Zum Abschied von Prof. Radu Băncilă möchte ich nicht nur an seinen außergewöhnlichen akademischen Einfluss erinnern und an seine Rolle als Mentor für Generationen von Studierenden, Fachleuten, Kolleginnen und Kollegen sowie Freunden – mich eingeschlossen. Mehr noch möchte ich seinen zutiefst humanistischen Geist würdigen.
Dieser Geist spiegelte sich ganz selbstverständlich in seinem Werk und in seiner Art, mit Menschen zu arbeiten. Er war nicht nur ein Meister der Kunst des Brückenbaus, des Stahlbaus und des Schweißens, sondern auch ein Künstler der Brücken und Verbindungen zwischen Menschen. Er konnte inspirieren, war ein geborener Mentor und ein weiser Geist, der Professionalität, feine Ironie, harte Arbeit und guten Humor auf seltene Weise miteinander verband.
Unsere längsten Gespräche, die sich zwischen Arbeit und manchmal auch administrativen Angelegenheiten ergaben, führten oft weit über den beruflichen Alltag hinaus: zur Zeitgeschichte und zur Politik, zur Literatur, zu Filmen vergangener Zeiten und bisweilen auch zur Musik. Er stellte Mihail Sebastian in den Zusammenhang seiner und unserer Zeit, seines Werkes und seines Lebens. Er lachte über das Sich-wichtig-Nehmen mancher Leute und erinnerte dabei an die Abenteuer des braven Soldaten Švejk. Wir fragten uns, was mit unserer osteuropäischen Welt eigentlich schiefgelaufen ist, wenn wir über Bulgakows „Meister und Margarita“ sprachen. Und über viele andere Autoren – viele von ihnen wurden mir erst durch ihn nahegebracht. Und dazwischen immer wieder historische Anekdoten, die durch ihn lebendig wurden, und die er mit Geschick in jedem Kontext herbei rufen konnte.
Einer dieser Autoren war Dino Buzzati. Noch heute lese ich das Exemplar „Die Tatarenwüste“, das ich von ihm erhalten habe, und vergleiche mich dabei mit Giovanni Drogo, der auf die letzte Schlacht wartet – vermutlich vergeblich. Doch das Werk von Buzzati, auf das er am häufigsten verwies, war „Das Haus mit den sieben Stockwerken“. Manche würden es Schicksal nennen, dass er diese Welt verließ wie in einer seiner Lieblingsgeschichten. Ich empfinde darin etwas zugleich Ironisches und Tiefes – und ich warte noch immer auf jenen Anruf, um gemeinsam darüber lachen und nachdenken zu können. Es gab noch so vieles zu tun, zu besprechen und noch mehr zu schreiben. Ich bedaure, dass er seine Memoiren nicht geschrieben hat.
Sein Abschied hinterlässt eine schmerzliche Lücke, aber auch ein seltenes Vermächtnis: das eines Menschen, der die Strenge des Denkens mit der Großzügigkeit der Seele, berufliche Exzellenz mit menschlicher Noblesse zu verbinden wusste. Für mich bleibt Prof. Radu Băncilă nicht nur ein großer Professor und Ingenieur, sondern auch ein Erbauer von Bewusstsein, Dialog und Freundschaft. Und ein guter Mensch.
Ich schulde ihm Dankbarkeit, Bewunderung und die lebendige Erinnerung an einen Menschen, den ich nicht von der Vorstellung inneren Lichts trennen kann.
Auf Wiedersehen, Herr Professor Băncilă!





