Feuer und Flamme!

Der Umgang mit Feuer unterscheidet den Menschen vom Tier. Was tun, wenn es mal schiefgeht?

Feuermachen ist die vielleicht wichtigste Erfindung der Menschheit: Vom Kochen über das Brennen von Keramik, Glasblasen, Metallschmelzen bis hin zu Feuerwaffen und dem Raketenmotor. Feuer kann faszinieren: Kerzen, gemütliches Kaminprasseln, Grillen in der Natur, Feuerwerk... Aber auch töten: durch Blitzschlag, Waldbrand, Gas-Explosion, Artilleriefeuer... Das Beherrschen von Feuer ist eine hohe Kunst, die den Menschen vom Tier unterscheidet. Doch was tun, wenn es außer Kontrolle gerät?

30. Oktober 2015, Bukarest, Rumänien, Brand im Club Colectiv: 66 Tote. 
1. Januar 2026, Crans-Montana, Schweiz, Brand in der Bar Le Constellation: 44 Tote, 83 Schwerverletzte. 


In beiden Fällen war die Ursache der Katastrophe hoch brennbares Material in Innenräumen: schalldämpfender Schaum, der sich leicht entzündet, im ersten Fall durch ein nicht für drinnen zugelassenes Feuerwerk, im zweiten durch als „harmlos“ geltende Wunderkerzen. In beiden Fällen flüchteten die Menschen nicht sofort: Sie unterschätzten, wie schnell sich eine kleine Flamme zur tödlichen Gefahr entfachen kann. In Crans-Montana wurde, nachdem sich die Decke bereits entzündet hatte, noch mit dem Handy gefilmt. Kleinere Fehler addierten sich dann zur Katastrophe auf: keine Feuerlöscher griffbereit, viele Menschen auf kleinem Raum, unzureichende Fluchtwege, Panik...

Aber auch in Privathaushalten lauert die Gefahr – oft dort, wo man sie gar nicht vermutet. Wer denkt schon an die täglich benutzten Geräte und Steckerleisten?

Häufigste Brand-quellen im Haus

Tatsächlich sind die häufigste Brandursache im Haushalt Elektrogeräte: defekt oder überlastet, zu viele davon in einer Steckerleiste, hintereinandergeschaltete Verlängerungskabel, abgelegter Kram auf Kühlschlitzen oder Steckdosen.  

An zweiter Stelle steht menschliches Versagen: Töpfe auf dem eingeschalteten Herd vergessen, brennende Kerzen oder Zigaretten. 

26. Dezember 2023, Tohani, Rumänien: Großbrand in der Ferma Dacilor, acht Opfer. Ursache: ein eingeschlafener Raucher. 

Deutlich seltener im Haushalt, dafür aber besonders gefährlich, sind Fett- oder Wachsbrände: Wenn das Bratfett in der Pfanne oder Fritteuse zu heiß geworden ist, der Backofen fettverkrustet und die Lüftung verstopft, wenn zu viele Teelichte zu eng aneinander gestellt wurden, können sich die Dämpfe von Fett oder Wachs entzünden. 

Für Ofen- und Kaminbesitzer hingegen ist der Kaminbrand eine der größten Gefahren. Er entsteht, wenn sich Glanzruß in den Rohren ablagert, sich entzündet und das Geuer durch das Ofenrohr  in den Kamin steigt. So ein Brand kann schnell bis zu 1500 Grad erreichen. Während man kleine Feuer am besten mit einem geeigneten Feuerlöscher bekämpft, bis die Feuerwehr kommt, heißt es beim Kaminbrand auf jeden Fall: Hände weg! Allein die Experten können vor Ort entscheiden, ob er besser „kontrolliert“ abbrennen oder gelöscht werden soll. Brandbekämpfung bedeutet daher also immer auch: So schnell wie möglich den Notruf absetzen (112)! Denn falsche Löschmittel oder ihr unsachgemäßer Einsatz können Brandbeschleuniger sein. 

Was nicht mit Wasser löschen?

Viele Brände darf man keinesfalls mit Wasser löschen, weil sich der Brandherd sonst explosionsartig auf ein Vielfaches vergrößert und leicht auf die übrige Infrastruktur übergreift.  Dazu gehören Wachs-, Fett-, Benzin-, Metall- und Kaminbrände.  Aber auch beim Brand von Elektrogeräten gilt: Hände weg von Flüssigkeiten!  Wasser ist ein starker Leiter von Elektrizität, es droht ein Stromschlag. 

Beim Wachs- und Fettbrand besteht bei Kontakt mit Wasser außerdem die Gefahr einer Explosion. Videos auf YouTube zeigen eindrucksvoll, was passiert, wenn man einen Fettbrand auf diese Weise löscht: das Feuer schießt in einer gewaltigen Säule in die Höhe! Fettbrände in Haushalten sind zwar selten, geraten aber, wenn es passiert, leicht außer Kontrolle. In Großküchen und Kantinen ist es daher Pflicht, spezielle Fettbrand-Feuerlöscher griffbereit zu haben. Wenn sich zuhause in der Küche Fett entzünden sollte: Herd ausschalten und schnell einen Metalldeckel (kein Glas!) oder ein Backblech über den Brandherd werfen – aber nur, wenn diese wirklich trocken sind. Falls es im Backofen brennen sollte, egal aus welchem Grund: ausschalten, Stecker raus und Tür zulassen. Durch Luftentzug geht das Feuer meist von selber aus. Aus demselben Grund sind auch Fenster und Türen sofort zu schließen bzw. geschlossen zu halten. Der deutsche Pannendienst ADAC warnt auch vor Löschversuchen mit Mehl, Zucker oder Backpulver (letzteres wird auf manchen Ratgeberseiten empfohlen). Diese Stoffe können in der Hitze verpuffen und die Flammen explosionsartig verstärken. Vom Ersticken eines Fettbrands mit einer Branddecke wird ebenfalls eher abgeraten, da sich diese bei starker Hitze selbst entzünden kann.

Wie ein Fett- oder Wachsbrand entsteht

Ab 300 Grad Celsius können sich Fette selbst entzünden. Im Gastgewerbe muss die Öltemperatur in Fritteusen daher immer unter 230 Grad bleiben. Eine Fettexplosion erfolgt, wenn das Löschwasser auf den Boden des Gefäßes mit dem brennenden Öl sinkt und das leichtere Öl beim Verdunsten hoch drückt. Dann verteilt sich dieses in Form vieler kleiner Tröpfchen in der Luft, die eine größere Oberfläche haben, sich rasch entzünden und die Brandfläche stark vergrößern. Es entsteht eine pilzförmige Brandsäule. 

Ähnlich wie Fettbrände verhalten sich Wachsbrände. Wachs kann sich bereits ab 280 Grad Celsius entzünden. Passieren kann das beim unsachgemäßen Einschmelzen (z.B. mit dem Gasbrenner), durch zu dicht stehende Teelichte, z.B. im Teelichtofen, durch überhitzte, billige oder selbstgemachte Kerzen, die zu schnell brennen, oder wenn der Docht im flüssigen Wachs umkippt und dieses entzündet, aber auch, wenn Wachs ausläuft und auf eine heiße Oberfläche tropft. Beim Löschen mit Wasser kommt es zu einer explosionsartigen Reaktion.

Kaminbrand vermeiden

Die Ursache von Kaminbrand ist Glanzruß. Das ist ein lackartiger schwarzer Ruß, der sich mit normalen Bürsten nicht entfernen lässt. Er entsteht durch unvollständige Verbrennung: zu feuchtes Holz, zu geringe Luftzufuhr, Fehler beim Anheizen, Ofenrohr schlecht isoliert, falscher Schornsteinquerschnitt usw., sodass es dort zu Kondensation kommt. Wenn sich die Glanzrußschicht entzündet, wandert das Feuer über das Ofenrohr in den Schornstein und gefährdet dort die umliegende Bausubstanz, die nicht für solche Temperaturen ausgerichtet ist. Beim Kaminbrand dürfen weder Wasser noch Schaumlöscher eingesetzt werden. Durch die hohen Temperaturen würde die Flüssigkeit in Sekundenbruchteilen verdampfen und der Schornstein explodieren. Die Feuerwehr entscheidet vor Ort, ob ein Einsatz von Löschpulver sinnvoll ist. 

Im „Land der improvisierten Heizungen“ Rumänien ist Kaminbrand eine reale Gefahr. Wie man ihn durch sachgemäßen Umgang mit dem Kamin oder Ofen vermeidet, verrät z.B. die ofenseite.com. 

Womit kleine Feuer löschen?

Brennbare Stoffe unterscheiden sich in Brandklassen A, B, C, D, E und F, die alle ihre eigenen Löschmittel erfordern, erklärt die Brandseite des ADAC. Die Brandklasse steht auch auf dem Feuerlöscher.

Mit Wasser löschen darf man nur Brände der Klasse A, die Holz, Papier, Kohle, Stroh, Textilien oder Müll betreffen. 

Zur Brandklasse B gehören brennbare Flüssigkeiten sowie Stoffe, die durch Hitze flüssig werden: Kraftstoffe, Lösungsmittel, Lacke und Farben, Kunststoffe, die beim Brennen schmelzen, und Wachs. Hier sind Feuerlöscher mit Schaum und ABC-Pulver die erste Wahl. Bei kleineren Bränden kann auch ein Kohlendioxid (CO2)-Löscher eingesetzt werden. 

Brandklasse C umfasst brennbare Gase: Propan und Butan, Erdgas, Wasserstoff in Brennstoffzellen, Acetylen (bei Schweißarbeiten). Geeignete Löschmittel sind ABC- oder BC-Pulver. Brennendes Gas, dessen Zufuhr nicht gestoppt werden kann, sollte kontrolliert abbrennen, da sonst ein gefährliches Gas-Luft-Gemisch entstehen kann.

Brandklasse D ist eine Spezialklasse für brennbare Metalle: Aluminium, vor allem Späne und Pulver (in Hobbywerkstätten), Ma-gnesium (in Feuerwerkskörpern, aber auch Bleistiftspitzern!), Natrium, Kalium, Lithium (in Akkus von Elektrofahrrädern, Elektroautos und Werkzeugen). Brennende Metalle entwickeln extrem hohe Temperaturen von über 1000 Grad Celsius. Wasser oder CO2 und Schaum sind da ungeeignet. Nur spezielle Feuerlöscher mit Metallbrandpulver (D-Pulver) können diese Brände sicher löschen.

Brandklasse F gilt für Speiseöle und -fette. Für Fettbrand in der Küche wird ein kleiner, handlicher Feuerlöscher der Klasse F empfohlen,  nicht mehr als sechs Kilogramm, denn er muss leicht zu handhaben und vor allem griffbereit sein. Ein Fettbrandlöscher ist mit einem Spezialschaum gefüllt, der die Fettpartikel umhüllt und damit von der Sauerstoffzufuhr abschneidet. Dadurch wird der Brand erstickt.

Brandklasse E für elektrische Anlagen bis 1000 Volt existiert seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Alle heute zugelassenen Feuerlöscher können bei solchen Elektrobränden eingesetzt werden. Dabei ist es wichtig, das Gerät sofort abzustecken, um es von der Brandursache zu trennen.  Wenn kein Feuerlöscher zur Hand ist, kann man  Natriumhydrogencarbonat  (auch in Feuerlöschern der Brandklasse C enthalten) auf das Feuer werfen. Einige Handvoll davon in der Küche zu haben kann lebensrettend sein.

Wie löschen?

Jedes Löschmittel funktioniert nach dem Prinzip, dem brennbaren Material die Sauerstoffzufuhr abzuschneiden. Löschmittel daher nie in die Flammen sprühen, sondern auf das brennende Material – und zwar von unten nach oben und von der Seite zur Mitte. 

Impulsartig in Stößen löschen und einen freien Fluchtweg im Rücken behalten. Nach erfolgreichem Löschen auf mögliche Wiederentzündung achten.

Falls die Kleidung Feuer gefangen hat: sich auf dem Erdboden wälzen. Obwohl Löschdecken inzwischen von unabhängigen Prüflabors als Feuerlöschmittel generell als unsicher eingestuft werden, können sie bei brennender Kleidung dennoch retten. 

Hilfe, es brennt im Haus!

Es riecht angekokelt, oft weiß man noch gar nicht woher, oder der Rauchmelder schrillt. Dann am besten sofort den Gashaupthahn zudrehen, Lüftungs- und Heizanlagen abstellen, Fenster und Türen schließen, Mitbewohner warnen. Ist das Feuer lokalisiert, leicht entzündliche Stoffe (Gasflaschen, Spiritus) vom Brandherd entfernen, Löschversuche nur bei überschaubarem Feuer wagen, auf jeden Fall einen Notruf absetzen.

Bei der Flucht keinesfalls verqualmte Räume betreten, es besteht Erstickungsgefahr. Niemals den Lift benutzen: Er könnte sich in einem bereits verqualmten  Stockwerk öffnen und der Rauch in der Lichtschranke das Schließen verhindern. Lässt sich eine Flucht durch den Rauch nicht vermeiden, bewegt man sich am besten kriechend, denn die giftigen Gase steigen nach oben. Atemwege durch nasse Tücher schützen. Falls eine Flucht nicht mehr möglich ist: Türen schließen und mit nassen Tüchern abdichten.

Kann man einen Waldbrand überleben?

Frühjahr 2025:  ganz Kalifornien wurde von verheerenden Waldbränden heimgesucht. Hunderttausende Menschen wurden evakuiert. Es gab rund 30 Todesopfer. 

Meist ist Blitzschlag der Auslöser für Waldbrände, manchmal Brandstiftung, wenn landwirtschaftlicher Druck oder hohe Entschädigungen Grundbesitzer regelrecht dazu ermutigen, ihr Gelände auf diese Art zu „roden“. Oft aber reicht auch eine achtlos weggeschnippte Kippe, der Zündfunke eines Fahrzeugs, die liegengelassene Glasflasche, die im Sonnenlicht zur Brennlinse wird. Dürre, Hitze  oder starker Wind tun den Rest. 

Wer in gefährdeten Gegenden Urlaub machen will oder dort ein Ferienhaus besitzt, sollte sich vorher das PDF „@fire“ des Internationalen Katastrophenschutzes herunterladen. Es gibt wertvolle Tipps, wie man eine Flucht vor einem sich nähernden Waldbrand vorbereitet, durchführt oder, falls es dazu zu spät ist, im Haus oder Auto mit etwas Klugheit und Glück sogar überleben kann.