Im Kreisrat Karasch-Severin sitzt seit mehreren Legislaturperioden ein Vertreter, der konsequent die Interessen der Kurstadt vertritt, aus der er kommt: Doru Co{ei sein Name. Ein PNL-Mitglied, was nur insofern Erwähnung verdient, als der Mann bisher nur dieser Partei angehört hat, für die er auch im Stadtrat Herkulesbad/B˛ile Herculane sitzt. Kreisratsmitglied Coșei ist derjenige, der immer wieder Fragen und Probleme seiner Herkunftsstadt und ihrer Bürger aufs Tapet des Kreisrats bringt und der ausreichend Prinzipienfestigkeit und Ausdauer beweist, um sich nicht leicht abwinken zu lassen.
Neuerdings hat er wieder die Frage der Thermalwasserquellen von Herkulesbad aufgeworfen – von denen alles abhängt, seit die Bade- und Kuranlagen der Stadt von Tiefbohrungen in den Nutzungsperimetern B˛ile Herculane IA (mit den Quellen Hercules I und Apollo II) und Hercules IB (mit den Quellen Diana III, Neptun I+IV, Neptun II, Neptun III, 4571 Traian und 511 H) versorgt werden müssen.
Stauwerke und Quellversiegen
Warum die fast 2000-jährige Ortschaft, welche die Römer dank ihrer Linderung spendenden Thermalquellen dem Herkules und der Hygäea geweiht haben, auf Förderung mittels Tiefbohrungen nach dem in rund 1000 bis 1500 Meter Tiefe aufgeheizten und mit Schwefel und Mineralien angereicherten Thermalwasser hoffen muss, um den Badebetrieb aufrechtzuerhalten, das geht vor allem auf das Wahnsinns-Investieren mit dem Ziel der energetischen Autarkie um JEDEN PREIS zurück, das Ceau{escu etwa ab den ersten beiden Erdölkrisen der 1970er Jahre (nach 1973 und 1979) entfesselte. Indem nämlich am Oberlauf der Cerna, dem Fluss, an dem Herkulesbad liegt, zwei Stauwerke errichtet wurden, von denen Wasser der Cerna, neben der Erzeugung von Elektroenergie, auch ins benachbarte Oltenien zu den dortigen Braunkohlen-Wärmekraftwerken geleitet wird, was die Durchflussmenge der Cerna in Herkulesbad und auf der Strecke, wo die hydrothermalen und Heilquellen entspringen, auf etwa ein Drittel reduzierte. Quellen versiegten oder verringerten maßgeblich ihre Durchflussmengen, da ursprünglich von in den Kalksteinbergstock des Domogled einsickerndem Cerna-Wasser gespeist. Appelle von Journalisten und Umweltbewussten in den 1980er Jahren (der Planungs- und Bauzeit der Stauwerke), auch in und aus den Lokalmedien, dem Wahnsinn des Wasserkraftwerksbaus um jeden Preis Einhalt zu gebieten – auch wegen dem als zu hoch gefundenen Preis der „Trockenlegung“ eines 2000-jährigen Badekurorts von bestem internationalen Ruf – verhallten fast ungehört.
Thermalwasser und PSD-Politik
„Fast“, weil man schließlich die obengenannten Tiefenbohrungen auf der Suche nach dem versiegenden Heilwasser durchführte. Und fündig wurde. Herkulesbad lebte weiter – und erlebte nach der Wende die in unserer Zeitung wiederholt dargestellten Raub-„Privatisierungen“, an deren Folgen der Bade- und Luftkurort heute noch leidet. Vor allem der historische Teil aus dem 18.-19. Jahrhundert, den Kaiser Franz Joseph I. einst den „schönsten Kurort“ seiner Monarchie nannte. Von dem original nahezu nichts mehr zu sehen ist, wo bis 1989 noch viel vorhanden war, einschließlich das „Kaiserzimmer“ im Hotel „Kronprinz Rudolf“.
Doch diese Tiefenbohrungen, deren Ertrag durch Lizenzübernahme von der Nationalen Agentur für Mineralische Ressourcen (ANRM) an die Hotels und Kuranlagen mittels eines Verteilerunternehmens weiterverkauft wird, sind zum Problem und Haken der Thermalwasser-Versorgung des Kurorts geworden. 2024 ist die Nutzungslizenz für die beiden ergiebigsten Perimeter, Herculane IA und Herulane IB, abgelaufen (sie galt laut Regierungsbeschluss 3079 seit dem 6.2.2004 bis 5.2.2024). Lizenzinhaber war (und ist…) die Gesellschaft Hercules SA.
Hercules SA ist seit 2015 in Insolvenz. Ihr auf 36 Monate – drei Jahre - angesetzter Reorganisierungsmodus ist natürlich ebenfalls bereits abgelaufen. Geschehen ist nichts. Wie eigentlich bei allem, wo der von den PSD-Seilschaften aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten Ion Iliescu unterstützte Ex-PSD-Abgeordnete und PSD-Vorzugs-„Unternehmer“ Iosif Armaș – ein ehemaliger Türsteher des Herkulesbader Ex-Luxushotels „Roman“ – seine Finger im Spiel hat.
Vom Türsteher zum Vorzugs-Unternehmer
Arma{, der Ex-Türsteher, ist der Schwiegersohn des ehemaligen Ceau{escu-Leibarztes, des „Erfinders“ der kommunistischen Leitlinien „zur gesunden Ernährung des Volkes“ – deren Folge die Lebensmittel-Bezugsscheine waren – und Ex-Gesundheitsministers der Nach-Wende-Zeit, Univ.-Prof. Dr. Ion Mincu...
Sein Vermögen hat Arma{ angeblich in der Zeit nach 1989 „verdient“, indem er sich mit Sondergenehmigung der PSD-Regierungen als Schuldeneintreiber bei Drittwelt-Staaten betätigen durfte, überall, wo die Sozialistische Republik Rumänien bis 1989 auf Borg (vor allem) in afrikanischen Staaten Fabriken und Anlagen (zum Beispiel Erdölraffinerien) gebaut hat. Armaș, gegen den seit anderthalb Jahrzehnten Ermittlungen der Antikorruptions-Staatsanwaltschaft DNA laufen (die bis heute – natürlich - nicht finalisiert sind…), ist auch der Hauptschuldige am Ruin des historischen Teils des Badekurorts Herkulesbad. Das historische Vermögen und Kulturerbe von Herkulesbad ist ihm in der PSD-Regierungszeit von Adrian Năstase durch den damaligen Tourismusminister Dan Matei Agathon nach Geheimverhandlungen, ohne Ausschreibung, faktisch geschenkt worden. Vertragsdetails sind bis heute nicht (zur Gänze) öffentlich. Auch die SC Hercules, die Lizenzbesitzerin für die Nutzung der Thermalwässer, gehörte zum Arma{ zugeschanzten Besitz… Und wie alles, was er zu Beginn des zweiten Jahrtausends sozusagen parteiintern von Agathon „bekam“, nutzte er auch das Herkulesbader Vermögen, bis er es bis zur Pleite herunterwirtschaftete.
Beratungsresistent, sonst aber „clever“
ANRM weigerte sich 2024, der Hercules SA die Lizenz zu verlängern. Im Begründungsschreiben heißt es sogar, dass der Hauptgrund der Weigerung die Tatsache ist, dass die Lizenznutzungsfirma keine der empfohlenen Maßnahmen von ANRM (aufgrund der Kontrollen von 2018, 2019 und 2020 – siehe Fotos) auch nur im Ansatz umgesetzt hat. Zudem hatte das Verlängerungsansuchen der Hercules SA um weitere fünf Jahre Lizenz – was aufgrund des Bergbaugesetzes möglich wäre – zahlreiche Lücken, die von Hercules SA nicht ausgefüllt wurden. Etwa verfügt sie über keine Lizenz zur Gewässernutzung. Sie konnte auch keine Analysen der geförderten Wässer anhängen. Die Bohrungen sind nicht mittels Schutzgelände rundherum abgesichert worden. Für die schriftlich versprochenen Investmentvorhaben konnte die Lizenznehmerfirma keinerlei Finanzierungsquellen angeben.
Bevor ANRM das Verlängerungsansuchen beschied, schickte sie nochmal ein Kontrollteam nach Herkulesbad, das alles genauso mangelhaft vorfand, wie die Kontrollteams der vorangegangenen Jahre. Also wurde die Lizenzverlängerung abgelehnt. ANRM schrieb, es gäbe im Ort ja weitere Lizenznehmerfirmen (für die anderen Thermalwasserquellen), die den Part von Hercules SA in der Heilwasserversorgung des Kurorts – Behandlungsanlagen wie Hotels – übernehmen können und die entzogene Lizenz werde ja neuerlich ausgeschrieben, stehe also anderen zur Verfügung.
Vom Nutzen lang hingezogener Prozesse
Erst zankten sich daraufhin das Rathaus Herkulesbad und der Kreisrat Karasch-Severin – noch unter Romeo Dunca – darum, wer um die Lizenz antritt, wobei Herkulesbad mit dem Argument der Tradition punkten wollte („aber Geld geben muss der Kreisrat“) und der Kreisrat seine Firma AquaCara{ vorschob, die sowohl das Knowhow, als auch eine umfangreiche Expertise in Wasserbewirtschaftung hat, inklusive die Technik und das Wissen, um Verteilernetz-Sanierung und -Ausbau vorantreiben zu können – zum Teil genau das, was von ANRM beim vorherigen Lizenznehmer als fehlend beanstandet wurde.
Das Hin und Her zwischen Rathaus und Kreisrat ging bisher unentschieden aus, so dass die vielbescholtene Hercules SA als „Sieger“ im Ring geblieben ist. Auch der Prozess der Hercules SA gegen ANRM, der 2015 begann, ist ebenfalls noch unentschieden, so dass, weil ein Urteil aussteht, die Hercules SA, ohne irgendetwas verbessert zu haben von dem, was seit 2018 beanstandet wird, weiterhin Thermalwasser verteilt – und dafür Geld kassiert. Allerdings – und darauf wollte Kreisratsmitglied Co{ei verweisen – ist dieses Provisorium sehr fragil und die Ausweichmöglichkeit, auf die ANRM hinwies (die weiteren Firmen, die Lizenzen für Thermalwasser vorweisen können) seien unsicher, meint der Lokal- und Regionalpolitiker.
So kommt es, dass der Badekurort Herkulesbad mit dem Unsicherheitsfaktor der Versorgung mit hydrothermalem Heilwasser „leben“ muss. Das ihm jederzeit – durch einen unerwarteten Gerichtsbeschluss, durch Gesetzesänderungen, durch endliches Greifen/einfaches Umsetzen der Wirtschaftsgesetze betreffs Insolvenz usw. – abgegraben werden kann.