Randbemerkungen: Stolpert ein Autokrat über einen Journalisten?

Orbán Viktor (eigentlich „Gyözö“), Ungarns Autokrat, liefert sich durch unterstellte Institutionen und Personen, auch vollmundig, eine Schlammschlacht versus den Herausforderer, den seiner FIDÈSZ entsprungenen Péter Magyar.

Die ursprünglich liberale FIDÈSZ – Magyar Polgári Szövetség/Ungarischer Bürgerbund wurde im März 1988 von 37 jungen Intellektuellen gegründet als „Bund junger Demokraten“, liberal, und redete am Ungarischen Runden Tisch ein Wort mit. FIDÈSZ leitet sich vom lateinischen „fides“ ab, „Treue“, auch „Glaube“. Viktor Orbán übernahm 1993 deren Führung und führte sie 2010 an die Regierungsspitze, wo er sie bis jetzt hält. Durch Nutzung von Medien- und Staatsmacht, Geld, Geheimdiensten, Thinktanks und persönlichen Allianzen verankert er seine Idee des rechtskonservativen, z.T. hart an Faschismus und Nationalismusideen des 19. Jahrhunderts vorbeischrammenden Illiberalismus weit über Ungarn hinaus und hat auch in Siebenbürgen viele Parteigänger, die, durch von ihm initiierte ungarische Staatsbürgerschaft, zum ungarischen Wahlvolk gehören.

Ein kleiner nationaler Regierungschef wurde zum Mentor, Vorbild und Architekten einer politischen Neuausrichtung Europas – und zur akuten Bedrohung für die EU, für die Grundidee der Staaten-, Denk- und Wirtschaftsgemeinschaft.

Orbáns 17 Jahre jüngerer Herausforderer, Péter Magyar (Jg.1981), Anwalt, EU-Parlamentarier, entstammt einer im ungarischen Justizsystem und der Landespolitik fest verwurzelten Familie: Seine Mutter, Mónika Eröss, war Generalsekretärin des Obersten Gerichtshofs und ab 2020 Vizepräsidentin des Nationalen Justizamtes. Seine Großmutter, Teréz Mádl, ist die Schwester des Ex-Präsidenten Ungarns, des deutschstämmigen Juristen Ferenc Mádl (2000-2005). Zwischen 2006 und 2023 war Péter Magyar mit Judith Varga verheiratet, die zwischen Juli 2019 und Juli 2023 Justizministerin Ungarns war und zu den prominenten FIDÈSZ-Spitzenfrauen gehört(e). Nachdem P. Magyar unter Protest aus der FIDÈSZ ausgetreten war, trat er 2024 der TISZA-Pàrt (Tisztelet és Szabatság-Párt – Ehrerbietung/Respekt und Freiheits-Partei) bei und schaffte bei den Europawahlen um die 30 Prozent, was ihn, mit weiteren sechs TISZA-Leuten, ins EU-Parlament hievte. Seither bedroht und bedrängt TISZA die FIDÈSZ. Liegt in der Sonntagsfrage mehr oder weniger komfortabel vor dieser.

Der Wahlkampf Orbáns ist mehr als schmutzig. Von Spionage bis Landesverrat (bei den seit Generationen – eigentlich seit 1867 – auf sturen Patriotismus getrimmten Ungarn eine Todsünde), mit eindeutig aus dem Finger gesogenen Vorwürfen (aus voller Brust und im totalen Überzeugungston vorgetragen und von den regierungstreuen Medien hinausposaunt), mit Einschaltung des Justizministeriums (gegen den Investigativjournalisten Szabolcs Pányi, der angeblich die Telefonnummer des mit Russlands Außenminister Lawrow sich „beratenden“ Péter Szíjjártó an „ausländische Geheimdienste“ weitergegeben haben soll – als ob ein Geheimdienst(ler) von Journalisten die Telefonnummer eines Außenministers verlangen müsste!) Die Rede ist auch von Geld- und Diamantentransporten aus Russland mit ungarischen Regierungsflugzeugen, von ukrainischen Spionen und ungarischen Handlangern, von Anspuckplakaten mit den Konterfeis der EU-Ursula und Selenskijs als Erzfeinde Ungarns usw. Das Freund-Feind-Verständnis steht auf primitivster Ebene. Auch ein bisschen Sex-Skandal droht, dank eines angeblichen Sexvideos mit Magyar, erkauft von einer Ex-Freundin, dazu Kinderpornographie, angeblich von IT-Fachleuten der TISZA-Pártei. Orbán spannt auf Staatskosten die internationale Rechte ein (auch Alice Weigel zeigte sich, neben Argentiniens Rechtsstar Javier Milei, Trump grüßte per Video) zur Conservative Political Action Conference (CPAC) in Budapest.

Laut Umfragen hat´s Orbán bisher nix genutzt.