Wort zum Sonntag: Wo ist dein Zuhause?


Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir (Hebr 13,14). Wo ist dein Zuhause? Auf diese Frage kann meine Frau unterschiedlich antworten. Aufgewachsen in Kronstadt haben wir in Hermannstadt geheiratet und sind kurz darauf nach Broos gezogen. Unsere Kinder sind in Ha]eg zur Welt gekommen, nun wohnen wir in Mediasch, wobei wir immer noch gerne nach Kronstadt fahren, zu den Verwandten, aber auch, weil die Stadt unter der Zinne weiterhin uns beiden gefällt. 

Wo ist dein Zuhause – das fragten sich die Israeliten auch, als sie 40 Jahre in der Wüste waren. In Ägypten, wo sie 400 Jahre gelebt haben, wo sie aber doch gerne wegliefen aus der Sklaverei? In der Wüste, wo sie schon mehr als eine Generation lebten als Nomaden? Oder im sogenannten „gelobten“ Land, das sie noch nicht kannten, wo aber Milch und Honig fließen sollten?

Im Hebräerbrief im 13. Kapitel im 14. Vers – es ist der Predigttext des kommenden Sonntages – sagt einer: Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir. Oder, mit anderen Worten ausgedrückt und übersetzt– nach der zukünftigen Stadt sehnen wir uns.

Hin und her reisen ist eine schöne Sache, wenn man jung ist. Man kann hier studieren, dort arbeiten, hier neue Leute und dort neue Gegenden kennen lernen, doch dann kommt meist die Zeit, in der man Wurzeln schlagen will und sich Beständigkeit wünscht.

Im Hebräerbrief ist das Herumreisen aber nicht eine Laune, auch nicht ein Hobby. Derjenige, der diesen Brief geschrieben hat, wollte damit sagen: „Hey, Leute, wir wandern durch dieses Leben, aber wir haben auch ein Ziel, eine zukünftige Stadt.“ Dieser Vers hat viele dazu inspiriert, darüber nachzudenken, dass das Leben, das wir hier führen, sich nicht erschöpft in den Dingen, Orten und Menschen, die wir hier haben. Die Bibel sagt an verschiedenen Stellen und das immer wieder – wir haben Bürgerrecht im Himmel, und das ist Trost und ein Ziel für einen jeden von uns.

Ein Bürgerrecht zu haben, ist für viele von uns eine Selbstverständlichkeit. Doch wem dieses fehlt, dem fehlt vieles. Seit vier Wochen zum Beispiel lebt bei uns eine Mutter mit drei Kindern – sie haben in Rumänien um das Bürgerrecht angesucht, um das Recht auf Arbeit, damit sie haben, wovon sie leben können, damit die beiden Töchter in die Schule gehen können. Sie kommen aus Palästina, und dort ist es etwas schwierig mit dem Beschaffen von Papieren bezüglich der Staatszugehörigkeit und der sicheren Zukunft für sich und die Kinder.

Dass wir in diesem Leben Pilger sind, die durch das Leben wandern, ist darum ein guter Vergleich, der unser Leben beschreibt. Allerdings ist es etwas schwer, diese zukünftige Stadt zu beschreiben, da-rum will ich die Geschichte vom bellenden Prediger erzählen – einer Geschichte, die nicht alle Fragen beantwortet, aber für uns zumindest einen Hoffnungsraum eröffnet.  

Der Schwerkranke ergriff die Hand des Arztes: „Mir ist so bange vor dem Sterben. Sagen Sie mir doch, Herr Doktor, was wartet auf mich nach dem Tode? Wie wird es auf der anderen Seite aussehen?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete der Arzt.

„Sie wissen es nicht?“, flüsterte der Sterbende.

Statt eine weitere Antwort zu geben, öffnete der Arzt die Tür zum Gang. Da lief ein Hund herein, sprang an ihm hoch und zeigte auf jede Weise, dass er sich freute, seinen Herrn wiederzusehen. Jetzt wandte sich der Arzt dem Kranken zu und sagte: „Haben Sie das Verhalten des Hundes beobachtet? Er war vorher noch nie in diesem Raum und kennt die Menschen nicht, die hier wohnen. Aber er wusste, dass sein Herr auf der anderen Seite der Tür ist, darum sprang er fröhlich herein, sobald die Tür aufging. Sehen Sie, ich weiß auch nichts Näheres, was nach dem Tod auf uns wartet; aber es genügt mir, zu wissen, das mein Herr und Meister auf der anderen Seite ist. Darum werde ich, wenn eines Tages die Tür sich öffnet, mit großer Freude hinübergehen.“