Nördlich von Bukarest, mit der Hauptstadt verwachsen, gibt es eine rasant wachsende Stadt: Voluntari. Dieser früher durchaus kleine Vorort ist mittlerweile geprägt von Neubauten. Da in Bukarest die Mieten immer weiter steigen, ziehen einige Menschen in die Vorstadt, um günstiger, mit mehr Platz und teilweise auch mit mehr Luxus zu leben. Momentan ist die Stadt Voluntari Teil des Kreises Ilfov. Diesen Status möchte der Bürgermeister Florentin-Costel Pandele (PSD) jedoch bald ändern: Voluntari soll ein „Municipiu“ (Munizipium; am ehesten: eine kreisfreie Stadt/Gemeinde), werden. Der Gesetzentwurf wurde bereits in der Abgeordnetenkammer gebilligt, berichtet die Nachrichtenseite Buletin de București.
Der Gesetzentwurf (Pl-x 151/2026) wurde vom PSD-Abgeordneten Ioan Vulpescu eingebracht. Er wurde bei der Abgeordnetenkammer eingereicht, die erste Kammer benachrichtigt, und die Frist für die Debatte und die endgültige Abstimmung endete am 6. Juni. Da es dann im Rahmen der 45-tägigen Frist keine Plenarabstimmung gab, gilt das Gesetz automatisch als angenommen. Nun geht es weiter an den Senat und anschließend, falls er auch dort angenommen wird, an den Präsidenten.
Jedoch bleibt die Frage: Warum möchte Voluntari denn ein „Municipiu“ werden? Vertreter der Verwaltung von Voluntari erklärten auf Anfrage des Buletin de București, dass die Änderung des Gemeindestatus in erster Linie auf dem Willen der Bürger beruhe, der vor 22 Jahren in einem Referendum zum Ausdruck kam, aber auch auf einer Reihe von „konkreten Vorteilen“ im Zusammenhang mit der lokalen Entwicklung. Laut ihren Angaben würde das neue Gesetz es erleichtern, substanziellere Finanzmittel zu gewinnen und die Förderfähigkeit für große Infrastruktur- und Mobilitätsprojekte zu erhöhen.
Mit „dem Willen der Bürger“ ist ein Referendum vom Oktober 2004 gemeint. Bei diesem hat sich die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer für die Umwandlung der Stadt in eine Gemeinde ausgesprochen. Von über 15.900 abgegebenen Stimmen befürworteten rund 15.800 diese Änderung.
Das Problem ist nur, dass dieses Referendum über 20 Jahre her ist, mittlerweile um die 50.000 Menschen in Voluntari leben und das Ergebnis dadurch veraltet ist. 2009 gab es übrigens noch ein Referendum. Dabei stimmten 77 Prozent der Wähler dafür, dass Voluntari zum 7. Sektor der Hauptstadt werden soll. Aus beiden Referenden wurde über Jahre nichts, bis das erste jetzt wieder hervorgeholt wurde.
Der Wirtschafts- und Sozialrat des Parlaments hat zu dem Projekt jedoch eine ablehnende Stellungnahme abgegeben. Die Institution analysierte den Gesetzesentwurf und kam zu dem Schluss, dass die von den Initiatoren vorgebrachten Argumente nicht ausreichten, um die Statusänderung zu rechtfertigen.
Es seien zwar einige formale Kriterien erfüllt, es gebe aber Mängel bei der Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen. Das Dokument zeigt beispielsweise, dass es in Voluntari keine öffentlichen Krankenhäuser, Universitäten und kulturellen Einrichtungen gibt. Gleichzeitig weist der Rat darauf hin, dass die Gesetzesinitiative die konkreten Vorteile der Statusänderung für die Einwohner nicht überzeugend erläutert, „mit Ausnahme der höheren Steuern, die die Bürger zu zahlen haben“.
Schlussendlich fasst der Wirtschafts- und Sozialrat das Problem so zusammen: Voluntari ist vor allem ein Vorort von Bukarest und steht in vielen Bereichen nicht auf eigenen Beinen. „Eingriffe in die Struktur von Ortschaften in der Nähe von Bukarest, die als Wohngebiete der Hauptstadt fungieren, ohne wirtschaftliche oder soziokulturelle Autonomie, sollten Gegenstand einer konzertierten, nicht individuellen Verwaltungsreform sein, bei der die gegenseitige Abhängigkeit zwischen diesen Ortschaften und der Hauptstadt anerkannt wird und nicht, indem sie aufgrund künstlicher Erwägungen einen höheren Rang einnehmen“, heißt es in der Stellungnahme.





