In der Grundschule, vor rund 35 Jahren, gingen wir mit unserer Genossin Lehrerin in den [aguna-Park nahe der Honterusschule in Kronstadt/Brașov und umarmten einen alten Baum – mehr als zehn Kinder waren dafür nötig. Noch heute denke ich an dieses Erlebnis, wenn ich an der monumentalen Platane mit ihren sieben Verzweigungen vorbeigehe. Wunderschön und mächtig steht sie da – ein stabiler Bezugspunkt in einer Welt, die sich stark verändert.
Gemeinsam mit elf weiteren Baumarten prägt sie die Besonderheit dieses Parks.
Doch wie lange wird sie noch dort stehen? Sie hat es über 300 Jahre lang geschafft, nun haben Fachleute festgestellt, dass sie im Inneren eine Baumhöhle aufweist. Äußerlich wirkt der Baum weiterhin prächtig und zieht alle Blicke auf sich.
Auch viele andere Bäume in Kronstadt erscheinen gesund und werden dennoch zur Fällung markiert. Stellen sie tatsächlich alle eine Gefahr für die Stadt dar?
Fällungen und Misstrauen
Viele Kronstädter haben erlebt, dass Bäume in der Vergangenheit Bauprojekten weichen mussten und ihr Schutz für Behörden oft keine Priorität hatte. So gingen bereits zahlreiche Exemplare verloren. Erst im vergangenen Herbst wurden fünf Kastanienbäume auf der Burgpromenade gefällt, weil sie einem PNRR-Projekt im Wege standen. Die Setzlinge, die nach Protesten von Naturaktivisten gepflanzt wurden, werden erst in Jahrzehnten ausreichend Schatten spenden.
Besonders seit der Tragödie im vergangenen Sommer auf der Burgpromenade unter der Zinne/Tâmpa, bei der ein umstürzender Baum einen jungen Mann tötete, scheint es grünes Licht für weitere Fällungen zu geben. Der Baum hatte gesund gewirkt, soll jedoch von einem Pilz befallen gewesen sein. Weitere Bäume unter der Zinne wurden danach ebenfalls entfernt. Auch an anderen Orten der Stadt – etwa nahe dem Zentralfriedhof oder in der Panselelor-Straße – ereilte oder droht Bäumen dasselbe Schicksal. Offenbar handeln die Behörden nun besonders vorsichtig, um weitere Unglücke zu vermeiden.
Oftmals verlangen aber auch Bürger von den Behörden, hohe Bäume abzusägen, die ihrer Meinung nach eine Gefahr darstellen.
Streitfall Kiefernwald
Sehr schmerzhaft war für viele Einwohner auch der Verlust von über 120 Kubikmetern Kiefern in der Clo{ca-Straße, aus einem kleinen, aber besonderen Waldstück. Die dem Lokalrat unterstellte Forstregie RPL Kronstadt erklärte, die Bäume hätten schief gestanden und eine Gefahr für Passanten dargestellt. Baumgutachter Cristian }etcu betont jedoch, dass reife Kiefern selbst auf geneigten Flächen stabil seien, besonders wenn sie gruppiert wachsen und sich gegenseitig stützen. Auch die von der Internationalen Baumpflege-Gesellschaft (ISA) zertifizierte Baumpflegerin Andreea R˛ducu sieht in der Neigung keine Gefahr, sofern Wurzeln und Kronen entsprechend angepasst sind. Fotos aus dem Jahr 2009 zeigen, dass die Bäume bereits damals schief standen.
Forderung nach Transparenz und Mitspracherecht
Die Zivilgesellschaft fordert daher mehr Transparenz bei den Gutachten: Sind Bäume tatsächlich schwer geschädigt und gefährlich – oder gibt es Alternativen zur Fällung? Die neu gegründete Initiative „Scut pentru spații verzi“ beobachtet, wie die Stadtverwaltung mit Bäumen umgeht, nimmt an Messungen teil und setzt sich für Mitspracherechte ein. Gefordert wird, dass jeweils ein zertifizierter Baumpfleger sowie ein Vertreter der Zivilgesellschaft an der Einstufung gefährlicher Bäume beteiligt werden.
Essenziell sei außerdem ein langfristiger Managementplan für Grünflächen, der den Erhalt reifer Bäume und den identitätsstiftenden Wert der Anlagen priorisiert. Dieser Plan solle unter Einbeziehung der Öffentlichkeit und unabhängiger Experten entstehen. Zudem verlangt die Initiative wirksame Kontrollmechanismen, um missbräuchliche Fällungen unter dem Vorwand der Gefährlichkeit zu verhindern.
„Eine Stadt, die sich als grün bezeichnet, hat die Pflicht, die städtische Natur verantwortungsvoll zu bewirtschaften, wobei ein kohärenter Plan verfolgt wird, der auf Überwachung und Erhaltung setzt”, fordert die Initiative.
Eine Petition mit dem Titel „Arborii Brașovului nu sunt lemn de foc“ („Kronstadts Bäume sind kein Brennholz“) zum Schutz der Bäume wurde bereits über 2200 Mal unterzeichnet.
Kritik an Schnittmaßnahmen
Kritik gibt es auch an den Schnittmaßnahmen. Seit Jahren werden Bäume häufig zu stark und unsachgemäß zurückgeschnitten, sodass in vielen Straßen und Parks verstümmelte Kronen zu sehen seien. Experten warnen, dass solche Eingriffe Krankheiten begünstigen und die Stabilität beeinträchtigen können. Auch Bauarbeiten an Gehsteigen, die zu nahe an den Wurzeln erfolgen, können langfristige Schäden verursachen, etwa Standfestigkeitsverlust oder erhöhte Anfälligkeit für Fäulnis und Pilze.
Auch wenn die Schnittarbeiten nur eingeschränkt empfohlen werden und grundsätzlich nur bei Bedarf erfolgen sollten – etwa bei Totholz oder notwendiger Kronenreduzierung – sind Arbeiter dennoch sogar an bitterkalten Tagen mit Motorsägen unterwegs. Ihre unsachgemäßen Eingriffe erhöhen das Risiko für Pilzbefall, Austrocknung und Schädlingsbefall. „Bäume sind keine Gartenrosen“, heißt es aus der Zivilgesellschaft.
Schäden durch Bauarbeiten
Zudem wird mangelnde Rücksicht bei Bauprojekten kritisiert. Als im vergangenen Oktober der Spielplatz im Zentralpark „Nicolae Titulescu“ erneuert wurde, beschädigten Bagger die Wurzeln einiger Bäume. Nun sind diese geschwächt.
Das ist kein Einzelfall.
Deswegen ruft die Initiative Bürger dazu auf, Probleme zu melden und beim Bürgermeisteramt Bewertungsbögen sowie technische Gutachten für beschnittene Bäume einzufordern.
Warum Städte Bäume brauchen
Spätestens die extremen Temperaturen, Überschwemmungen, Stürme und Gewitter der letzten Jahre zeigen die Folgen des Klimawandels deutlich. Menschen, Tiere und Pflanzen leiden darunter. Sich für den Schutz der Umwelt zu engagieren, ist daher keine Option mehr, sondern ein Muss.
Bäume liefern Sauerstoff, filtern Schadstoffe und Feinstaub, spenden Schatten, fördern die Grundwasserbildung und reduzieren Überschwemmungsrisiken. Gleichzeitig sind sie Lebensraum für zahlreiche Arten und prägen die Identität einer Stadt. Grünflächen verbessern die Lebensqualität, fördern Gesundheit und Wohlbefinden und machen Städte attraktiver.
„Die Bürger haben nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung, ihre Stadt mitzugestalten. Grünflächen brauchen echten Schutz, kontinuierliche Pflege und eine langfristige Vision“, fasst „Scut“ zusammen.
Auch in anderen Städten engagieren sich Bürger für den Schutz der urbanen Natur und stemmen sich gegen teils drastische Schnittmaßnahmen, die Baumkronen kahl und verunstaltet zurücklassen.
Informationstour am Samstag
Am Samstag, den 28. Februar, um 14 Uhr können Interessierte im Rahmen einer zweistündigen Tour im [aguna-Park erfahren, wie der Gesundheitszustand von Bäumen bewertet wird, wie man sie schützen kann und welche Alternativen es zu Fällungen gibt. Der international zertifizierte Baumpfleger Alex Purcaru und Cristian }etcu erklären dabei auch, wa-rum ein Baumregister und ein Managementplan für die Stadt unerlässlich sind – und welche Lösungen es gibt, um die monumentale Platane für kommende Schülergenerationen zu bewahren.







