CNSAS, dem rumänischen Pendant der Gauck-Behörde, wird also 25 Jahre nach seiner unter Geburtswehen erfolgten Gründung und 36 Jahre nach der angeblichen Wende immer noch kein uneingeschränkter Zugang zum Aktenberg gewährt, den die diversen Zweige der Securitate, der kommunistischen Überwachungs-, Terror- und Mordorganisation, angehäuft haben. Das lässt Raum für Spekulationen offen und oft zeigt´s sich, dass die Spekulierer recht hatten. Die vorgeschobenen „Staatsgeheimnisse“, die angeblich gehütet werden, sind in manchen Fällen bloß Deckung für aufgefrischte Ambitionen der „Ehemaligen“.
Einerseits gelangte ein ehemaliger Auslandsspion der Securitate, Silviu Predoiu, an die Spitze des Auslandsgeheimdienstes SIE. Er war zwischen 2005 und 2018 erster Stellvertreter vom amtierenden SIE-Direktor. Aufgabe des ersten Stellvertreters ist die Koordinierung der ausländischen Informanten. Mehrmals, kumuliert vier Jahre, war er in dieser Periode auch SIE-Interim-Chef. Er ging als Vier-Sterne-General in Rente. Hat also eine Rente, die an 39.000 Lei grenzt (nur zehn Militärrichter haben zwischen 43.000 und 56.000 Lei Rente), plus gewisse Benefizien: Teilbegleichung von Kur- und Krankenhausaufenthalten, teilweise Übernahme seiner privaten Stromkosten. Predoiu gehörte zu den Präsidentschaftskandidaten 2024-2025.
Dass er das werden konnte, verdankt er der Tatsache, dass SIE nur teilweise – akribisch gesichtet und selektiert – sein Archiv an CNSAS übergeben hat. 2010, als CNSAS Silviu Predoiu erstmals überprüfte, folgte sie ihm ein Unbedenklichkeitspapier aus (dass er weder Angestellter noch Kollaborateur der Securitate war), weil sie zu ihm keine Akte fand... – die war gut verwahrt bei SIE...
2024 gelangte dann die Information an die Öffentlichkeit, auch im Kontext, dass Rumänien bereits einmal einen Securitate-Kollaborateur als Präsidenten hatte – Traian B²sescu („Petrov“, wie es dazu kommen konnte, ist nicht ernsthaft nachgeforscht worden...). Dass Predoiu Securitate-Aktiver war, wurde 2024 nachgewiesen, aufgrund eines „neuen und noch unbearbeiteten Papiers vom Januar 2021“ – eine interne Übersichtsliste des SIE – die aus der Zeit stammt, als der General bereits in Rente war. Lies: die Liste nicht von Amts wegen verhinderte... Nachfragen bei SIE allerdings blitzen ab: es handle sich um „Staatsgeheimnisse“.... Demzufolge gibt´s auch keine Antworten auf die Frage, wieso ein ehemaliger kommunistischer Securitate-Mann (1987 bis 1989 allerdings unter dem Decknamen „Pumnea Silviu“) fast anderthalb Jahrzehnte einem Geheimdienst des angeblich neuen demokratischen Rumänien vorstehen konnte und dann seelenruhig mit fetter Rente „a.D.“ wurde, um fürs Präsidialamt zu kandidieren.
Bis heute weiß man nicht, auf wie vielen Securitate-Akten SIE noch sitzt, und man kennt auch keine Erklärung seitens SIE betreffs des Grundes der Verweigerung ihres Rausrückens.
Zum anderen ominösen Präsidentschaftskandidat, Călin Georgescu, der bloß auf der Ziellinie unter letztendlich diskutabel-nebulösen Vorwänden (bei lahmer Beweislage) gestoppt wurde (und dessen Untersuchungsdossier jetzt staatsanwältlich mit Eifer untern Teppich gekehrt wird...), hat CNSAS von SIE überhaupt keine Antwort bekommen. Die plausiblen Verdachtsmomente, dass CG ein Securitate-Mann im Dienste der SIE war, als er jahrelang in Wien „aktivierte“ (wobei bis heute nicht klar ist, wovon er in Österreich gelebt hat..) und vor 1989 „Missionen“ in den USA und im Vereinigten Königreich wahrnahm, als kein Normalbürger Rumäniens einen Pass besass – SIE schweigt heute zu diesen öffentlichen Fragen. Gezielt nachgefragt hatte CNSAS im Herbst 2024... Standardantwort des Auslandsgeheimdienstes: die Aktivitäten der Institution unterliegen dem Staatsgeheimnis. Basta!
Mit wem ersetzt wohl Präsident Dan Gabriel Vlase (seit 2018 SIE-Direktor)?





