Um die anscheinende Richtungslosigkeit rumänischer Politik zu beschreiben, bemühen in den letzten Monaten manche Analysten den Begriff „fundluntrism“. Dabei handelt es sich um ein Konstrukt aus den Worten „fund“ (Hintern) und „lun-tre“ (Boot). Der Begriff bezieht sich auf den Ausdruck „ a fi cu fundul in mai multe luntrii“ (mit dem Hintern in mehreren Booten sitzen), welcher dem Deutschen „auf mehreren Bällen gleichzeitig tanzen“ entspricht. Die rumänische Sprache kennt mehrere Ausdrücke für derartige Situationen (am bekanntesten „Sowohl die Ziege als auch das Kraut zufriedenstellen“).
In erster Linie versucht man damit, Rumäniens Außenpolitik in den letzten Monaten zusammenzufassen. Im Kreuzfeuer: Präsident Nicu{or Dan (aber nicht nur), als Hauptverantwortlicher laut Verfassung. In dem Spannungsfeld Trump-EU fehlte meistens seitens des Mathematikers und dadurch auch des Landes, in den nicht seltenen dornigen Situationen, eine klare Positionierung. Der neueste Vorwurf: Dan fehlte in Davos und erschien nicht bei der Sicherheitskonferenz in München, wird aber am ersten Treffen des Trumpschen Friedenrats in Washington dabei sein.
Die Abwesenheit in der Schweiz und in Deutschland soll Rumänien die Chance genommen haben, sich in Fragen der Sicherheit und der Wirtschaft zu positionieren. Kritiker bemerken, dass dadurch Dan entscheidend zum Ignorieren des europäischen Süd-Ostens beigetragen habe und dass deswegen für viele der Osten mit Polen aufhört. Zugleich wurden Chancen mancher Verhandlungen hinter geschlossenen Türen verpasst. Es bleibt aber die Frage: Was hätte Dan von rumänischer Seite diesen möglichen Partnern anbieten können, um überhaupt ins Spiel zu kommen? Das rumänische Heer besticht nicht gerade durch Ausrüstung und Einsatzmöglichkeiten. Die Wirtschaft kränkelt. Die Regierungsallianz ist eher damit beschäftigt, interne Feuer zu löschen. Das Verhalten der Justizoberhäupter deutet nicht unbedingt auf einen Rechtsstaat hin. Angekündigte und versprochene Reformen wechseln ihre Form öfters als die Wettervorhersage.
Nun hat nach langem Überlegen und wiederholtem Stottern vor laufenden Kameras Dan beschlossen, in Washington irgendwie Trumps Weltfriedenstraum zu legitimieren. Irgendwie, denn Rumänien scheint an den Traum nicht so sehr zu glauben, dass es die verlangte eine Milliarde Dollar für die Vollmitgliedschaft auf den Tisch legt. Also wird Rumänien als Beobachter dabei sein. Konkret: am Kindertisch sitzen und zuschauen, wie die Erwachsenen ihre Pläne schmieden. Natürlich wird man am Ende ein schönes Foto vorweisen können. Mit auf dem Bild neben Papa Rotschopf: Ungarn, Türkei, Weißrussland (die ja bekannter Weise alle Sinnbilder der Demokratie darstellen). Da muss man sich tatsächlich fragen, ob ein Foto mit den Alpen oder dem Hofbräuhaus im Hintergrund nicht gelungener gewesen wäre. Natürlich wird die Teilnahme in Washington mittels Interesse an Friedensfindungsprozessen und Sicherheitsstrategie legitimiert, doch sollten US-Niederlassungen wie Kog²lniceanu und Deveselu eher in die Waage fallen, als ein wohlwollendes „I see you“, welches man im Vorübergehen seitens des größten Friedensstifters, den die Welt je erleben durfte, ernten könnte.
Auf interner Ebene könnte der Eindruck einer Politik des „fundluntrism“ stimmen. Doch wirklich zutreffend ist er letztendlich nicht. Rumänien scheint nicht gleichzeitig in mehreren Booten sitzen zu wollen, sondern sich eher dem Anblick ihres Vorbeiziehens hinzugeben. Ab und zu wird dann daraus eine mathematische Formel entwickelt, an der man lange tüftelt, um herauszufinden, dass „a“ nicht gleich „b“ ist, dass „c“ auch möglich ist, während „d“ sich zwischen minus und plus Unendlich bewegt. Den Hintern kriegt man aber nicht hoch, um wirklich auf ein Boot zu springen.





