Dieser Tage (bis heute) hat das Finanzministerium eine öffentliche Anleihe in Landeswährung und in Euro ausgeschrieben, mit Zinsen, die in etwa der voraussehbaren Inflation entsprechen. Womit Anleger nicht gerade ein Geschäft machen, aber die Chance haben, den Wert ihres Geldes zu fixieren. Der jüngste Schritt zurück, den Premierminister Ilie Bolojan zähneknirschend und unter Druck des Regierungspartners PSD machen musste, bremst das Sparvorhaben der Regierungskoalition noch stärker aus. Einmal mehr wird bewiesen, dass man als PSD nicht in der Opposition sitzen muss, um zu opponieren – wenn man das Handwerk des smarten Erpressers „anständig“ beherrscht.
Die Kosten der Bedienung der Zinsen werden also auch 2026 und wahrscheinlich auch 2027 nicht unter zehn Prozent des BIP sinken. Anders: Rumänien hat zwar 2025 das Haushaltsloch ein wenig zusammengezogen – bei Weitem nicht gestopft! –, aber immer noch sind bei je 100 Lei Staatsausgaben 18 Lei Geld auf Pump! So die Analysten der BCR Erste. Andrerseits stimmt, dass die 50,5 Milliarden Lei (10,1 Milliarden Euro), die Rumänien jährlich zur Tilgung der Zinsen für Geldanleihen der vorhergehenden Regierungen zu zahlen hat, 2025 um 8,67 Prozent unter der Summe von 2024 lagen. Aber auf der Schwimmlinie ist das Land noch lange nicht. Umso weniger, als die jüngsten Konzessionen, des lieben Friedens innerhalb der Regierung willen, für 2026 auf ein klares Ausbremsen des Sparwillens der Regierenden hinauslaufen.
Letztendlich – so manche Kommentatoren – war 2025 weniger schwierig, als erwartet – wenn denn die Querelen innerhalb der Regierungskoalition nicht gewesen wären. Immerhin konnte das Haushaltsdefizit von 2024 (9,3 Prozent) auf 7,65 Prozent gedrückt werden – das war mehr, als sich die Regierung erhofft hatte (sie war von 8,4 Prozent ausgegangen ...). Ob das jetzt schon als „politische Verantwortlichkeit“ bezeichnet werden kann – im Kontrast zur krassen politischen Unterverantwortlichkeit (man kann´s ruhig und genauso höflich auch „politisch-ökonomische Ignoranz“ nennen) der Regierungen Ciucă (PNL) und Ciolacu (PSD) unterm Unschuldsschirm von Präsident Johannis ... ? Zwar wird der Haushalt 2026 mit einem Defizitziel von 6 – 6,5 Prozent des BIP aufgebaut, doch zweifelt man generell daran, dass dieses Defizitziel aufgrund der jüngsten finanziellen Zügellockerungen zu erreichen ist.
Uns steht ein schwieriges Jahr bevor. Wie oben erwähnt: es beginnt ja schon mit einer frischen Geldanleihe. Unter Umständen, wo der Konsum, einer der Motoren Rumäniens, durch die Steuererhöhungen, die Rentenbeschneidungen, die höhere Mehrwertsteuer und auch die neuerliche Anhebung der Akzisen arg ins Keuchen geraten ist. Bleibt die Hoffnung auf ein konsequenteres Abrufen der Rumänien zustehenden EU-Subventionssummen – die das Land bisher nie erschöpfend nutzen konnte! Und dass die Prognosen zutreffen, die immer noch von einem – allerdings gebremsten (um die 1–1,5 Prozent) – Steigern des Wirtschaftswachstums sprechen.
Erschwerend kommt aber zu alldem hinzu, dass wir es massenpsychologisch mit einer „Müdigkeit der Gesellschaft“ zu tun haben. Müde der ewigen falsch klingenden politischen Querelen, müde der Daueraufrufe zum Engerschnallen des Gürtels, müde sogar, ewig nur von der Notwenigkeit der finanziellen Sanierung des Landes zu hören. Müde auch, immer nur zu hören, dass man ab 2019 und bis vor Kurzem über seinen Möglichkeiten gelebt habe.
Bei all diesen Müdigkeitsverursachern kommt eine überraschende Meldung aus der Nationalbank BNR: Die Bürger Rumäniens stehen bei einem „Nettovermögen“ (das ist das Finanzvermögen plus schuldenfreies nichtfinanzielles Vermögen) von 1920 Milliarden Lei (382,4 Milliarden Euro) – wobei dieselben Bürger 2019, vor Ausbruch der Covid-Pandemie, ein Nettovermögen von 876 Milliarden Lei (175,2 Milliarden Euro) hatten ...





