Der aus Arad stammende römisch-katholische Priester Zoltán Kocsik ist seit vielen Jahren im schulischen und seelsorgerischen Bereich tätig. Seit 18 Jahren wirkt er im Priesteramt, davon ist er seit 16 Jahren im Bildungswesen aktiv.
Nach dem Theologiestudium in Karlsburg/Alba Iulia und Fulda begann er seine berufliche Laufbahn als Kaplan in Arad-Schega, wo er zugleich erste Unterrichtserfahrungen sammelte, unter anderem auch am Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum in Neuarad. Nach seiner Versetzung 2009 an das katholische Gerhardinum-Lyzeum nach Temeswar/Timi{oara war Zoltán Kocsik zunächst als Jugendpfarrer tätig und übernahm später zusätzlich die Aufgabe des Universitätsseelsorgers. Im Jahr 2017 wurde er zum stellvertretenden Schulleiter ernannt, seit 2019 steht er dem „Gerhardinum“ als Direktor vor.
Was heute eine katholische Schule ausmacht und warum das „Gerhardinum“ in der Temeswarer Schullandschaft eine besondere Stellung einnimmt, erfahren Sie aus folgendem Gespräch, das ADZ-Redakteurin Raluca Nelepcu mit dem deutschsprachigen Schulleiter geführt hat.
Sie leiten seit 2019 diese Schule – es ist eine Nachfolgeschule des einstigen Piaristengymnasiums. Wenn Sie jemandem das „Gerhardinum“ beschreiben würden – wie würden Sie das tun?
Das ist eine Schule mit großer Seele. Wenn ich Eltern frage, warum sie sich für unsere Schule entschieden haben, nennen sie meist drei Dinge: Sicherheit – sowohl geistige als auch physische –, den guten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern sowie die Suche nach Gott, also das Kennenlernen zeitloser, grundlegender Werte. Das sind die Stichworte, die immer wieder genannt werden.
Eine „Schule mit Seele“ – wie sollen wir das verstehen?
Es geht um das menschliche Miteinander, sowohl horizontal als auch vertikal: die Beziehung zwischen den Menschen und die Beziehung zu Gott. Der Glaube spielt im Schulalltag eine zentrale Rolle. Wir beginnen jeden Tag mit dem Morgengebet. Einmal pro Woche gibt es ein gemeinsames Schulgebet und ebenfalls einmal wöchentlich einen gemeinsamen Gottesdienst.
Dazu kommen die Jahresexerzitien – ein geistliches Wochenende für unsere Schüler. Auch für die Lehrkräfte gibt es Einkehrtage, etwa vor Weihnachten, vor Ostern und zu Beginn des Schuljahres im September. Diese geistliche Dimension ist uns sehr wichtig.
Auch die Haltung der Lehrkräfte soll von christlichen Werten geprägt sein – man soll spüren, dass sie aus ihrem Glauben leben. Bei den Piaristen sprach man von Evangelisierung durch Erziehung, und diesem Gedanken fühlen wir uns verbunden.
Muss man zwingend katholisch sein, um diese Schule besuchen zu dürfen?
Nein, ganz und gar nicht. Wir sind offen und ökumenisch ausgerichtet. Es gibt rumänisch- und ungarischsprachige Klassenzüge. In den rumänischsprachigen Klassen ist etwa die Hälfte der Schüler katholisch und die andere Hälfte orthodox, dazu kommen auch einige protestantische Schüler.
Wir betreiben keinen Prosely-tismus. Jeder soll in seiner eigenen Tradition und Kirche verwurzelt bleiben. Teilweise findet der Religionsunterricht auch ökumenisch statt. Ich sage den Kindern immer: Die Katholiken bekreuzigen sich so, die Orthodoxen anders, und die Protestanten machen kein Kreuzzeichen – und das ist völlig in Ordnung. Die eigene Identität zu bewahren ist sehr wichtig. Gleichzeitig achten wir auf das, was uns verbindet.
Unsere katholische Tradition leben und vermitteln wir selbstverständlich weiter, und die Schüler anderer Konfessionen stehen dem sehr offen gegenüber – sei es bei Gottesdiensten, Gebeten, Exerzitien oder anderen geistlichen Programmen.
Aber die Mehrheit der Schüler ist dennoch römisch-katholisch.
Ja, etwa 60 Prozent.
Wie viele Schüler besuchen das „Gerhardinum“ insgesamt?
Derzeit haben wir 408 Schüler – vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, also bis zum Abitur. Dazu gehören drei Kindergartengruppen, zehn Grundschulklassen, sieben Gymnasialklassen und acht Lyzeumsklassen.
Außerdem gibt es ein Schülerheim im Schulgebäude, in dem etwa 65 bis 70 Schüler untergebracht sind. Die Internatsschüler kommen aus den Kreisen Temesch, Arad, Karasch-Severin und Mehedinți.
An vielen Schulen wird das Drogenproblem immer sichtbarer. Wie ist die Situation bei Ihnen?
Es gab vereinzelt Fälle, aber grundsätzlich erkennen wir Probleme sehr schnell und versuchen, sofort zu helfen. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist eng und vertrauensvoll. Drogen sind kein typisches Problem unserer Schule.
Trägt die religiöse Bildung dazu bei, dass Schüler eher Abstand von solchen Substanzen halten?
Ja, der Glaube ist dabei ein entscheidender Faktor. Die Klassenlehrer führen viele Gespräche mit den Schülern, und zudem kommen regelmäßig drei Priester an unsere Schule. Sie feiern Gottesdienste, hören Beichte und stehen für geistliche Gespräche zur Verfügung.
Die Jugendlichen haben also echte Ansprechpartner – ohne Zwang. Wir empfehlen und begleiten, aber wir verpflichten niemanden. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen.
Welche Projekte laufen derzeit an Ihrer Schule?
Wir hatten ein Erasmus-Projekt mit dem St.-Josef-Gymnasium in Dingelstädt (Thüringen), das während der Corona-Zeit pausiert wurde.
Es gibt regelmäßige Schüleraustausche mit Ungarn, insbesondere mit dem Piaristengymnasium in Szeged, sowie mit Schulen aus Bukarest und Szeklerburg/Odorheiu Secuiesc.
Durch das St.-Gerhards-Werk Stuttgart werden jedes Jahr Schüler unserer Schule zu einem Kulturseminar nach Deutschland eingeladen, bei dem sie die Geschichte der Banater Schwaben sowie Deutschlands und Europas näher kennenlernen.
Das „Gerhardinum“ ist außerdem in ein nationales Pilotprojekt zur Erprobung autonomer Lehrpläne im Lyzealbereich eingestiegen. Grundlage dafür ist ein Erlass des Unterrichtsministeriums, der den Schulen die Möglichkeit einräumt, im Rahmen der nationalen Bildungsstandards einen eigenen, innovativen Lehrplan zu entwickeln. Ziel dieses Pilotprojekts ist es, stärker auf die Interessen, Bedürfnisse und Kompetenzen unserer Schüler einzugehen und zeitgemäße Bildungswege zu gestalten.
Wird Deutsch als Fremdsprache an Ihrer Schule unterrichtet?
Ja. Von der Vorbereitungsklasse bis zur 8. Klasse ist Deutsch die erste Fremdsprache. Im Lyzeum wird Deutsch dann zur zweiten Fremdsprache, nach Englisch.
Welche besonderen Projekte gibt es an Ihrer Schule? Ich erinnere mich an ein Sportfest, das viel Bewegung gebracht hat.
Ja, bei diesem Sportfest haben wir Spenden für die Sanierung der Turnhalle gesammelt. Der nächste Schritt ist die Renovierung des Mosaikbodens in der „kleinen Schule“ sowie ein neuer Anstrich. Im März wird das Sportfest wieder ausgerichtet.
Unser Eltern- und Schülerkomitee ist sehr aktiv. Vor zwei Jahren gab es einen Kulturabend in der Philharmonie. Hinzu kommen das traditionelle Weihnachtskonzert im Dom und ein Weihnachtsmarkt.
Einmal im Monat veranstalten wir außerdem ein sogenanntes „Spielhaus“ für Kindergartenkinder, damit sie unsere Schule spielerisch kennenlernen können.
Wie schwierig ist es, Lehrkräfte zu finden, die auch die spirituelle Dimension mittragen?
Das ist nicht immer einfach. Unser Kollegium besteht aus katholischen, orthodoxen und neoprotestantischen Lehrkräften. Wichtig ist, dass sie aus ihrem Glauben heraus leben – dass sie Gott lieben, die Heilige Schrift kennen und diese Haltung auch ausstrahlen.
Gleichzeitig müssen sie fachlich kompetent sein. Beides zu vereinen ist nicht selbstverständlich. Man kann ein sehr guter Christ sein, aber pädagogisch weniger geeignet – oder umgekehrt. Wir haben derzeit zehn junge Lehrkräfte, was uns sehr freut.
Wie groß ist das Lehrerkollegium insgesamt?
51 Lehrkräfte sind an unserer Schule tätig.
Wie werden die Lehrer unterstützt? Gibt es auch für sie seelsorgerliche Begleitung?
Ja, dieses Angebot gibt es. Vielleicht nicht so regelmäßig wie bei den Schülern, aber die Lehrkräfte haben zwei- bis dreimal pro Schuljahr Einkehrtage. Dabei besteht auch die Möglichkeit zur Beichte oder zu persönlichen Gesprächen.
Darüber hinaus gibt es fachliche Fortbildungen über das Pädagogische Lehrerhaus des Kreises Temesch sowie zahlreiche Angebote des Verbands der ungarischsprachigen Lehrer Rumäniens.
Ist es heute überhaupt noch „modern“, sein Kind auf eine katholische Schule zu schicken?
Ich würde sagen: Es geht weniger um Modernität als um Normalität. Wer sich nach Stabilität im Leben sehnt, nach klaren Werten, nach tragfähigen Beziehungen, der findet in einer katholischen Schule viel Unterstützung.
Viele Eltern legen heute nicht nur Wert auf Wissen, sondern auch auf die Charakterbildung ihrer Kinder. Man spricht von IQ und EQ – beides ist wichtig, und beides wird bei uns ernst genommen. Ein Kind soll seinen Platz in einer Gemeinschaft finden können.
Wissen allein reicht also nicht?
Genau. Man kann ein Genie sein und dennoch Schwierigkeiten im Alltag haben – in Beziehungen, in der Partnerschaft, im Freundeskreis oder im Berufsleben. Teamfähigkeit, Empathie und soziale Kompetenz sind entscheidend.
Vielleicht ist jemand fachlich sehr stark, aber ohne die Fähigkeit zur Zusammenarbeit kommt man nicht weit. Auch das lernen die Kinder hier.
Welche Unterstützung erhalten Sie von der Römisch-Katholischen Diözese?
Das Schulgebäude – der Piaristenkomplex – gehört dem Bistum. Die Diözese unterstützt uns bei größeren Renovierungsarbeiten; aktuell ist die Fassadensanierung geplant.
Außerdem stellt sie uns pädagogisches und geistliches Personal zur Verfügung: Zwei Ordensschwestern der Kongregation Jesu arbeiten bei uns, ebenso zwei Pförtner. Die drei Priester, die regelmäßig an der Schule tätig sind, werden ebenfalls vom Bistum entsandt.
In welchem Stadium befinden sich die Sanierungspläne für die Fassade?
Wir stehen noch am Anfang, in der Phase der Dokumentation. Idealerweise würden wir EU-Mittel nutzen, doch derzeit gibt es dafür keine passende Finanzierung. Wir hoffen auf neue Möglichkeiten.
Sie sind Priester, Lehrer und Schuldirektor zugleich. Welche Rolle liegt Ihnen am meisten?
Das ist schwer zu sagen. In erster Linie bin ich Priester – das war immer meine Berufung. Lehrer zu sein, war ebenfalls ein Wunsch von mir, der sich erfüllt hat.
Die Aufgabe des Schuldirektors kam später hinzu. Jemand musste diese Verantwortung übernehmen, und ich mache es gerne, auch wenn der administrative Aufwand groß ist. Viele Dokumente, viele organisatorische Aufgaben – das ist nicht immer leicht.
Am freiesten fühle ich mich jedoch im Unterricht. Ich unterrichte Religion auf Rumänisch und Ungarisch.
Die Rollen lassen sich ohnehin kaum trennen: Im Unterricht bin ich auch Priester, und in der Predigt merke ich oft, dass ich zugleich Lehrer bin.






