionen in die Infrastruktur und Verbesserungen der Dienstleistungen bei über 50 Prozent. Gleichzeitig bleibt der Straßenverkehr einer der Hauptkritikpunkte, insbesondere in den zentralen Bereichen, wo die Konzentration von Schulen, Arbeitsplätzen und Dienstleistungen zu ständigen Staus führt.

Ein weiterer Bereich mit positiver Entwicklung ist die Sauberkeit der Stadt. Während sich 2021 weniger als 30 Prozent der Einwohner von Temeswar zufrieden zeigten, liegt die Zufriedenheit nach der Umstrukturierung der Dienstleistungen und der Gründung eines neuen kommunalen Unternehmens derzeit bei 66 Prozent. Auch in Bezug auf die Infrastruktur, die öffentliche Beleuchtung und die städtischen Räume sind die Wahrnehmungen positiv, obwohl die Unterschiede zwischen den Stadtteilen nach wie vor erheblich sind.

Vertrauen in Institutionen: eine Premiere im Barometer

Zum ersten Mal hat die Ausgabe 2025 auch das Vertrauen in Institutionen gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass private Unternehmen an erster Stelle stehen, gefolgt von der Armee und der Stadtverwaltung von Temeswar. Am anderen Ende der Skala befinden sich die politischen Parteien mit dem geringsten Vertrauensniveau. „Institutionen sind ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität. Es war an der Zeit, sie in die Analyse einzubeziehen”, erklärt Marius Lupșa-Matichescu.

Die Jubiläumsausgabe enthielt auch einen Sonderteil zum Thema Gesundheit, vor dem Hintergrund der zunehmenden Besorgnis der Bevölkerung. Die Studie analysierte das Gesundheitsverhalten, die Art und Weise, wie die Temeswarer medizinische Dienstleistungen wählen, ihre Beziehung zum öffentlichen und privaten Gesundheitssystem sowie die Nutzung von Schulärzten.

Die detaillierten Ergebnisse dieses Abschnitts werden Ende Februar vorgestellt, aber vorläufige Daten deuten darauf hin, dass Gesundheit zu einem der sensibelsten Bereiche der Lebensqualität wird, insbesondere in einer Stadt, die sich in einem leichten demografischen Alterungsprozess befindet.

Vizebürgermeisterin Paula Romocean betonte bei der Vorstellung der Daten Ende Januar, dass das Barometer nicht nur eine Momentaufnahme der Gegenwart sei, sondern ein wesentliches Instrument für fundierte Verwaltungsentscheidungen. „Die Daten zeigen uns, wie die Temeswarer die Investitionen und die Richtung, in die sich die Stadt entwickelt, wahrnehmen. Es ist ein Instrument für einen echten Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern“, so Vizebürgermeisterin Romocean.

Durch die Kartierung der Zufriedenheit auf Stadtteilebene kann die Stadtverwaltung genau die Bereiche identifizieren, in denen Maßnahmen erforderlich sind – sei es in Bezug auf Verkehr, Sicherheit, Sportanlagen oder Sozialräume.

Wirtschaftliche Entwicklung, persönliche Kosten

Das Barometer zeigt auch ein Paradoxon auf: Mit steigender Zufriedenheit in Bezug auf Arbeitsplätze, Einkommen und berufliche Chancen sinkt die Zufriedenheit mit der Gesundheit und den familiären Beziehungen. „Das ist der Preis für die rasante Entwicklung. Wir gewinnen beruflich und finanziell, zahlen dafür aber manchmal mit Stress, Müdigkeit und weniger Zeit für unser Privatleben“, erklärt der Soziologe.

Mit über 2500 Befragten und einer Fehlerquote von ±2 Prozent liefert das Barometer zur Lebensqualität 2025 ein solides und repräsentatives Bild der Stadt. „Städte bestehen nicht nur aus Gebäuden und Infrastruktur, sondern auch aus Vertrauen, Wahrnehmungen und Wohlbefinden“, schlussfolgern die Koordinatoren der Studie. Die Stadt Temeswar scheint sich  somit in eine gute Richtung zu entwickeln, aber das Barometer zeigt deutlich, dass echter Fortschritt konsequent, ausgewogen und langfristig erzielt wird.

Die vollständigen Daten sind öffentlich und können online auf der Webseite des Temeswarer Bürgermeisteramts www.primariatm.ro eingesehen werden. Die Untersuchung wird jährlich fortgesetzt. Die nächste Umfrage dazu beginnt im Mai dieses Jahres.