Wort zum Sonntag: Unsere Gaben erbauen das Reich Gottes unter den Menschen

Festpredigt


Zu festlicher Stunde sind wir zusammengekommen in unserer Darowaer Kirche, um der 240 Jahre seit der Gründung dieser Gemeinde zu gedenken. Die Kirche ist der Kreuzerhöhung gewidmet und hat sicher in all diesen Jahren das Vertrauen vieler an das siegreiche Kreuz Christi gestärkt. Aus ihrem Glauben mögen Ihre Ahnen Kraft geschöpft haben, als sie vor 240 Jahren, aus dem nichts heraus, diese Gemeinde aufbauten. Und diesen Glauben, das Vertrauen auf die Liebe Gottes, auf Seinen Beistand, haben sie weitergegeben an ihre Kinder, an ihre Nachfahren. Deshalb sind wir heute hier, mit dankbaren Herzen, vor Gott versammelt und gedenken in Dankbarkeit auch unserer Vorfahren, zugleich in der Hoffnung, dass auch wir unseren Glauben, unser Vertrauen auf den lieben Gott an unsere Nachfahren weiterschenken können.

Über Glauben und Vertrauen hat auch der heutige Bibeltext etwas zu sagen: Jesus sitzt im Tempel und be-obachtet die Menschen. Er predigt nicht, er heilt niemanden, er diskutiert nicht mit den Schriftgelehrten. Er schaut einfach zu. Vor ihm steht der Opferkasten. Menschen kommen und legen ihre Gaben hinein. Viele Reiche geben viel Geld. Die Münzen klimpern laut, die Beträge sind beeindruckend. Doch dann kommt eine Frau, die kaum jemand beachtet. Eine arme Witwe. Sie legt zwei kleine Münzen hinein – den geringsten Betrag, den man überhaupt geben konnte. Und genau diese Frau wird von Jesus hervorgehoben. Er ruft seine Jünger zu sich und sagt: „Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle anderen.“

Das klingt zunächst unverständlich. Wie kann jemand, der nur zwei kleine Münzen gibt, mehr geben als Menschen, die große Summen spenden? Jesus erklärt es selbst: Die Reichen gaben von ihrem Überfluss. Die Witwe aber gab aus ihrer Armut heraus alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. Damit offenbart Jesus eine wichtige Wahrheit: Gott bewertet nicht die Größe der Gabe, sondern die Hingabe des Herzens.

Wir Menschen schauen oft, vor allem in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, auf Zahlen, auf Erfolge, auf sichtbare Leistungen. Gott aber schaut tiefer: Er sieht die Beweggründe, den Glauben, das Vertrauen. Die Witwe hält nicht krampfhaft an ihrem Wenigen fest. Sie vertraut darauf, dass Gott für sie sorgen wird. Ihre zwei Münzen sind nicht nur eine Spende, sondern Ausdruck ihres Glaubens.

Für Gott zählt nicht, wie viel wir haben, sondern was wir mit dem tun, was uns anvertraut wurde. Gott schaut auf das Herz. Vielleicht können wir nicht viel Geld geben, aber wir können Zeit schenken, ein offenes Ohr, ein freundliches Wort, ein Gebet, einen Besuch bei einem einsamen Menschen, einen Dienst in der Gemeinde. Das schafft Gemeinschaft. Manchmal erscheinen uns diese Dinge unbedeutend. Doch in Gottes Augen können sie von unschätzbarem Wert sein. Denn sie erbauen das Reich Gottes unter den Menschen.

Natürlich verlangt Jesus nicht von jedem Menschen, alles zu verschenken. Aber er fragt uns: Hängt dein Herz an deinem Besitz oder an Gott? Vertraust du auf das, was du hast, oder auf den, der dich trägt? Es geht um Vertrauen und um die Bereitschaft, Gott das Beste zu geben und nicht nur das, was übrig bleibt.
Bemerkenswert ist auch, dass die Witwe wahrscheinlich gar nicht wusste, dass Jesus sie beobachtete. Sie wollte keine Anerkennung. Sie suchte keinen Applaus. Ihr Handeln geschieht im Verborgenen. Viele unserer treuesten Dienste geschehen ebenfalls im Verborgenen. Niemand sieht die Gebete, die für andere gesprochen werden. Niemand zählt die stillen Opfer, die Eltern für ihre Kinder bringen. Niemand bemerkt manche Tat der Nächstenliebe. Aber Jesus sieht sie. Er kennt unsere Umstände, unsere Sorgen, unsere Opfer und unseren Glauben.

Deshalb dürfen wir heute mit neuer Zuversicht leben: Gott misst nicht nach menschlichen Maßstäben. Er sieht das Herz. Und oft sind die kleinen, unscheinbaren Gaben, die aus Liebe und Vertrauen gegeben werden, die größten in seinem Reich.

Möge Gott uns ein Herz schenken wie das der Witwe: ein Herz voller Vertrauen, voller Hingabe und voller Liebe!
Amen.