Die Rumänen lieben ihre Katzen

Im Land hat fast die Hälfte aller Haushalte eine Samtpfote

Katzen sind auch einfach süß. Foto: Cornelia Brendler

Auch in Bukarest gibt es viele Katzen. Eine Nachbarskatze (r.) besucht regelmäßig die Redaktion der ADZ. Foto: Valentin Brendler

Eine Katze im Zentrum von Suceava. Viele Passanten streichelten den flauschigen Vierbeiner, der sich augenscheinlich wohl einfach nur sonnen wollte. Foto: Valentin Brendler

Rumänien ist das Land – prozentual gesehen – mit den meisten Katzenbesitzern in Europa. Laut einer Analyse aus dem Jahr 2023 besitzen 48 Prozent der rumänischen Haushalte mindestens eine Katze (45 Prozent Hunde). Doch warum lieben die Rumänen die flauschigen Tiere und warum werden Katzen überhaupt gehalten?

Die 48 Prozent basieren auf einer Studie des europäischen Verbandes der Heimtierfutterindustrie. Laut dieser Studie leben in Europa über 129 Millionen Katzen. In Rumänien seien es ungefähr 4 Millionen und 371.000. In Rumänien leben darüber hinaus ungefähr 19 Millionen Menschen, die natürlich nicht alle alleine leben und sich oft ein Haus oder eine Wohnung teilen. In fast der Hälfte dieser Haushalte soll laut der Studie also auch noch eine Katze leben. 

An zweiter Stelle folgt im übrigen Polen mit 41 Prozent, gefolgt von Lettland mit 37 Prozent. Diese Zahlen deuten auf eine stärkere Tradition der Katzenhaltung insbesondere in Zentral-, und Osteuropa hin – so schätzt TVR Info diese Zahlen ein. Am anderen Ende der Skala weist Griechenland mit nur 13 Prozent den niedrigsten Anteil Katzenhaushalte auf, gefolgt von der Türkei mit 14 Prozent.

Ist Bukarest besonders tierlieb?

Laut einer weiteren Studie soll Bukarest sogar besonders tierlieb sein, obwohl die Stadt mit ihren vielen Autos und Blocks auf den ersten Blick eher tierfeindlich wirkt. Die Red Panda Association hat im Jahr 2024 online 319 Bukarester befragt und daraus statistisch errechnet, dass 63 Prozent der Einwohner Katzen haben (59 Prozent sollen Hunde haben), berichtet profit.ro. Beide Zahlen scheinen, insbesondere mit Blick auf die obengenannte Studie, überraschend hoch. Jedenfalls liegen die Zahlen merklich über dem Landesdurchschnitt. 

Ob die Zahlen nun genau stimmen oder nicht ist auch zweitrangig: offenbar ist, dass sowohl auf dem Land als auch in der vollen Großstadt Bukarest Katzen besonders beliebt sind. 
Die Studie von Red Panda zeigt auch, wonach die Rumänien ihre Katzen aussuchen: Nach dem Aussehen. Dies ist der entscheidendste Faktor, ob eine Katze adoptiert wird oder nicht. 

Wirtschaftlich relevant

Die Tierliebe der Rumänien ist auch wirtschaftlich relevant. Denn gerade das Futter kann durchaus viel Geld kosten, abhängig davon, wie hungrig die Vierbeiner sind. Laut aktuellen Daten hat der Markt für Tiernahrung in Rumänien bereits die Milliarden-Euro-Marke pro Jahr überschritten, berichtet das Nachrichtenportal Digi24. 

Warum Katzen so beliebt sind 

Doch warum lieben Rumänen ihre Katzen so sehr? Wall-street.ro erklärt es folgendermaßen: „Wir können leichter vom Alltagsstress abschalten, wenn uns eine Katze oder ein Hund zu Hause begrüßt; wir sind überzeugt, dass Haustiere den Kleinen in der Familie beibringen, freundlicher und verantwortungsbewusster zu sein, und wir schließen sie schnell und leicht ins Herz und betrachten sie oft als Teil der Familie.“ 

Darüber hinaus gibt es natürlich kaum etwas Schöneres, als eine flauschige Katze zu streicheln, die das augenscheinlich ebenfalls genießt. Außerdem können sie, gerade auf dem Land, auch dabei helfen, das Haus von Schädlingen wie Mäusen und Ratten freizuhalten.

Eine lange Tradition

Dass Menschen Katzen halten, hat eine lange Tradition. „2004 fanden Archäologen in Zypern ein 9500 Jahre altes Grab. Darin lag eingebettet in Muscheln, polierten Steinen und anderen Artefakten ein Mensch mit seiner Katze. Es ist der älteste Fund einer Katze als Haustier“, berichtet ARD Alpha. 

Eine weitere Studie hat herausgefunden, dass die Hauskatze, also die Tierrasse, sehr wahrscheinlich aus Nordafrika stammt, berichtet der ORF Science. Denn die Hauskatze ist nahe verwandt mit der Nordafrikanischen Wildkatze. 

In Ägypten gab es seit dem Alten Reich einen ausgedehnten Katzenkult, wie zahlreiche Funde von Katzenmumien zeigen. Dort war die Katze sogar eine Göttin: Bastet, eine Tochter des Sonnengottes Ra.

Die schnelle Ausbreitung in Europa erfolgte dann laut ORF wahrscheinlich durch die Römer, die die Katzen aus Nordafrika verschifften. „Die Katze lebte wohl vor rund 2000 Jahren an der Seite der Römerinnen und Römer.“

Vielleicht lieben die Rumänen auch deswegen ihre Vierbeiner? Weil es bereits die Römer taten, die im rumänischen Nationalmythos mit den Dakern als die Vorfahren der Rumänen hervorgestellt werden?

Kuriose Anekdote in der rumänischen Geschichte

Doch Katzen haben auch ein paar negative Seiten. Das weiß jeder Katzenbesitzer. Insbesondere haben sie ein einzigartiges Talent: Chaos stiften. 

Dies zeigt auch eine Anekdote aus der rumänischen Geschichte, über die der „Spiegel“ am 25.11.1984 berichtet hat. „Eine Katze ist schuld daran, daß das alte und renommierte Bukarester Brâncovenesc-Hospital teilweise abgebrochen wurde“, schreibt das Blatt in der Einleitungen. Was war passiert?

Mitte März 1984 hatte Rumäniens eigenwilliger Staats- und Parteichef Nicolae Ceau{escu einen persönlichen Besuch im Krankenhaus angekündigt. Denn es gab ein Problem: Ein Trakt des Krankenhauses lag auf dem Terrain des geplanten „Boulevard Sieg des Sozialismus“ (der heutige Bulevardul Unirii). 

Der Diktator ging also mit einem klaren Ziel in das eigentlich moderne Hospital. „An der Leine führte er seinen neuen Schäferhund. Ärzte standen stramm: Sie wollten ihr Krankenhaus retten“, so der Spiegel. Dann passierte es: „Just in diesem Moment aber bemerkte der Schäferhund eine graue Katze und riß sich los. Das feierliche Empfangsprotokoll geriet zum Chaos. Der Hund jagte die Katze, die Ärzte verfolgten den Hund, die Funktionäre wollten die Ärzte zurückholen, und Ceau{escu stand plötzlich da, wie er es am allerwenigsten mag – verlassen“, uff. Was für ein Chaos!

Ein abge-kater-tes Spiel

„Es nützte nichts“, schreibt der Spiegel weiter: „dass der Hospitaldirektor schließlich den Schäferhund einfing und sogar eine unschuldige weiße Katze anstelle des verschwundenen grauen Tieres präsentierte. Ceau{escu sprach von einem ‘absichtlich inszenierten Zwischenfall’.“ Da blieb dem Diktator natürlich nichts anderes über, als das Krankenhaus teil-abzureißen. „Schon tags darauf rückten die Bulldozer an, demolierten die zwölfstöckige Pathologie des Krankenhauses und arbeiteten dann gleich in der Umgebung weiter“, so der Spiegel weiter.