„Ich bin Demokrat, weil ich an den Sündenfall des Menschen glaube“, sagte C. S. (Clive Staples, „Jack“) Lewis (1898-1963), ein Literat, Philosoph und Professor sowohl in Oxford, als auch in Cambridge (zeitweilig gleichzeitig), heute noch einflussreicher Denker im Religionsbereich. Er beeilte sich, hinzuzufügen: „Ich glaube, die meisten Menschen sind aus dem gegenteiligen Grund Demokraten.“
Mit der Erwähnung des Sündenfalls des Menschen, von dem C. S. Lewis glaubt, dass ihm alle unterliegen, grenzt er sich radikal ab von der allgemeinen Demokratiesicht der Menschheit, die von Jean Jacques Rousseau und dessen Überzeugung von der Natur-Güte des Menschen und dessen ausgewogenem Naturell hergeleitet wird. Aufgrund dieser beiden Voraussetzungen sei es im weitesten Sinn möglich, dass jedes Mitglied der Menschheit jederzeit die anderen Mitglieder der Menschheit regieren kann.
Für C. S. Lewis ist die Demokratie hingegen kein ideales politisches System, geführt von Vertretern einer idealisierten egalitären Menschheit, die sich nach der Idee einer „natürlichen“ und „demokratischen“ Exzellenz orientiert. Die Idee der „egalitären“ Menschheit verbarrikadiere die reelle Diversität, verneine die Individualität und die individuellen Fähigkeiten, die fatal mehr oder weniger entwickelt sind, unterschiedlich von Mensch zu Mensch. Die größte Gefahr, die Lewis in der egalitären Sichtweise auf die Menschheit sieht, besteht darin, dass „wir anfangen, uns eine Art unterentwickelten selbstgefälligen Intellekt herauszubilden, der jedwelche Überlegenheit zu hassen beginnt.“
Damit sind wir, nach weitausholendem Eingehen auf die Überlegungen zur Demokratie des geachteten Oxonianers, beim Heute. Wo Kompetenzen von Wissenschaftlern und Fachleuten als „nebensächlich“, „unbedeutend“, „verzichtbar“ angesehen werden angesichts der Fülle von Informationen, die uns KI und das Internet im Allgemeinen bieten – Hauptsache mit einem Klick im Internet oder surfend auf sozialen Netzwerken kriegst du eine summarische Information zu deinen Fragen – die dich völlig zufriedenstellt ... Selbst wenn es sich um deinen Körper und deine Gesundheit handelt – das Internet ist tausendmal gescheiter als jeder Arzt, der dich untersucht ... So kommt es, fatal, auch, dass wir (letztendlich gerichtlich gestürzte) Präsidentschaftskandidaten haben, die felsenfest und stupide-steif behaupten, Rumänien müsste sich von den EU-Fesseln Brüssels befreien, wobei sie höchstpersönlich garantieren, dass bei einem souveränistischen Führen des Landes weiterhin Ströme von EU-Geldern fließen müssen – denn schließlich seien die Rumänien das gotterwählte Volk, das eine zentrale Stellung im Universum einnimmt. Außerdem gehe die Sonne im Osten und nicht im Westen auf ... also müsse man sich „naturgemäß“ nach der Sonne orientieren.
C. S. Lewis geht aber noch weiter: da der Mensch Fehler habe und sündig sei, sorge die Demokratie auch dafür, dass kein Mensch in den Besitz einer übergroßen Machtfülle gerät, mehr noch: dass die Macht eines Menschen, in demokratischen Vorgängen verliehen, endlich ist. Und da das Ideal des Renaissance-Menschen nie zu erreichen ist, Menschen also nie und nimmer in allen Bereichen herausragend gebildet sein können – ALLES-Könner gibt es nicht! – müssen sich die Menschen eben zusammentun, damit die Fähigkeiten des einen mit denen der anderen harmonieren können. Damit aus Teil-Perspektiven Gesamtsichten entstehen. Unerlässlich dazu: Dialog, Verhandlungen und „Deals“, aber auch Regeln – letztendlich bedarf es der Ratio, des Verstandes. So gesehen sei „Demokratie“ auch ein ununterbrochenes „Meistern von Krisen“.Nur mit Demokratie und Ratio könne man dem Dauerbedürfnis der Menschheit nach einem „Immer Besser“ genüge tun.
So wird aus „Demokratie die schlechteste Regierungsform, abgesehen von all den anderen“. (Churchill)





