Michelsberg. Oben auf dem Berg die bekannte Burg mit den Heiratssteinen. Ein warmer Sommernachmittag. Neben der Evangelischen Kirche steht ein frisch saniertes, gelb gestrichenes Gebäude. Die Glastüren stehen einladend offen. Das Haus – wie viele sich noch erinnern dürften – war früher der Sitz der Feuerwache des Dorfes. Im Herbst 2025 eröffneten Laura und Marius Menhard nach langjährigen und umfangreichen Sanierungsarbeiten hier das Restaurant „Kamin“. Auf einem schattigen Platz der Terrasse, unterhalb einer alten Mauer, sprach Laura Menhard mit ADZ-Redakteur Roger Pârvu über Herausforderungen, erfüllte Wünsche und mögliche Zukunftspläne.
Was macht Michelsberg für Sie so besonders?
Hier bin ich zu Hause. Hier bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich hatte das Glück, bleiben zu können. Selbst wenn ich einmal weg war, hielt es mich nie lange anderswo. Irgendetwas zieht mich immer wieder zurück – ein Magnet, der mich nicht loslässt. Natürlich hat sich Michelsberg über die Jahre verändert. Es ist ein lebendiges, dynamisches Dorf geworden. Viele haben sich hier niedergelassen und sich nicht nur im Dorf, sondern auch in der evangelischen Gemeinde integriert. Alle wollen sich anpassen, mitmachen, sich engagieren. Es gibt ein besonderes Lebensgefühl hier.
Wie kam es dazu, dass Sie und Ihr Mann die ehemalige Feuerwache übernommen haben?
Das Gebäude war mehr als baufällig – es war einsturzgefährdet. Überall hingen Schilder: „Achtung, es fallen Ziegelsteine herunter.“ In einer Sitzung der Kirchengemeinde, der das Gebäude gehörte, wurde beschlossen, es abzureißen. Auch wir beide, mein Mann und ich, haben dafür gestimmt. Doch da es in einem Denkmalschutzgebiet liegt, hat uns die Denkmalschutzbehörde den Abriss nicht erlaubt. Als uns das mitgeteilt wurde, sagte Marius plötzlich, wir könnten das Gebäude doch übernehmen. Ich dachte nur: „Das geht doch gar nicht. Wir haben gerade dafür gestimmt, es abzureißen. Was sollen wir denn mit diesem Ding anfangen?“ Aber Marius meinte: „Denk mal weiter. Schau dir die Geschichte an, die in diesen Mauern steckt.“ Und tatsächlich ging mir ein Licht auf. Ab diesem Moment sah ich das Gebäude mit anderen Augen. Wir hatten die Möglichkeit, ihm eine neue Chance zu geben. Viele hatten es sich vorher angesehen, aber niemand brachte den Mut auf, es zu übernehmen. Damals sagte uns Michael Henning, der Kurator der Gemeinde: „Ihr dürft es euch nicht mehr anders überlegen, denn wir nehmen es nicht mehr zurück.“
Hatten Sie beim Übernehmen des Gebäudes einen klaren Plan?
Nein, nicht wirklich. Eine Idee schwebte uns schon vor, aber klar war sie nicht. Zunächst dachten wir an Ferienwohnungen. Wir sprachen mit einem Designer aus Bukarest, der einige Entwürfe machte – und die waren wirklich großartig. Also begannen wir mit der Renovierung, zuerst mit dem Dach. Marius hatte jedoch immer den Traum, im Ruhestand ein eigenes Restaurant zu führen. Er hat früher in der Gastronomie gearbeitet, auch wenn das Leben ihn später in eine andere Richtung geführt hat. Als wir das Gebäude dann hatten, sagte er: „Ich weiß nicht, warum wir uns auf Wohnungen konzentrieren. Es gibt hier genug Pensionen. Lass uns ein Restaurant eröffnen.“ Und so schlugen wir diesen Weg ein.
Sieben Jahre dauerte es bis zur Eröffnung. Warum so lange?
Alles, was wir hier gemacht haben, brauchte Genehmigungen – eine nach der anderen. Die erste Phase zog sich endlos hin. Dann kam die Pandemie. Wir hatten gerade das Dach fertig, und plötzlich standen wir da: Machen wir weiter oder nicht? Besser warten und sehen, wohin sich alles entwickelt. Man kann schließlich nicht so viel Geld in ein Gebäude stecken, das viel-leicht keine Zukunft hat. Es kann schön sein, aber wenn niemand kommt – für wen macht man es dann? Also legten wir das Projekt zwei Jahre lang auf Eis. Wir erledigten nur Kleinigkeiten, reparierten hier und da etwas. Nach der Pandemie begann der Krieg in der Ukraine – wieder Unsicherheit. Da sagte Marius: „Wenn wir immer darauf warten, dass es ruhiger wird, werden wir alt und schauen auf das Gebäude, während wir immer noch auf den perfekten Moment warten. Also machen wir weiter.“ Und so haben wir weitergemacht.
Was hat Sie in diesen sieben Jahren davon abgehalten, aufzugeben?
Es war nicht einfach. Aber immer wenn einer von uns aufgeben wollte, war der andere da, um zu motivieren. Wir haben uns gegenseitig getragen. Als ich klein war, gingen wir oft mit meiner Mutter und meinen Geschwistern zu Fuß von Heltau nach Michelsberg. Der Weg führte gewunden durch die Obstgärten. Meine Geschwister im Kinderwagen, ich hinterher. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Dann sagte meine Mutter: „Siehst du die Burg? Noch eine Krümmung, dann sind wir da.“ Ich sehnte mich so nach dieser Burg, aber wir kamen einfach nicht an. Irgendwann fing ich an, die Festung zu hassen, weil sie mich ständig hinters Licht führte. Aber am Ende kamen wir an – und es war gut. Genauso war es mit der Renovierung. Schritt für Schritt wurde das Licht am Ende des Tunnels heller, bis wir schließlich ankamen. Jetzt, wo ich sehe, welche tollen Menschen herkommen und wie positiv sie von hier weggehen, weiß ich: Ich würde es wieder tun.
Mut brauchte es trotzdem, ein Restaurant in Michelsberg zu eröffnen, wo es bereits ein gutes Angebot gibt. Was macht Sie besonders?
Uns war klar, dass unser Konzept etwas anderes sein muss als das, was es hier schon gibt. Wir wollten eine Verbindung zur Burg und zur Kirche schaffen. Die Ziegelsteine des Bodens erinnern an die Böden der beiden Gebäude – gleiche Form, gleiche Farbe. Auch die Gewölbe, die wir eingebaut haben, knüpfen daran an. Der Name und das Logo fassen unser Konzept am besten zusammen: „Kamin“ lässt sich unterschiedlich lesen. Auf Rumänisch bedeutet „c²min“ Heim – wir möchten, dass sich die Menschen hier wie zu Hause fühlen. Gleichzeitig ist der Name bewusst mit „K“ geschrieben. „Kamin“ erinnert auf Deutsch ebenfalls an Heim, aber da wir uns in der ehemaligen Feuerwache befinden, gehört ein Kamin natürlich dazu. Noch haben wir keinen, aber es wird ihn geben. Betont man den Namen anders, liest man auf Englisch „come in“ – eine Einladung. Und wenn man das „K“ bedeckt, bleibt das rumänische Wort „Amen“. Wir möchten Menschen ansprechen, die das Schöne sehen, die Atmosphäre wahrnehmen, die Herzlichkeit spüren. Viele sagen: „Endlich ein Ort, an dem es mal etwas anderes gibt.“
Was sollte man unbedingt von Ihrer Speisekarte probieren?
Unsere Speisen sollen nach „Zuhause“ schmecken. Sehr beliebt ist unsere Paprikacremesuppe – viele sagen, sie hätten so etwas schon gegessen, aber nie mit diesem Geschmack. Sie hat etwas Besonderes. Von den Hauptgerichten empfehle ich „Omas Rezept vom Ploatz“. Es ist eigentlich das Rezept meiner Mutter für Rindfleisch, benannt nach der Straße im Dorf, an dem sie – und auch wir – wohnen. Und natürlich der Hanklich, der nach alter Tradition im Holzofen gebacken wird.
Wo soll Sie diese Reise in zehn Jahren hinführen?
Als wir mit der Sanierung fast fertig waren, schlug Marius vor, eine Zeitkapsel zu machen. Wir drei – Marius, unsere Tochter Sonja und ich – sollten jeweils einen Brief schreiben, in dem wir unsere Wünsche für den Moment festhalten, in dem Marius seinen 70. Geburtstag feiern wird. Also in 27 Jahren. Die Briefe kamen in eine Flasche und wurden eingemauert. Den Ziegel kennzeichneten wir mit „M-70“. Während der Arbeiten fand ein Maurer die Flasche, dachte, sie sei versehentlich dort gelandet, und holte sie heraus. Also mussten wir sie ein zweites Mal einmauern. Viele fragen mich, was es mit „M-70“ auf sich hat. Bis jetzt war es unser Geheimnis. Anfangs war ich von der Idee nicht begeistert, aber Marius überzeugte mich. Am Ende schrieb ich vier Seiten. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr genau, was darin steht. Aber ich erinnere mich, dass ich schrieb: Ich wünsche mir, dass es genauso ist wie heute.







