Die „Gispy Queen“ bringt ihren eigenen Film in die rumänischen Kinos

Bei einer Gala-Premiere in Bukarest stand die Roma-Kultur im Vordergrund

Kurz bevor die Veranstaltung beginnt, ist das Nationaltheater rappelvoll.

Die Hauptdarstellerin Alina Șerban steht neben dem Regisseur Hüseyin Tabak auf dem kleinen, roten Teppich im Foyer des Nationaltheaters vor der Premiere. | Fotos: Christian Binder

Am vergangenen Freitag wurde im Nationaltheater von Bukarest bei einer Gala-Premiere der Film „Gipsy-Queen“ vorgestellt, der nun, am Freitag, 27. Februar, in die rumänischen Kinos kommt. Mit dabei waren der Regisseur des Films, Hüseyin Tabak, und die rumänische Schauspielerin Alina Șerban. Sie spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch die Premiere sowie die Veröffentlichung des Films in Rumänien mitorganisiert.

Denn Alina Șerban ist nicht nur Schauspielerin und Film- und Theaterregisseurin, sondern auch Gründerin des Vereins „Untold Stories”. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, eine zeitgenössische Kulturplattform zu schaffen, auf der unbekannte Geschichten von Roma und institutionalisierten Jugendlichen ans Licht gebracht werden.

Șerban ist selber Romni. Sie hat als erste Roma-Künstlerin eine der höchsten Auszeichnungen des rumänischen Staates erhalten hat – den Orden „Meritul Cultural” (Kultureller Verdienst) im Rang eines Ritters für künstlerische Verdienste.

Der Verein, der den Film nach Rumänien gebracht hat

„Untold Stories“ hat sich auch dafür eingesetzt, dass der Film „Gipsy Queen“ nun in Rumänien mit rumänischen Untertiteln gezeigt wird. Der Film ist auf Deutsch. Eigentlich ist dieser nämlich bereits im Jahr 2019 in Deutschland und anderen Ländern gestartet. Unterstützt wurde der Verein dabei von einigen Partnern, unter anderem vom österreichischem Kulturinstitut und dem Goethe-Institut Bukarest. Die Einnahmen aus den Filmvorführungen in Rumänien sollen Waisenhäusern – mit denen „Untold Stories“ kooperiert – zugutekommen, verspricht die Organisation.

„Gipsy Queen“ wurde für elf internationale Preise nominiert und hat sieben davon gewonnen – auch Șerban bekam einige Auszeichnungen. Der Film erzählt die Geschichte von Ali, einer Mutter, die alles tut, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Deswegen geht sie nach Deutschland, nach Hamburg, und arbeitet mit dem Trainer und Besitzer eines Boxclubs (Tobias Moretti) zusammen, um eine Boxkarriere zu starten und ihre Familie zu ernähren – denn sonst schlägt sich Ali nur mit Gelegenheitsarbeiten durch.

Das Boxen als Ort des Kampfes

„Die harte Arbeit, die Opfer und der Wunsch, die Zukunft ihrer Kinder zu sichern, bringen sie an ihre Grenzen, und das Boxen wird zu dem Ort, an dem ihr Kampf konkrete Gestalt annimmt“, so beschreibt es das österreichische Kulturinstitut auf seiner Internetseite. „Im Ring gelten für alle die gleichen Regeln. Außerhalb des Rings ist das Leben oft ungleich, und das bringt Ali an einen kritischen Punkt, an dem das Boxen der einzige Weg ist, um dafür zu kämpfen, ihre Kinder bei sich zu behalten und ihre Zukunft zu sichern“, so das Institut weiter. „Der Film ist gerade deshalb so wichtig, weil er eine seltene und notwendige Darstellung bietet: eine Roma-Frau, die jenseits von Stereotypen mit Komplexität, Würde und Stärke gezeigt wird“, so wird auch die Hauptdarstellerin Șerban zitiert.

Der Film ist durchaus interessant und bietet eine mitreißende Geschichte und eine sehr gute Optik. Dabei ist die Hauptcharakterin Ali sicherlich auch keine Heilige. Sie liebt ihre Kinder, muss jedoch zahlreichen Jobs nachgehen und kann nicht genug für sie da sein und behandelt sie manchmal auch mehr als unfair. Trotzdem möchte sie, natürlich, nur das Beste für sie.

Ein Film von Hüseyin Tabak

Gedreht wurde der Film vom Regisseur Hüseyin Tabak. Er ist ein in Deutschland geborener Regisseur mit alevitischen, kurdischen Wurzeln aus der Türkei. Er ist Drehbuchautor und Produzent von Dokumentar- und Spielfilmen. Er studierte Drehbuch und Regie an der Filmakademie Wien und debütierte 2010 mit einem Kurzfilm namens „Cheese“. Im Jahr 2012 drehte er den Dokumentarfilm „Kick Off“, unmittelbar gefolgt vom Spielfilm „Beauty is Worthless“, für den er vier Preise der österreichischen Filmindustrie gewann, darunter den Preis für den besten Film und den besten Regisseur.

Auch er war bei der Gala vor Ort und berichtete: „Als ich den Film geschrieben habe, einen Charakter wie ‚Gipsy Queen‘, da wusste ich, dass sie irgendwo da draußen ist. Als ich Alina Șerban das erste Mal getroffen habe, da habe ich direkt gewusst, dass sie meine ‘Gipsy Queen‘ ist.“ Darüber hinaus dankte er der Schauspielerin, dass sie die Premiere und den Start in Rumänien auf die Beine gestellt hat und so viele Menschen im Nationaltheater versammeln konnte.

Șerban wünscht sich mehr Gleichheit

Dieses war nämlich rappelvoll. Es waren zahlreiche Roma, Rumänen, Ausländer, Jung und Alt versammelt, um sich den Film das erste Mal anzuschauen. „Wir brauchen mehr solche Momente, wo alle zusammenkommen und für ein paar Stunden, bei einer angenehmen Atmosphäre, gleich sind. Wo wir einfach als Menschen zusammen sind“, so Șerban bei ihrer Rede.

„Der Film kommt nun nach Hause“, sagte die Schauspielerin außerdem. Das ist ihr besonders wichtig, denn Rumänien braucht laut ihr „mehr starke Frauen“, wie sie eine im Film darstellt. Darüber hinaus erinnerte sie an die Jahre der Sklaverei der Roma, an den Holocaust und an all die weiteren Leiden der Roma – die nicht in Vergessenheit geraten sollen. 

Deswegen war die Premiere auch am vergangenen Freitag, den 20. Februar. An diesem Tag wird jedes Jahr der Nationale Gedenktag zur Befreiung der Roma gefeiert, ein historischer Moment, der sich 2026 zum 170. Mal jährt. So waren auch viele prominente Roma, wie unter anderem der Künstler Damian Drăghici und der Arbeitsminister Florin Manole, vor Ort.