„Wenn die Kunden hier etwas kaufen, tragen sie zur Restaurierung der Schwarzen Kirche bei“

Interview mit Edith Olosz, Geschäftsführerin von INSPIRATIO

Edith Olosz bei einer Vernissage in der INSPIRATIO-Galerie | Foto: privat

Seit August 2020 birgt das Haus auf dem Honterushof Nr. 8, direkt gegenüber dem Haupteingang in die Schwarze Kirche, einen kleinen Schatz. INSPIRATIO ist der Geschenk- und Souvenirladen der Schwarzen Kirche. Hier findet man Produkte von über 200 Künstlern und und Bio-Ware von Herstellern aus Siebenbürgen und entdeckt, wie kreativ diese Branche in Rumänien ist. 

Touristen, aber auch Kronstädter, die auf der Suche nach einem Geschenk sind – sei es für sich selbst oder für jemand anderen, sind fasziniert von diesem einzigartigen Geschäft. Doch INSPIRATIO ist mehr als nur ein Souvenirladen im Herzen der Stadt – jeder Kunde, der hier einkauft, trägt zur Erhaltung des einzigartigen Kulturerbes der Schwarzen Kirche bei. 

Hier findet man unter anderen T-Shirts bedruckt mit den Malereien und Linoldrucken der Kronstädter Künstlerin Àgnes Ferencz , Garten- und Kräutertees von Irina Neac{u, Rhabarber und Stachelbeermarmelade, die von Hermann Kurmes in Măgura hergestellt wird, Cremes von Goji Republic, einem Unternehmen, das in Zeiden Goji züchtet, Filz-Lesezeichen in Schlangenform, Trüffel-Zacusca und Zeppeline aus Keramik. Eine interessante Neuigkeit ist das Buch des Kochs mit taiwanesisch-rumänischen Wurzeln Haan Palcu-Chang, der zusammen mit seiner 93-jährigen Großmutter in Kanada mit Rezepten aus Rumänien für Furore sorgt. Die Instagram-Reels, in denen die beiden „Ciorbă de perișoare” und „Tocăniță” kochen, haben Hunderttausende Likes gesammelt. 

Über andere Neuigkeiten im Laden, über die Künstler, die in der Galerie im oberen Stockwerk ausstellen und über die Gemeinschaft, die sich in den letzten fünfeinhalb Jahren um INSPIRATIO gebildet hat, sprach ADZ-Redakteurin Elise Wilk mit der Geschäftsführerin Edith Olosz. 


Frau Olosz, INSPIRATIO ist nicht nur der schönste Souvenir-Laden der Stadt, sondern auch ein wichtiger Treffpunkt der Künstlerszene. Was gibt es Neues in der Kunstgalerie? 

Wir organisieren jeden Monat eine neue Ausstellung. Die letzte, in der wir Kronstadt-Grafiken von Eugen Moga gezeigt haben, hatte einen Riesenerfolg. In drei Wochen wurden alle 40 Exponate verkauft. Das auch dank des Künstlers, der sehr charismatisch ist und mit seinen 84 Jahren noch wahnsinnig aktiv. Moga ist eigentlich Biologielehrer, hat aber ein Leben lang als Stuntman gearbeitet, in Filmen mitgespielt und in Kronstadt eine Stunt-Schule gegründet. Seit 15 Jahren gibt er eine Zeitschrift heraus, speziell für das Schei-Viertel, mit Geschichten über Häuser und Menschen aus diesem Stadtteil, die er aus seiner Rente finanziert. Er hat die Kunstschule, Abteilung Grafik und Bildhauerei, bei Professor Harald Meschendörfer absolviert und schon in der ganzen Welt ausgestellt. Moga stellt Grafiken nach alten Fotos her, auch von Gebäuden, die es heute nicht mehr gibt, wie die reformierte Kirche, an deren Stelle das ARO-Hotel gebaut wurde oder das Tor vom Rossmarkt. Ich hatte ihn gefragt, ob er irgendwann auch ein Buch mit seinen Grafiken herausgeben wird. Er fand die Idee gut. Das dreisprachige Buch wird in Kürze erscheinen und in unserem Laden erhältlich sein. 

Zurzeit kann man bis zum 15. März eine Ausstellung der in Kronstadt lebenden Mirela Patra{ bewundern, die bei Magda Vacariu Malen gelernt hat. Danach folgt eine Ausstellung des Künstlers Emilio Pica, der auch über 80 Jahre alt ist, in Kronstadt geboren ist und jahrelang in Kanada gelebt hat. Vor einiger Zeit ist er mit seiner Familie nach Rumänien gezogen. 

Wie wählen Sie die Künstler aus, die in der Galerie ausstellen?

Die Künstler bewerben sich bei uns. Es gibt ein Auswahlgremium, das unsere Ausstellungen kuratiert. Im Auswahlverfahren wird nicht nur beachtet, dass die Werke künstlerisch den Anforderungen entsprechen, sondern sie sollen auch den kirchlichen Werten, die wir vermitteln, treu sein. Als Rahmenprogramm zu den Ausstellungen organisieren die Künstler oft Workshops oder Diskussionen. Auch siebenbürgisch-sächsische Künstlerinnen haben bei uns ausgestellt – wie etwa Carmen Elisabeth Puchianu oder Renate Mildner-Müller und Edith Schlandt. 

Inzwischen gibt es sicher ein Stammpublikum, das die Vernissagen besucht, mit den Künstlern in Dialog kommt und auch manche Werke kauft. 

Genau. Wir schicken unsere Einladungen an eine Liste von Kunstliebhabern, wir bekommen auch von unserem Publikum Empfehlungen. Im Laufe der Jahre haben wir manche Freundschaften geschlossen. Wir sind auch sehr offen für Events, die man uns empfiehlt. Doch wir haben nicht die Möglichkeit, alles selbst zu organisieren. Wir vermieten aber den Raum für Events und die Künstler sind dabei sehr kreativ. Ebenfalls wichtig sind Kontakte mit Kronstädter Unternehmen. Somit werden Präsentpakete für verschiedene Ereignisse zusammengestellt, kreative Workshops für Angestellte oder Gäste und Events wie Wein- und Kaffeeverkostungen organisiert. Ebenfalls bieten wir für die Gäste der Unternehmen Sonderführungen und Privatkonzerte in der Schwarzen Kirche an. 

Der Souvenirladen im Erdgeschoss ist eine wahre Schatzkiste – jedes Mal wenn man ihn besucht, entdeckt man etwas Neues. Zum Beispiel gibt es aktuell viele von lokalen Künstlern angefertigte Märzchen, die auch zu anderen Anlässen als Brosche getragen werden können. Oder gestrickte Ice-Age-Figuren, die man als Schlüsselanhänger verwenden kann. Hier findet man die bekannten Kronstädter Keramik-Häuschen von „Little Houses“ und wunderschöne Leder-Portemonnaies, die in Szeklerburg/Miercurea Ciuc hergestellt sind.

Wie machen Sie all diese Produkte ausfindig? 

Ich finde sie oft auf Märkten in Sankt Georgen/Sfântu Gheorghe und Kronstadt. Es bewerben sich auch unendlich viele Künstler und Produzenten direkt bei uns. Vor Kurzem hat mich eine Künstlerin aus Tschechien angeschrieben, sie stellt wunderschönen Silberschmuck her – leider passt es aber nicht zu unserem Konzept. Hier kauft man nur in Rumänien produzierte Ware.  

Viele Gegenstände werden von Leuten hergestellt, die jahrelang in Großunternehmen gearbeitet haben und dann ihre Liebe zum Handwerk entdeckt haben. Wie auch die Frau, die die gestrickten Sid-Figuren herstellt. Jeder Gegenstand hat eine Geschichte. 

Welche Neuigkeiten findet man im Laden? 

Relativ neu und sehr beliebt ist das Trüffelpulver, das man zum Beispiel auf Pasta streuen kann oder die Trüffelchips. Sie werden von dem Unternehmen der Siebenbürger Sachsen Annemarie und Erich Jikeli aus Târn²veni hergestellt und verkaufen sich gut. Von Hermann und Katharina Kurmes aus M²gura gibt es seit vielen Jahren Marmelade, das Etikett stellen wir selbst her. Seit Kurzem hat er Mirabellen-Schnaps hergestellt. Auch die Schokoladenprodukte der Firma Kokowa aus Sankt Georgen sind von sehr guter Qualität. Die kleine Fabrik werden wir demnächst besuchen. In unseren Teambuildings besuchen wir oft Lieferanten, damit wir sie besser kennenlernen. Dann können wir die Produkte besser verkaufen. 

Eine interessante Neuigkeit ist auch das Kochbuch von Haan Palcu-Chang, einem jungen Koch aus Kanada mit taiwanesisch-rumänischen Wurzeln. Meine Tochter hat ihn auf Instagram entdeckt und ich habe ihn kontaktiert und gefragt, ob er sein Buch mit neu interpretierten rumänischen Gerichten nicht in unserem Laden verkaufen will. Er war ganz begeistert davon und hat auf einer Rumänienreise sogar unseren Laden besucht. 

Das englischsprachige Buch mit schönen Illustrationen ist für jeden, der auf der Suche nach einem schönen Geschenk ist – die rumänischen Rezepte sind mit Anekdoten verbunden. Überhaupt haben wir viele Bücher, die schön sind zum Verschenken. 

Was verkauft sich am besten? 

Da ist saisonal abhängig. Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und das Wetter immer schlechter, wird viel Schokolade gekauft. Jetzt, Ende Februar, kauft man viele Märzchen. 

Die heutige wirtschaftliche Lage ist nicht die beste. Wie widerspiegelt sich dies im Kaufverhalten der Kunden? 

Ja, es ist schwieriger als sonst. Wir haben es auch bemerkt – Leute sind vorsichtiger beim Einkaufen. 

Doch wir konzentrieren uns auf unsere anderen Projekte. Wir bieten immer wieder neue Ausstellungen in der Galerie. Das Jahr 2026 ist komplett ausgebucht und die Hälfte des Jahres 2027 auch. Ebenfalls versuchen wir, die Kirche und ihre Werte den Kindern näher zu bringen. Das Kirchenführerprojekt in der Schwarzen Kirche konnte in diesem Jahr nicht weitergeführt werden, doch wir haben fünf Kirchenführer in Teilzeit angestellt. Vier davon waren früher ehrenamtliche Kirchenführer. 

Viele Besucher von INSPIRATIO sind Ausländer, die den Laden entdecken, wenn sie hier Eintrittskarten für die Schwarze Kirche kaufen. Aus welchen Ländern kommen sie? 

Ja, im Sommer kommen viele Deutsche. In letzter Zeit hatten wir viele Italiener zu Gast – das liegt daran, dass es jetzt Flugverbindungen zwischen Kronstadt, Neapel, Mailand und Rom gibt. Es kommen auch viele Besucher aus den Vereinigten Staaten, aus Ungarn, Spanien oder Israel in den Laden. Die Amerikaner kaufen auch im Sommer Weihnachtsschmuck – deshalb steht er das ganze Jahr hindurch in unserem Laden. 

Sie verkaufen keine China-Ware, sondern nur Produkte aus natürlichen Zutaten und Gegenstände, die von Künstlern geschaffen wurden oder aus kleinen Produktionsstätten stammen. Ebenfalls führen Sie viele Unikate und Sonderanfertigungen im Sortiment. Finden Sie, dass es immer mehr Leute gibt, die diese Produkte schätzen, obwohl sie teurer sind als diejenigen, die in Serie produziert werden? 

Jeder Gegenstand hat einen Kunden. Aber nicht jeder Gegenstand passt zu unserem Konzept. Wir suchen Authentizität und Künstler, die einen eigenen Stil haben und eine Emotion weitergeben. Es wird viel emotionell gekauft. Was speziell an INSPIRATIO ist: es gehört der Kirche, und alle Einkommen dienen zur Restaurierung der Kirche. Wenn die Kunden hier etwas kaufen, tragen sie zur Restaurierung der Schwarzen Kirche bei. 

Eine immer größere Anzahl von Kunden benutzt Künstliche Intelligenz als Hilfsmittel. In ein paar Jahren wird es wohl kaum Kunst geben, die nicht von KI beeinflusst wird. Wie sehen Sie das? 

Wir wollen so lange wie möglich unsere Authentizität behalten. Das ist nicht leicht, denn leider sind Emotionen am Aussterben. Man beobachtet dies oft bei jungen Menschen, die sich kaum von ihren Smartphones trennen. 

Haben Sie vielleicht ein Projekt für Jugendliche im Plan? 

Wir würden sehr gerne für Jugendliche etwas tun. Zum Beispiel würden wir gerne Gespräche für Persönlichkeitsentwicklung organisieren. Wir müssten aber Leute finden, die sich einbringen wollen und solche Projekte durchführen könnten. Wir freuen uns auf jede Anregung und Idee. 

Frau Olosz, vielen Dank für das Gespräch!